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Der Schreck vieler Gartenbesitzer: der gefräßige Buchsbaumzünsler bei der Arbeit.

Kampf gegen die Raupe Nimmersatt

Tipps  von Erdinger Experten gegen den Buchsbaumzünsler

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Alleine das Wort Buchsbaumzünsler macht einige Gartler aus dem Landkreis schon traurig. Denn die Raupen fressen derzeit den Buchs im heimischen Garten oder Friedhofsbeet ratzekahl.

Landkreis – Buchsbaumzünsler stammen ursprünglich aus dem asiatischen Raum, leben nur etwa eine Woche, sind maximal fünf Zentimeter groß – und richten großen Schaden an. „Zur Zeit werde ich immer wieder gefragt: Was kann ich gegen den Zünsler machen?“, erzählt Landschaftsgärtnerin und Vorsitzende des Kreisverbands Erding für Gartenbau und Landespflege, Brigitte Murla (57). In ihrem eigenen Garten in Jettenstetten wollte sie die befallenen Buchsbäume eigentlich schon herausreißen. „Aber mein Mann hat gesagt: Wir kämpfen.“

Murla betreibt schon Erfolgsstudien über den Kampf gegen den Zünsler. Variante eins: Mit dem Hochdruckreiniger hat sie ihre kranken Buchsbäume im vergangenen Herbst abgespritzt. Danach hat sie die Zünsler vom Boden aufgesammelt und in eine Schüssel mit Wasser gelegt. „Und wenn sie da drin schwimmen, sind sie schnell hinüber“, erzählt sie. Fazit: „Seitdem schaut unser Buchs wieder gut aus.“ Variante zwei hat ihr Nachbar ausprobiert. Er hat Spritzmittel mit Bacillus thuringiensis eingesetzt. „Der dringt in den Zünsler ein und frisst ihn von innen auf.“ Ergebnis: „Der Buchs schaut mittelprächtig aus.“ Variante drei: Im vergangenen März hat Murla ihren Buchs zugeschnitten, „damit sind auch viele Zünsler weggefallen“. Ein Wermutstropfen bleibt: „Natürlich schauen die Buchs jetzt nicht mehr so schön aus.“

Der Buchsbaumzünsler ist fast überall im Landkreis

Inzwischen sei der Zünsler fast überall im Landkreis, sagt Murla. Es gebe nur noch wenige „zünslerfreie“ Orte, wie Sonnendorf, und „in Pesenlern habe ich noch richtige Buchshecken gesehen“. Aber die Landschaftsgärtnerin befürchtet: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der Zünsler verbreitet.“ Deshalb appelliert sie an die Gartler, gegen den Schädling vorzugehen. „Wenn die Leute nichts unternehmen, dann wird er alles zamfressen.“ Die Chancen bewertet Murla realistisch. „Wir werden es wahrscheinlich nicht schaffen, den Zünsler auszurotten.“

Paul Hagl (69) von der gleichnamigen Gärtnerei in Erding ist optimistisch, dass er den Zünsler bekämpfen kann, und hat einige Tipps in petto. Seit diesem Jahr verkaufen die Hagls gar keine Buchsbäume mehr, erzählt er. Es gebe einfach keine Nachfrage dafür: „Zu uns kommen jeden Tag bis zu zehn Kunden, die Probleme mit dem Zünsler haben“, manchmal haben sie sogar einen abgefressenen Buchszweig dabei. „Aber, wenn der Buchs schon sehr abgefressen ist, sag’ ich gleich: Reißen S’ den raus.“ Wenn der Schaden kleiner ist, empfiehlt der Gärtner verschiedene Mittelchen, zum Beispiel das biologische Spritzpulver „Neudorff’s Xentari Raupenfrei“, den Buchs mit Algenkalk bestäuben oder Bambusessig einsetzen, der stammt aus Afrika und: „Er verbrennt die Zünsler-Raupen.“

Bambusessig und Schmetterlingsfalle helfen gegen den Buchsbaumzünsler

Hagl verwendet den Bambusessig auch für seine eigene angefressene Buchshecke. 15 Liter Wasser mit 0,8 Liter Essig hat er dafür angemischt. „Außerdem gebe ich ein bisschen Zucker dazu, den mögen die Zünsler ganz gern.“ Eine weitere Waffe ist die Schmetterlingsfalle, erzählt Hagl. Schließlich werden aus den Raupen mal Schmetterlinge. „Die männlichen Falter fliegen rein und können sich dann nicht mehr fortpflanzen“, erzählt Hagl. Wie gerecht das ist, müsse jeder Gartler für sich entscheiden.

Präventiv könnten Buchsbaum-Besitzer nur Folgendes machen: „Den Strauch im Inneren alle drei bis vier Tage durchsuchen.“ Denn der Zünsler fresse sich von innen nach außen – „das ist ja das Gemeine“. Wer die grüne Plage entdeckt, könne die Raupen dann mit einem hartborstigen Hand- oder einem Stahlbesen abkehren.

Wer den Kampf um den Buchsbaum satt hat, für den gebe es Alternativen, sagt der Gartenbau-Experte des Landratsamts, Michael Klinger: „In vielen historischen Gärten und Parks wurde der Buchs bereits durch Eiben ersetzt“, sagt er. „Der Nachteil dieser Pflanze ist aber die Giftigkeit der Nadeln“ – vor allem für Kinder. Als Buchsersatz am Grab eignen sich Spindelstrauch-Arten. Und: „Zur Einfassung von Gemüsebeeten kann man mit Kräutern oder Stauden seiner Kreativität freien Lauf lassen“, empfiehlt Klinger. Möglich sind Bergenien, Nelken oder Lavendel.

Übrigens: Dem Buchs zum Verwechseln ähnlich ist die Japanische Stech-Hülse mit dem Namen Ilex crenata. Allerdings hat sie laut Klinger Nachteile: „Sie braucht leicht sauren, humosen Boden und ist nur bedingt winterhart.“ Murla fasst das ganze Problem so zusammen: „Wir haben den Buchs in unseren Gärten in den letzten Jahren einfach inflationär gepflanzt, das rächt sich jetzt.“

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