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Akut bedroht von einer tief herabhängenden Fichte war dieses Wohnhaus an der Ringstraße in Pastetten, der nur noch von einer Stromleitung festgehalten wurde. Die Feuerwehr trug ihn Stück für Stück ab.

Sturmbilanz für den Landkreis Erding  646 Anrufe bei Rettungsleitstelle

Sabine zerlegt Sportplatz

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Sturm Sabine hat den Landkreis am Montag ins Chaos gestürzt – nur eine Woche nach dem zerstörerischen Tief Petra. Erneut mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden, ebenso der Erdinger Stadtpark. Auf der A 94 wurde ein Anhänger weggeweht. Ab dem frühen Vormittag stellte die S-Bahn ihren Betrieb auf den Außenästen ein, am Flughafen fielen hunderte Flüge aus (siehe Berichte im Bayernteil).

Erding -  Die Integrierte Leitstelle Erding (ILS) arbeitete bis zum Nachmittag 118 Einsätze ab, sagte  Landratsamtssprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer. Die Disponenten wurden von der Kreiseinsatzzentrale der Feuerwehren (KEZ) unterstützt, die 81 Alarme abwickelte. Dazu erklärt Kreisbrandinspektor Andreas Pröschkowitz: „Seit dem frühen Morgen wickeln je fünf Feuerwehrkräfte in Absprache mit der Leitstelle nicht zeitkritische Einsätze ab, etwa Sturmschäden, von denen keine Gefahr ausgeht.“ Damit würden die Disponenten erheblich entlastet, die ja auch noch den Rettungsdienst koordinieren müssten. Insgesamt waren es 646 Anrufe, davon 460 über den Notruf 112.

Schwerer Wind-Unfall auf der A94

Auf der A 94 sorgte der Sturm gegen 6.15 Uhr für einen folgenreichen Unfall zwischen den Anschlussstellen Langdorf und Dorfen. Nach Angaben der Autobahnpolizei Hohenbrunn fegte eine Böe den Anhänger eines 56-Jährigen aus dem Kreis Mühldorf zur Seite. Der prallte gegen einen Fahrbahnteiler. Die aus Obst und Gemüse bestehende Ladung verteilte sich über die gesamte Autobahn. Ein 47-Jähriger aus dem Kreis Erding, der hinter dem Gespann fuhr, konnte den Zusammenprall mit dem Hänger nur verhindern, indem er die Böschung hinauffuhr und rechts von der Leitplanke zum Stehen kam. Alle Airbags lösten aus, der Fahrer kam mit einer Kopfplatzwunde ins Krankenhaus. Mehrere Feuerwehren und die Autobahnmeisterei Ampfing rückten aus. Die Richtungsfahrbahn Passau blieb drei Stunden komplett gesperrt.

Bäume auch auf der B15 und der B388

Kein Durchkommen gab es auf vielen weiteren Strecken. Betroffen waren auch die Hauptverkehrsrouten, darunter die B 15 bei Großschwindach und die B 388 bei Kreuthäusl. Im ganzen Landkreis mussten die Feuerwehren mit ihren Kettensägen anrücken, um Straßen wieder freizubekommen.

Vier Autos von Bäumen getroffen

Glück im Unglück hatte gegen 8 Uhr ein Steinkirchner (20), der laut Josef Schmid, Leiter der Erdinger Polizei, von Hienraching in Richtung Edersberg unterwegs war. Ein Baum fiel auf die Motorhaube, die Windschutzscheibe riss. Der junge Mann kam unverletzt davon.

Zwei ähnliche Unfälle ereigneten sich in der Gemeinde Steinkirchem und bei Lengdorf. Beide Fahrer, ein 58-Jähriger aus Bad Reichenhall und ein 36-Jähriger aus Neuötting, kamen ebenfalls mit dem Schrecken davon, so Dorfens Polizeichef Harald Kratzel.

Stromausfall im östlichen Landkreis

Unter anderem bei Pürstling, Pastetten nahe der A 94-Anschlussstelle, im Erdinger Stadtpark am Bahngleis sowie in Siglfing fielen Stämme in Stromleitungen. Im östlichen Landkreis kam es am Nachmittag zu einem gemeindeübergreifenden Stromausfall.

An der Landshuter Straße in Taufkirchen riss der Sturm einen Bauzaun um, der von der Feuerwehr gesichert werden musste. In Dorfen löste sich nahe des Wesner Tors ein Blechdach. Die Feuerwehr brachte es unter Kontrolle und deckte ein Glas-Oberlicht ab. Auch in Erding lösten sich Dachteile sowie ein Bauzaun. Ein Baum traf ein geparktes Auto, so Hermann Kraus von der Feuerwehr Erding.

Stadtpark gesperrt

Ganze Arbeit leistete Sabine auf der Sportanlage von Rot-Weiß Klettham. Zwei Tore wurden aus der Verankerung gerissen, ebenso die beiden Unterstände für Heim- und Gastmannschaft.

Viel Trümmerholz gibt es im Erdinger Stadtpark. Die Stadt sperrte den Park. „Dies gilt, bis die Schäden beseitigt sind. Derzeit können unsere Leute nicht rein“, berichtet Geschäftsleitender Beamter Reinhard Böhm. Es bestehe Lebensgefahr. Das gilt für alle Wälder, von denen man sich zurzeit fernhalten sollte.

Klassenfahrt abgesagt

Die Ankündigung des Landratsamts, dass im Landkreis am Montag aus Sicherheitsgründen der Unterricht ausfällt, erreichte die Familien rechtzeitig. Die Kinder dürften zu den Wenigen gehört haben, die dem Sturm etwas Positives abgewinnen konnten. 

Lange Gesichter hingegen an der Mädchenrealschule Heilig Blut. Schülerinnen der achten Jahrgangsstufe wollten am Sonntag nach England aufbrechen. Doch Sabine durchkreuzte die Klassenfahrt. Sie wurde nach den Worten von Schulleiter Josef Grundner abgesagt – aber nicht wegen des Wetters, sondern des Staus vor dem Eurotunnel nach England.

Während zahlreiche Pendler wegen des erwartbaren S-Bahn-Chaos gleich zu Hause geblieben waren, gingen die meisten Trucker auf die Strecke. „Wir haben kaum Auswirkungen gespürt“, berichtet Thomas Bogner, Sprecher des Logistikers ITG in Schwaig. „Die meisten Speditionen haben uns ganz regulär angefahren.“

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