Eine glückliche Familie: Gerd und Irma Vogt anlässlich ihrer Diamentenen Hochzeit am 5. Juni 2014 mit Tochter Margot Riedl (l.), Sohn Gerhard Vogt mit Gattin Anette (v. r.) und Erdings Oberbürgermeister Max Gotz.
+
Eine glückliche Familie : Gerd und Irma Vogt anlässlich ihrer Diamentenen Hochzeit am 5. Juni 2014 mit Tochter Margot Riedl (l.), Sohn Gerhard Vogt mit Gattin Anette (v. r.) und Erdings Oberbürgermeister Max Gotz.

Altbürgermeister verstorben

Der Vater von Erdings Einheit: Trauer um Gerd Vogt

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Er hat monatelang gekämpft, er hat dem Tod noch viele Monate abgerungen. Nun schwanden seine Kräfte. Am Freitagvormittag ist Gerd Vogt gestorben. Der überaus beliebte Altbürgermeister wurde 89 Jahre alt. Vogt war es, der 1978 aus Erding, Altenerding und Langengeisling eine Stadt formte, die heute glänzend dasteht.

Erding – Geboren wurde Vogt am 1. Oktober 1929 in Dürnkrut/Niederösterreich. Anfangs war er in mehreren Firmen in der Buchhaltung beschäftigt. Noch unter den Amerikanern kam Vogt in den Fliegerhorst, wo er seine Beamtenlaufbahn startete. Deren Höhepunkt war die Wahl zum höchsten Kommunalbeamten der Stadt: 1978 wurde er zum Bürgermeister von Erding gewählt, nachdem er bereits einige Zeit den plötzlich verstorbenen Alois Schießl vertreten hatte. Vogt blieb bis 1990 im Amt, das er freiwillig zur Verfügung stellte. Seine Nachfolger wurden Karl-Heinz Bauernfeind (bis 2008) und danach Max Gotz.

Eine wichtige Stadt im Leben Vogts ist Dresden. Hier überlebte er die Bombardierung Anfang 1945. Nach dem Krieg kam er mit seiner Familie nach Erding – weil sein Vater bei der Luftwaffe war und in den Fliegerhorst versetzt wurde.

Anfangs arbeitete Vogt bei Opel Egner. Dort traf er erstmals Irma Berger, die er am 5. Juni 1954 im Erdinger Standesamt und danach in der Stadtpfarrkirche heiratete. 2014 feierten Irma und Gerd Vogt bei guter Gesundheit Diamantene Hochzeit. 64 Jahren waren die beiden glücklich verheiratet. Mit ihren Kindern Margot Riedl und Gerhard Vogt sowie deren Familien verband sie eine tiefe und liebevolle Beziehung.

Von sich überzeugen konnte Gerd Vogt seine große Liebe, indem er eine Autopanne vortäuschte, um nahe bei seiner Angebeteten zu sein. Da sprang der Funke endgültig über. Die beiden haben viel erlebt, auch so manche kuriose Begebenheit. Etwa die vom Motorradunfall vor der Hochzeit. Aus Angst vor den künftigen Schwiegerleuten legte Vogt seine Irma verletzt zu Hause ins Bett. Um den Anpfiff ihrer Eltern kam er dennoch nicht herum.

Anlässlich des 80. Geburtstags 2009 schrieb der Erdinger Anzeiger über Vogt: „Sein Gesellenstück war eine Meisterleistung.“ In der Tat ist dem CSU-Politiker, der damals Vize Schießls war, gemeinsam mit Sepp Brenninger (Altenerding) und Sepp Kaiser (Langengeisling) etwas gelungen, was in den stürmischen Zeiten der Gebietsreform in den 1970er Jahren kaum einer für möglich gehalten hatte: die Verschmelzung der drei Ortsteile zu einer Stadt. Ihr erster Bürgermeister wurde Gerd Vogt.

