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Ein Erdinger Original: Emanuela Schwankl in ihrem Stoffladen an der Langen Zeile. Früher lag auch gerne mal ihre Katze auf den Stoffballen im Schaufenster. 

Trauer um Emanuela Schwankl

Viel mehr als eine Stoffverkäuferin

Erding – Bekannt war sie in Erding als Inhaberin des Stoffladens „Restl Kath“ an der Langen Zeile, doch Emanuela Schwankl hatte viele Facetten. Ob als Architektin, Galeristin, Kulturpreisträgerin oder eben als Stoffverkäuferin – die gebürtige Erdingerin hatte zu vielen Themen eine ausgeprägte Meinung, mit der sie nicht hinter dem Berg hielt. Nun ist sie nach kurzer Krankheit im Alter von 83 Jahren verstorben – und Erding ist wieder um ein Original ärmer.

Im Schwankl-Haus am Schrannenplatz geboren, zog die kleine Emanuela nach der Scheidung ihrer Eltern mit ihren Schwestern und der Mutter in das denkmalgeschützte Haus an der Langen Zeile. Dort eröffnete Katharina Schwankl einen Laden, der auf Stoffreste spezialisiert war und deshalb den Namen „Restl-Kath“ erhielt.

„Ich hatte die schönste Mutter und den reichsten Vater“, erzählte Emanuela Schwankl gern. Nach dem Besuch der Grundschule am Grünen Markt und der Oberrealschule Heilig Blut machte sie in Berlin das Abitur und studierte dort Architektur. Ihre Berliner Zeit, in der sie unter anderem als Ingenieurin beim Senat tätig war, behielt sie bis zuletzt in bester Erinnerung, denn die bayerischen Frauen seien in Berlin sehr gefragt gewesen.

Seit ihren Kindertagen in der väterlichen Buchdruckerei entwickelte die Erdingerin eine Affinität zum Papier und eignete sich großes Fachwissen über Grafiken und Baugeschichte an. Ihre Leidenschaft für Kunst und Ausstellungen konnte sie auch in Erding ausleben. Hierher war sie zur Unterstützung ihrer Mutter zurückgekehrt.

Schwankl organisierte in der Herzogstadt Ausstellungen und Vernissagen und wurde für ihr künstlerisches Engagement 1985 mit dem Kulturpreis des Landkreises ausgezeichnet. Im Förderkreis Kunst, Kultur und Jugend brachte sie legendäre Lesungen, Konzerte und Ausstellungen im alternativen Jugendzentrum Picnic auf die Bühne. Hermann Kronseder, ein weitschichtiger Neffe, erinnert sich noch mit Begeisterung an die Zeit, als seine Tante „die Avantgarde nach Erding gebracht hat“.

Den Laden ihrer Mutter führte Emanuela Schwankl seit 1995 alleine und eignete sich fundierte Kenntnisse über die Stoffe und ihre Herstellung an. So bekam der Kunde oft gratis einen Exkurs zu den gesellschaftspolitischen Hintergründen dazu, was dann zu regen Diskussionen im Laden führte.

Zwar hatte sie das Haus an der Langen Zeile, eines der ältesten in Erding und von Stahlträgern gestützt, schon vor einiger Zeit verkauft, doch zu einer endgültigen Schließung ihres Ladens konnte sie sich bis zuletzt nicht durchringen. „Vielleicht läuft der Laden noch, bis ich nach St. Paul umziehe“, hatte sie noch vor nicht allzu langer Zeit spekuliert.

Die Stoffauswahl und auch die Kundschaft nahmen kontinuierlich ab. Dies ermöglichte es der exzentrischen wie resoluten Stoffhändlerin, ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Vor dem Laden sitzend, vor sich einen Kaffee und im regen Gespräch mit Bekannten: So werden viele Erdinger die Geschäftsfrau in Erinnerung behalten.

Emanuela Schwankl hat nie geheiratet. Einmal war sie kurz davor, doch ihr Verlobter starb nur wenige Tage vor der geplanten Hochzeit. Er liegt auf Kreta begraben. Dort hatte die Erdingerin auch ein kleines Häuschen, in dem sie jedes Jahr einige Wochen verbrachte. Und dort zog sie sich vor kurzem auch einen Oberschenkelhalsbruch zu und wurde operiert. Zurück in Erding lag sie einige Tage im Krankenhaus. Am Montagabend verstarb sie dort nach einer Lungenentzündung.

Ihre letzte Ruhe wird Emanuela Schwankl im Familiengrab auf dem Friedhof St. Paul finden – neben ihrer 1995 verstorbenen Mutter Katharina und ihrem langjährigen Mieter Hermann Herzberg. Der Radl-Hermann war im August 2017 verstorben. Ein Termin für die Urnenbestattung steht noch nicht fest. (Gerda & Peter Gebel)

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