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Online-Offerte: Tierschützerin Carolin Basch (Bild oben) suchte auf Ebay ein neues Zuhause für Olaf (2. v. l.) und vermittelte den Mischling nach Dorfen.

Immer mehr Menschen kaufen online Katze, Hund & Co.

Tierschutzverein warnt: Finger weg von Tieren aus dem Internet!

Von Kätzchen bis Rassehund: Immer mehr Menschen suchen im Internet nach tierischen Angeboten. Doch der Tierschutzverein Erding warnt vor dem Haustierkauf per Mausklick.

Landkreis– Online einen Hund oder eine Katze kaufen? Auch im Lankreis suchen immer öfter Menschen nach tierischen Angeboten im Netz. Neben etablierten Züchtern und seriösen Organisationen tummeln sich dort auch schwarze Schafe. Der Erdinger Tierschutzverein warnt vor dem Online-Haustierkauf.

„Lebewesen übers Internet kaufen ist das Allerletzte“

Nur einen Klick entfernt: Bei Ebay „Dorfen plus Umgebung“ eingeben, dann als Suchoption „Hund“. Fertig. Zwischen Leinen, Fressnapf und Transportboxen finden sich Welpen, Deckrüden oder Rassehunde. „Lebewesen übers Internet kaufen ist das Allerletzte“, findet Solveig Wanninger, 2. Vorsitzende des Tierschutzvereins Erding. Schließlich wüssten die Käufer meist nicht, was für ein Tier sie sich ins Haus holen: „Hunde und Katzen müssen gechipt und geimpft, Welpen und Kitten mindestens zwölf Wochen alt sein. Im Internet werden diese Auflagen oft ignoriert.“

Die kleine Katze wäre fast gestorben

Eine Erfahrung, die auch Gabriele Simmling-Schenk gemacht hat. Sie suchte online eine Maine-Coon-Katze, wurde nahe Taufkirchen fündig und holte sich eines von zwei Kitten (Kätzchen). Es fraß aber nicht. „Auf den letzten Drücker“, so der Tierarzt, wurde es behandelt – es wäre fast gestorben. „Außerdem war die Mieze deutlich jünger als zwölf Wochen, hätte gar nicht von der Mutter getrennt werden dürfen“, erzählt sie.

Daraufhin versuchte Simmling-Schenk den Verkäufer zu kontaktieren – um noch das zweite Kätzchen zu retten. Aber: „Es ging niemand mehr ans Telefon.“ Mittlerweile glaubt die Tierfreundin nicht mehr, dass sie eine echte Maine-Coon-Katze erworben hat. Doch wer interessiert sich noch für Zucht und Rassen, wenn er ein Tier liebt? Viel wichtiger ist doch, dass die Katze gesund ist.

„Schwarzzüchter wollen Welpen so schnell und so teuer wie möglich verscherbeln“

Auch mit Rassehunden treiben die Anbieter im Netz oft Schindluder: „Bei Ups-Würfen (gemeint sind Trächtigkeiten, die aus Versehen passiert sind, Anm. d. Red.) und Schwarzzüchtern geht es darum, die Welpen so schnell und so teuer wie möglich zu verscherbeln“, sagt Alexandra Wendelken, Chefin des Tierschutzvereins. Das funktioniere eben nur im Netz.

Gutes Zuhause: Solveig Wanninger und Alexandra Wendelken vom Tierschutzverein Landkreis Erding geben ein kleines Kätzchen in die Hände von Susi Nowack und Andreas Wilcke (v. l.).

Auch Caroline Basch aus Erding teilt die Bedenken. Dennoch hat die 33-Jährige Olaf, einen acht Monate alten Dackel-Terrier-Mix aus Russland, bei Ebay angeboten. „Freilich gebe ich den Hund nur in gute Hände. Das Internet wird von vielen Leuten frequentiert.“ Die Personalberaterin verweist dabei auf den Zeitgeist. Auch bei ihr hätten sich seltsame Interessenten gemeldet, etwa ein Ehepaar, das acht Stunden am Tag arbeitet: „Da wäre der Hund den ganzen Tag alleine – ein No-Go.“ Und eine Frau wollte tatsächlich testen, ob ihr zwölfjähriger Sohn die Verantwortung für einen Hund übernehmen könne.

Hund Olaf hat mittlerweile ein neues Zuhause in Dorfen gefunden

Die Tierschutzorganisationen, für die Basch immer wieder Hunde aus Osteuropa aufnimmt, halten sich streng an Richtlinien und Auflagen des Tierschutzes, vergleichbar mit denen des Tierheims. Sie selbst hat zwei Hunde, einen davon rettete sie vor der Tötung – und Olaf hat mittlerweile ein neues Zuhause in Dorfen gefunden.

Auch wenn es im Landkreis mehr als genug Tiere gebe, die dringend vermittelt werden müssten, versteht Wendelken durchaus die Situation von Hunden und Katzen aus Osteuropa: „Bei uns werden die Tiere nicht getötet, sondern im Tierheim gut versorgt.“ Verständlich auch, dass Urlauber Hunde oder Katzen mitbrächten. „Hauptsache, sie kümmern sich später um das Tier, geben es nicht ab oder setzen es aus.“ Erst kürzlich wurden zwei Deutsche Riesen in Erding ausgesetzt. Oder Kätzchen Zita, das in einem Weiler bei Taufkirchen gefunden und viel zu früh von der Mutter getrennt wurde.

Tiere als Wegwerfware

Auch im Landkreis verkämen Tiere immer wieder zur Wegwerfware, ärgert sich Wendelken: „Wenn jemand sagt, er suche ein Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk, machen wir sofort dicht.“ Sie versteht auch nicht, dass Tiere nach jahrelanger Haltung weggegeben werden: „Allergien und Schwangerschaften werden meist vorgeschoben, um den Vierbeiner los zu werden.“

Im Tierheim leben knapp 80 Katzen, auch viele Kitten. „Zu viele Katzen werden nicht kastriert und werfen ungebremst.“ Susi Nowack und Andreas Wilcke haben schon ein Kitten zuhause. Da Katzenbabys nicht alleine sein sollten, holten sie sich aus dem Tierheim noch die kleine Fabia. Die Mitarbeiter kontrollieren die späteren Lebensbedingungen des Tieres, bevor sie es weggeben – Hausbesuche inklusive.

Erschütternd: Heckklappengeschäfte dubioser Anbieter

Erschütternd für Wanninger sind die Heckklappengeschäfte dubioser Anbieter: „Du kriegst den Köter für 50 Euro“, habe ihr ein Mann zugerufen, der versucht habe, auf einem Parkplatz im Landkreis Welpen zu verschachern, die angeblich im Ausland gezüchtet wurden. Das Tier landete tatsächlich bei Wanninger, denn nach der gescheiterten Verkaufsaktion wurde der Rüde von der Polizei ins Tierheim gebracht.

Michaele Heske

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