Den drei Architekten der Einheit war es nach der Vereinigung am 1. Mai 1978 ein Anliegen, dass Erding, Langengeisling und Altenerding auch als neues Mittel- und heute Oberzentrum ihre Eigenheiten bewahren. Diese Politik verfolgt der Stadtrat bis heute – erfolgreich. Die Ortskerne sind lebendig, das Vereinsleben ist vielfältig.

Dabei war die Anbahnung der Fusion ein Politikum, in den Gemeinderäten wurde hart gerungen, vor allem die Geislinger und Altenerdinger waren gegen die aus ihrer Sicht Zwangsverheiratung. Im November 1975 stimmte Brenninger zu, im Dezember willigte auch Kaiser ein. Zwölf Jahre stand Vogt der Stadt vor. Ihm gelang es, letzte offene Gräben zuzuschütten.

Ein fürsorglicher Chef war Vogt auch für seine Angestellten. Er hörte auf ihre Kritik, bloß nicht in das frei gewordene alte Krankenhaus am Rande der Altstadt zu ziehen, nachdem die Klinik in den Neubau an der Bajuwarenstraße umgezogen war. Das Ergebnis ist bekannt: Bis heute ist der architektonisch eindrucksvolle Grafenstock an der Landshuter Straße Sitz der Stadtverwaltung. Gegenüber entsteht soeben der Neubau, weil das alte Rathaus längst zu klein geworden ist. Nur der Vollständigkeit halber: Ins alte Krankenhaus zog schließlich das Landratsamt ein.

Gerd Vogt hat auch das Gesicht des Stadtkerns geprägt. Er leitete die Altstadtsanierung ein, die sein Nachfolger Bauernfeind vollendete. „Da gab es heiße Debatten“, erinnerte sich Vogt. Die fing er ein, als er die Erneuerung der Langen Zeile mit einem großen Bürgerfest abrundete. Das Lange-Zeile- respektive Altstadtfest gibt es bis heute.

Ebenfalls Anfang der 1980er Jahre stand die Bebauung des Alois-Schießl-Platzes an. Eine nicht minder knifflige Angelegenheit: drei Bauherren, ein Projekt. Da waren hitzige Auseinandersetzungen programmiert. Auch die fanden ein gutes Ende: Die Stadt errichtete die Stadthalle, der Landkreis ergänzte das Krankenhaus um einen modernen Neubau, und die Sparkasse realisierte hier ihre Zentrale. Im Moment wird sie entkernt und quasi neu gebaut.

Noch viel größer ist ein Projekt, dessen Weichen Vogt stellte und das den Namen Erdings heute weit hinaus trägt: die Geothermie und der Bau der Therme Erding, heute die größte Wellness-Oase der Welt. Gemeinsam mit dem damaligen Landrat Hans Zehetmair erkannte Vogt die Chance, die das heiße Wasser aus über 2000 Metern Tiefe bot, wenngleich Texaco auf Öl gehofft hatte. Der Zweckverband Geothermie wurde gegründet, der heute ein wachsendes Nahwärmenetz betreibt.

Mit der Familie Wund vom Bodensee wurde ein finanzkräftiger Investor gefunden, der am 3. Oktober 1999 die Therme eröffnete – mit mittlerweile 1,8 Millionen Besuchern jährlich, mehr als Schloss Neuschwanstein.

Aus dem Amt schied Vogt freiwillig und selbstbestimmt. Sein Interesse an der Stadt nahm nicht ab, ebenso das an der CSU, die ihn 2016 für 55-jährige Mitgliedschaft auszeichnete.

Erding trauert um einen großen Politiker, der sein Amt mit Weitsicht und einer wohltuenden Prise Humor ausübte. Erding verliert mit Gerd Vogt einen feinen Menschen. Der Trauergottesdienst für den Altbürgermeister findet am Mittwoch, 24. Oktober, um 15 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Johannes statt. Danach zieht der Trauerzug nach Altenerding-Ort, wo Vogt im Familiengrab seine letzte Ruhe finden wird.

Auch interessant

Kommentare