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Ab Oktober kostenpflichtig sind die Corona-Tests. Die Testbereitschaft droht dann zu sinken.

Corona: Landrat warnt vor Befeuerung der vierten Welle

Tests sollen gratis bleiben

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Der Landkreis Erding ist – wieder einmal – drauf und dran, zum bundesweiten Corona-Hotspot zu werden.  Was das bedeutet und wie reagiert wird, wollten wir von Landrat Martin Bayerstorfer (55/CSU) wissen.

Auf 156,2 stieg die Inzidenz am Sonntag, obwohl sie bundesweit schon wieder sinkt. Doch woran liegt das verstärkte Infektionsgeschehen hier? Landrat Martin Bayerstorfer tut sich im Gespräch mit unserer Zeitung mit einer Erklärung schwer. „Es sind sicherlich die Reiserückkehrer. Hinzu kommt, dass es einige mit den Abstandsregeln bei Veranstaltungen oder in der Gastronomie nicht mehr so genau nehmen.“ Da die vierte Welle in Erding besonders früh angelaufen war, sei der Landkreis nun in besonderer Weise Opfer des erneut exponentiellen Wachstums.

Bayerstorfer stellt aber auch klar: „Infektionen, die bei Reisenden, die über den Flughafen kommen, entdeckt werden, fließen nicht in die Erdinger Statistik ein.“ Und er versichert: Trotz über 200 Neuinfektionen allein in der Vorwoche „klappt die Kontaktnachverfolgung im Gesundheitsamt nach wie vor“.

Wegen der dynamischen Entwicklung hält der CSU-Politiker nichts davon, für Schnelltests ab Oktober Geld zu verlangen. „Das wird die Infektionen weiter anfachen“, warnt der 55-Jährige. Denn Geimpfte würden sich dann nicht mehr vorsorglich testen lassen, obwohl sie das Virus ebenfalls weitergeben können.

Zahlen aus dem Klinikum bestätigen seine Befürchtung: Sieben von 16 Patienten, die zuletzt hier wegen Covid-19 behandelt wurden, waren seinen Angaben zufolge doppelt geimpft. Teils seien die Ansteckungen aber im Zuge anderer Behandlungen entdeckt worden. „Impfdurchbrüche gibt es immer mehr“, so Bayerstorfer.

An der Notwendigkeit regelmäßiger flächendeckender Tests habe sich nichts geändert. Deshalb habe er sich an Ministerpräsident Markus Söder gewandt, die Tests weiter gratis anzubieten. „Wir verlieren sonst einen entscheidenden Vorteil im Kampf gegen die Pandemie.“

Für Bayerstorfer steht fest: Im Landkreis Erding wird es auch künftig ein Impfzentrum geben. Der Standort – im Gespräch war, wie berichtet, zuletzt das ehemalige Möbelhaus Falterer in der Erdinger Innenstadt – ist aber noch offen. Aus der Lodererplatz-Sporthalle muss das BRK zum Monatsende ausziehen. Weil im Möbelhaus Miete fällig wird, kann es laut Bayerstorfer sein, dass die Regierung von Oberbayern eine Ausschreibung verlangt, zumal seitens des Staats nur noch ein Öffnungstag pro Woche verlangt wird. Ihm ist das freilich zu wenig.

Der Landrat will vor allem am mobilen Impfteam festhalten. „Wenn das in die Gemeinden geht und Termine unkompliziert vor Ort anbietet, erreichen wir nach wie vor viele Menschen für die Impfung“, ist er überzeugt. Eine Aktion vor einem Supermarkt in Erding-West hätten gut 200 Bürger wahrgenommen. Auch ein Impfbus sei zeitweise erwogen worden. „Aber mit Aktionen in Rathäusern oder Sporthallen in jeder Gemeinde erzielen wir den gleichen Effekt.“ Von Lockmitteln wie Bratwürsten zur Spritze hält er indes wenig. „Damit gewinne ich keinen Skeptiker.“

Bestätigt fühlt sich Bayerstorfer im Kauf von Luftfiltern für die Schulen bereits zu Jahresbeginn. Er ist „fest davon überzeugt, dass wir keine kompletten Klassen mehr in Quarantäne schicken müssen, sondern allenfalls die unmittelbaren Sitznachbarn“. Denn ein Kriterium dafür sei der Nachweis einer dauernden Belüftung. „Und den haben wir mit den Geräten“, so der CSU-Politiker. „Es war richtig, dass der Landkreis und viele Gemeinden hier kräftig investiert haben.“ Hinzu komme, dass die Geräte auch künftigen Grippewellen den Schrecken nähmen. Präsenzunterricht habe oberste Priorität.

ham

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