Betreuung zu Hause bieten die 19 Tagesmütter, die im Kreis Erding aktiv sind. Doch jetzt gibt es Streit mit dem Jugendamt um die Vergütung.

Vergütung an Qualifizierung gekoppelt – Frauen fürchten Schlechterstellung – Reform vertagt

Tagesmütter gehen auf die Barrikaden

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Wie sollen Erdings Tagesmütter künftig vergütet werden? Darüber streiten die 19 Heim-Erzieherinnen mit dem Jugendamt. Die Politik mahnt zu größtmöglicher Sensibilität.

Erding – Sie sind eine wichtige Ergänzung zu Kindertagesstätten: Tagesmütter. 19 kümmern sich derzeit im Landkreis Erding um 75 Mädchen und Buben. Über 80 Prozent der Kleinen sind jünger als zwei Jahre. Zwischen Tagesmüttern und Jugendamt ist nun ein Streit um Ausbildung und Vergütung entbrannt. Der Jugendhilfeausschuss legte daher fest: Bei der Reform dürften die Tagesmütter, die sich zu Hause um die Kleinen kümmern, nicht schlechter als heute gestellt werden. Prompt wurde das heiße Eisen auf das Frühjahr 2021 vertagt.

Jugendamtsleiter Peter Stadick berichtete, dass die Tagesmütter schon länger eine Anpassung ihrer Vergütung analog zu den Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst forderten. Im Moment sind das drei Euro pro Kind und Stunde. 2021 sollen es 3,30 Euro werden. Der Landkreis will laut Stadick einen anderen Weg gehen: Die Vergütung soll an die Qualifikation gekoppelt werden – je besser die Tagesmütter ausgebildet sind, desto mehr Geld sollen sie erhalten. Die Basisqualifikation soll von 100 auf 130 Unterrichtseinheiten steigen. Dafür gebe es einen gestaffelten Aufschlag von bis zu 30 Prozent. Starten soll die Regelung zum neuen Kindergartenjahr im September 2021.

Zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses kursierte ein Brandbrief der Tagesmütter. Darin hagelt es Kritik. Die Tagesmütter fürchten, finanziell schlechter dazustehen. Dies fördere Frustration, was die eine oder andere Erzieherin zum Aufgeben bewegen könnte. Sie sprechen von einem „nicht annehmbaren Einkommen“. Der Elternbeitrag sei seit 2013 um 25,6 Prozent gestiegen, die Vergütung nur um 12,5 Prozent.

Weiter bemängeln die Tagesmütter, dass sich ihre Situation frühestens in knapp einem Jahr ändern werde. Ausfalltage und Vorbereitungszeit würden – anders als in Kitas – nicht vergütet, bei der Eingewöhnung werde nur die tatsächliche Betreuungszeit bezahlt. Der Aufwand sei aber höher.

Sie fürchten sehr wohl eine Schlechterstellung. Ein angemessener Lohn beginne bei 4,50 Euro pro Kind und Stunde. Weiterhin fordern sie eine Entwicklung entsprechend der des öffentlichen Dienstes. Zudem müssten sich Weiterqualifizierungen bereits im Folgemonat aufs Salär auswirken und nicht erst mit Beginn des nächsten Kindergartenjahres.

In der Sitzung erklärte Stadick, andere Landkreise würden längst das Qualifizierungsmodell anwenden. Er musste aber einräumen, dass seine Pläne schon bald obsolet sein könnten, da der Freistaat die Mindestausbildung von 100 auf 160 Unterrichtseinheiten heraufsetzen wolle. „Eine Verschlechterung wird es nur in wenigen Einzelfällen geben“, versicherte der Jugendamtsleiter.

Ulla Dieckmann (SPD) erachtete eine möglichst fundierte Ausbildung zwar als wichtig, forderte aber mehr Geld bei Eingewöhnung und Übergangsregelung. „Tagesmütter sind in der Kinderbetreuung eine tragende Säule. Wir müssen verhindern, dass einige deswegen aufhören.“ Cornelia Vogelfänger (CSU) erinnerte daran, dass die Tagesmütter Kurse zahlen müssten und teils schlechter gestellt seien als Kita-Personal. Auch Birgit Schwaiger vom Kreisjugendring forderte Gleichberechtigung. Das Alter der Kinder müsse bei der Vergütung stärker berücksichtigt werden.

Michael Oberhofer (CSU) regte eine Vertagung an. „Wir müssen warten, was der Freistaat beschließt.“ Angesichts des Fachkräftemangels wäre es töricht, eine Verschlechterung zuzulassen.

ham

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