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Kritik am  Vatikan-Papier

„Totengräber der Kirche“: Vatikan stört das Miteinander in den Kirchengemeinden vor Ort

  • vonAlexandra Anderka
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Die Kritik am Vatikan-Papier ist groß. Viele Geistliche und Laien sind sich einig: Das gute Miteinander  von Geistlichkeit und Ehrenamtlichen wird untergraben.

Landkreis – Eine Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation sorgt für Irritationen in der katholischen Kirche. Sogar Kardinal Reinhard Marx erklärt, dass das Vatikan-Papier Gräben vertiefe, zu Spannungen führe und Misstrauen sähe. Dem Papier zufolge werden Laien in ihren Kompetenzen beschnitten und sind beispielsweise als Gemeindeleiter nicht mehr möglich.

Die Heimatzeitung hat sich bei Priestern und Laien im Landkreis umgehört, wie sie über das neue Dokument denken. Die überwiegende Meinung: Die Verfasser des Papiers seien realitätsfremd, ignorant, reaktionär und von Macht besessen. In einem weiteren Punkt sind sich die Gläubigen auch einig: Wir lassen uns nicht beirren.

Wenig beeindruckt zeigt sich Toni Emehrer, Pastoralreferent in Steinkirchen, von dem Papier. „Wenn man ehrlich ist, kann man von Rom nichts anderes erwarten. Die Situation der deutschen Kirche wird dort systematisch ignoriert.“ Den Beruf Pastoral- oder Gemeindereferent gebe es dort gar nicht.

Ausgerechnet einem deutschen Papst, nämlich Joseph Ratzinger, habe man diese Missachtung zu verdanken. „Der emeritierte Papst Benedikt kennt die Situation der deutschen Kirche, will sie aber nicht wahrhaben. Er trauert einer Kirche nach, die es nicht mehr gibt.“ Er lehne alles Moderne ab. „Wir brauchen nicht Antworten für das 19. Jahrhundert, sondern für das 21.“, fordert Emehrer. „Ich kann die Bischöfe nur ermutigen, so weiterzumachen wie bisher.“ Er liebe seinen Beruf und werde sich durch das Vatikan-Papier nicht irritieren lassen. „Ich fände es sehr schade, wenn die Verkündigung des Evangeliums dadurch leiden würde.“

Ähnlich sieht es auch Martin Neumaier, Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Langengeisling. „Rom muss endlich kapieren, dass die Pfarrer hierzulande überfordert sind und es ohne Laien gar nicht funktionieren würde.“ Doch Neumaier ist der Meinung, dass das Papier nicht aus der Feder von Papst Franziskus stammt. „Er würde anders handeln.“ Der Papst kämpfe gegen die Kurie, einen starken Verbund in Rom mit viel Macht. Positiv findet Neumaier, dass die deutschen Bischöfe alle an einem Strang ziehen und sich gegen die weltfremden Instruktionen wehren. „Wir werden uns von unserem guten Miteinander nicht abbringen lassen.“

Auch Erdings Stadtpfarrer Martin Garmaier kann sich nicht vorstellen, dass Papst Franziskus mit der Schrift einverstanden ist. „Das ist so ein Intrigenhaufen in Rom, da geht es nur um Macht.“ Das Papier zeige deutlich, „wie weit weg Rom von der Praxis ist“. Hier werde ein klerikales Ideal verfolgt.

Garmaier befürchtet, dass die Kirche mit solchen Instruktionen hinter das Zweite Konzil zurückfallen könne, das in den 1960ern die Gemeinschaft der Gläubigen stärken wollte. „Wir brauchen keine Kleriker-Kirche, wir müssen alle miteinbeziehen und wertschätzen.“

Das Wort Laie bedeute „aus dem Volk“. Durch den kirchlichen Herrschaftsanspruch werde verkannt, was im Zweiten Konzil stehe. Diese ignoranten Machtmenschen seien „die Tötengräber der Kirche“. Garmaier stellt sich wegen des Priestermangels ohnehin die Frage, weshalb die Bischöfe Laien nicht mit der Taufe oder der Eheassistenz beauftragten: „Das Kirchenrecht würde das hergeben.“ Er sei froh, dass sich die Bischöfe gegen das Papier wehren. Man könne schließlich nicht anordnen, „das soll ein Priester machen, wenn es den gar nicht gibt“.

Nichts Schlechtes hingegen kann Max Wittmann, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats in Neuching, dem Vatikan-Papier abgewinnen. „Ich habe mir die 30 Seiten angeschaut. Papst Franziskus beschreibt da die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche, nicht mehr und nicht weniger.“ An der Situation der Laien habe sich durch die Schrift aus Rom nichts geändert.

In der Kirche gehe es nicht darum, wer der Erste, Zweite oder Dritte ist. Es gehe lediglich um ihre missionarische Sendung. Wittman findet den Text von Papst Franziskus „eine tolle Sache“. Und „selbstverständlich sind Laien keine Priester“.

Als „schallende Ohrfeige für Frauen“ bezeichnet Ulrike Scharf, Landesvorsitzende der Frauen Union, die Instruktionen in einer Pressemitteilung. Die Politikerin zeigt sich entsetzt und sagt: „Die Mitverantwortung von Laien ist essenziell für die Zukunft der katholischen Kirche. Das neue Dokument ignoriert bewusst die Entwicklung, dass in vielen Gemeinden die Kirche von Frauen und Laien gemeinsam mit den Priestern geleitet und getragen wird. Es ist völlig realitätsfern, solche Modelle zu verbieten.“ Die Bemühungen der Kirchen vor Ort würden mit Füßen getreten und zerstörten die Motivation der vielen ehrenamtlich engagierten Menschen.

Angesichts des enormen Priestermangels und der Notwendigkeit von Reformen in der katholischen Kirche fordert Scharf: „Die katholische Kirche in Deutschland darf sich von diesem Papier nicht verunsichern lassen und muss den synodalen Weg konsequent fortsetzen.“

„Als „große Überraschung“ bezeichnet Jörg Basten, Erdinger Dekanatsratsvorsitzender und kommissarischer Vorsitzender des Kreiskatholikenrats, die Instruktionen der vatikanischen Kleruskongregation. Das Papier sei auf Initiative von Priestern aus Trier entstanden, „die sich schlecht behandelt gefühlt haben“. Natürlich spielten Priester eine zentrale Rolle, dennoch sei eine Kirche in Deutschland ohne verantwortungsvolle Aufgaben der Laien „faktisch nicht möglich“, so der Wartenberger.

„Wir haben hier so viele gute Formen der Zusammenarbeit. Das muss in Rom verständlich gemacht werden.“ Doch Basten sieht auch Positives in dem Vatikan-Papier, denn nun seien die Bischöfe aus Deutschland nach Rom eingeladen. „Ich habe die Hoffnung, dass da ein Diskussionsprozess in Gang gesetzt wird.“

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