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Herzstück der Kreispolitik: das Klinikum in Erding mit (v. r.) Personalwohngebäude, Bettenhaus, Funktionstrakt, Hubschrauberlandeplatz, Ärztehaus „Medizin Campus“ und Bildungszentrum für Gesundheitsberufe.

Trotz Defizit will der Landkreis nächstes Jahr 14,5 Millionen Euro in sein Klinikum investieren

Medizin aus dem Geldkoffer

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Am Klinikum Erding wird sich nächstes Jahr eine Menge tun. Das sind die Projekte für 2021:

Erding – