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Gassi-Gesetz soll für genug Auslauf sorgen

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Von: Michaele Heske

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Und Action: Hunde sind Rudeltiere, sie spielen gerne mit Artgenossen. Tobias Schaller und Silke Fritz-Schaller gehen viel mit ihrem Mischling Fenja Gassi, oft ist auch Hundefreund Olaf dabei.
Und Action: Hunde sind Rudeltiere, sie spielen gerne mit Artgenossen. Tobias Schaller und Silke Fritz-Schaller gehen viel mit ihrem Mischling Fenja Gassi, oft ist auch Hundefreund Olaf dabei. © Michaele Heske

Die Tierschutz-Hundeverordnung 2022 will Frauchen und Herrchen künftig stärker in die Pflicht nehmen: Denn auch in einigen Haushalten kommen Hunde zu kurz und werden nicht artgerecht gehalten. Auch sind sogenannte Qual-Züchtungen nun verboten.

Erding – Mischlingshündin Fenja hat großes Glück. Sie ist tatsächlich die beste Freundin ihrer Menschen. „Ein Familienmitglied“, sagt Silke Fritz-Schaller, und ihr Mann Tobias Schaller ergänzt: „Wir gehen mehrmals am Tag Gassi, oft mit befreundeten Hunden.“ Schließlich seien Hunde Rudeltiere, brauchen soziale Kontakte sowie „Spiel und Spaß“.

In Dorfen wie im gesamten Landkreis Erding gibt es allerdings auch Hunde, die den ganzen Tag alleine sind, nur in den Garten gelassen werden und keine Ansprache haben, weiß Tierärztin Stefanie Zwirglmaier. Sie appelliert deshalb an den Menschenverstand: „Wenn ich mir einen Hund hole, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass ich mich dann auch artgerecht um mein Tier kümmere.“

Manche Hunde werden den ganzen Tag alleine gelassen, weil der Besitzer einen langen Arbeitstag hat

Die Crux, so Regina Ditz, Hundeverhaltenstherapeutin aus Ottobrunn mit mobiler Praxis, die im Landkreis Erding mit verhaltensauffälligen Hunden sowie deren Besitzern arbeitet: „Viele Menschen haben eine unglaublich große Sehnsucht nach einem Klischee-Hund, einem besten Freund, der sie bedingungslos liebt.“ Dabei stellen sie ihre eigenen Bedürfnisse über die des Zamperls.

„Manche Hunde werden den ganzen Tag alleine gelassen, weil der Besitzer einen langen Arbeitstag hat, andere haben keine Lust, bei Wind und Wetter rauszugehen“, sagt Ditz und ergänzt: „Dann kann das Tier in Lethargie verfallen bis hin zur Depression. Oder problematisches Verhalten zeigen und aggressiv gegenüber Menschen und Artgenossen reagieren.“

Um Missstände in Zukunft zu verringern, hat die Bundesregierung die Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV) nun angepasst. Die Regeländerung, die tatsächlich jeden Hundehalter betrifft, ist die „Allgemeine Anforderung an das Halten“ in Paragraf 2 der Verordnung. Diese besagt, dass Bello & Co. in Deutschland ausreichend Auslauf im Freien „außerhalb eines Zwingers“ haben und sich Hundehalter auch täglich aktiv mit ihrem Tier beschäftigen müssen.

Qual-Züchtungen: „Das Leid dieser Hunde ist unfassbar“

Die erste Fassung der Tierschutz-Hundeverordnung sei schon mehr als 20 jähre alt, erklärt Daniela Fritzen, Pressesprecherin des Landratsamts Erding, auf Nachfrage unserer Zeitung: „Die Erweiterung der Vorgaben der Tierschutz-Hundeverordnung ist nötig geworden, um dem aktuellen Stand der Wissenschaft in Bezug auf die Bedürfnisse von Hunden gerecht zu werden.“

Auch sogenannte Qual-Züchtungen sind künftig per Legem verboten. „Viele Menschen wünschen sich Hunde mit Merkmalen, die dem Vierbeiner größte Einschränkungen bringen. Das Leid dieser Hunde ist unfassbar“, erklärt Ditz und freut sich über die Reglementierung.

Sie weiß auch, dass über das neue Gesetz derzeit viel diskutiert werde. „Ich will da aber eine Lanze für die Hundehalter brechen, das Gros der Vierbeiner wird vernünftig gehalten.“ Die Situation von sogenannten Zwingerhunden, einem Jagdhund etwa oder einem Lawinenhund, die viel Zeit draußen im Zwinger verbringen, sei zudem nicht per se schlecht, fügt Tierärztin Zwirglmaier an und sagt: „Es kommt immer auf die Bindung zwischen Hund und Besitzer an. Wichtig ist, dass sich der Hundebesitzer intensiv um sein Tier kümmert, ihm Aufmerksamkeit schenkt und genügend Auslauf gönnt, dann ist der Hund glücklich, auch wenn er nicht bei Frauchen und Herrchen im Bett schlafen darf.“

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Michaele Heske

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