Coronavirus - Berlin
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Positiv getestet wurde auch eine 46-Jährige aus dem nördlichen Landkreis. In der Quarantäne schreibt sie ein Tagebuch für die Heimatzeitung. Symbolfoto.

46-Jährige hat sich im Skiurlaub angesteckt

Tagebuch einer Corona-Patientin aus dem Landkreis Erding

Eine 46-Jährige aus dem nördlichen Landkreis hat sich im Skiurlaub angesteckt. In der Heimatzeitung berichtet sie über ihr Leben in Quarantäne.

Erding – Annähernd 300 Bürger im Landkreis haben sich mit dem Corona-Virus angesteckt. Eine Betroffene, eine verheiratete Mutter (46) dreier Kinder aus dem nördlichen Landkreis, schreibt für unsere Zeitung ein Tagebuch, das wir in den nächsten Tagen veröffentlichen.

Liebes Tagebuch, so, jetzt ist es soweit. Ich bin Corona-positiv getestet. Seit zwei Stunden weiß ich das Ergebnis. Meine Familie und ich sind ziemlich vor den Kopf geschlagen, und wir versuchen noch, die Situation mit Galgenhumor zu meistern. Erster Schreck: Wir befinden uns alle in häuslicher Quarantäne und haben nur noch zehn Rollen Klopapier. Wäre ich doch nur auch ein Hamster gewesen. Jetzt ist es zu spät.

Donnerstag, 19. März

Spätnachmittags habe ich leichte Symptome – Halskratzen, etwas Kopfschmerzen, und ich merke, wie es in meinem Kopf leicht zu brummen beginnt. Sind das die ersten Symptome einer Corona-Infektion? Ich überlege sofort, wo ich in letzter Zeit überall war – Einkaufen, Arbeit, Skifahren in Österreich. Sofort beginne ich zu recherchieren und muss lesen, dass das Zillertal am Tag unserer Abreise jetzt auch zum Risikogebiet erklärt worden ist. Als ich am Abend Fieber messe, habe ich 38 Grad und beschließe, gleich morgen früh bei meinem Hausarzt anzurufen. Vielleicht ist es ja doch nur ein grippaler Infekt. (Corona-Fälle im Landkreis: 54)

Freitag, 20. März

Um 9 Uhr erreiche ich meinen Arzt, der mich umgehend mit einer mir zugeteilten Nummer zum Testen schickt, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass ich kürzlich in Tirol war. An der Screeningstelle am Medizin Campus Erding angekommen, sehe ich, dass schon viele auf einen Abstrich warten – überwiegend junge Leute.

Eine Mitarbeiterin kommt vorbei und versorgt uns mit Informationen. Es gibt Getränke im Zelt und einen Toilettenwagen. Das Personal an der Teststelle schafft momentan zwölf bis 15 Abstriche in der Stunde. Die nette Mitarbeiterin kommt immer wieder an unserer Warteschlange vorbei und versucht, alle Fragen so gut es geht zu beantworten.

Nach drei Stunden bin ich an der Reihe: Versichertenkarte abgeben, Nummer sagen, Hals-/Nasen-Abstrich, Informationsblatt – fertig! Jetzt heißt es abwarten. (70 Corona-Fälle im Landkreis)

Samstag, 21. März

Meine Körpertemperatur bleibt konstant bei 38 Grad, ich habe leichte Gliederschmerzen. Um 16.20 Uhr erhalte ich einen Anruf vom Gesundheitsamt Erding. Eine nette Stimme am Telefon teilt mir mit, dass ich positiv getestet wurde. Sie geben mir Anweisung, dass ich mich, so gut es geht, räumlich von meiner Familie trennen soll. Kein gemeinsames Badezimmer, WC und Schlafzimmer. Ich darf für meine Familie kochen, gemeinsam in der Küche essen dürfen wir nicht!? Es herrscht allgemeine Verwirrung und Ratlosigkeit.

Ach ja, mein Mann hat heute Geburtstag, über mein Testergebnis als „Geschenk“ freut er sich nicht. Sonst habe ich keines. Erkenntnis des Tages: mitgefangen – mitgehangen.

Sonntag, 22. März

Meine erste Nacht im Quarantäne-Zimmer. Ich habe erstaunlich gut geschlafen und bin nur aufgrund der Gliederschmerzen ein paar Mal aufgewacht. Ich gehe in die Küche, um zu frühstücken. Es ist ja noch keiner wach, dachte ich. Unser jüngster Sohn sitzt im Wohnzimmer vor dem Fernseher und schaut YouTube-Clips zu Fortnite. Auf Nachfrage meinerseits, was das um diese Uhrzeit solle, meinte er nur, das Tablet habe er nicht gefunden, und Papa habe sein Smartphone versteckt. Am Nachmittag erhalte ich noch einmal einen Anruf vom Gesundheitsamt, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Jetzt heißt es, Kontaktpersonen ermitteln und beim Arbeitgeber Bescheid geben. Ich merke, dass ich mir gar keine Gedanken mehr zu meinem Gesundheitszustand mache, da es viel zu regeln und organisieren gibt. Scheinbar habe ich einen milden Krankheitsverlauf.

Meine beste Freundin hat beschlossen, mich täglich anzurufen und aufzuheitern. Die ersten Einkaufsangebote über WhatsApp trudeln ein. und ich denke mir: Läuft! Mir fällt ein, dass unser Sohn noch Schulaufgaben zu bewältigen hat. Dann beschließe ich: Morgen ist ja auch noch ein Tag. Erkenntnis des Tages: Außerordentliche Umstände erfordern außerordentliche Maßnahmen. (109 Corona-Fälle im Landkreis)

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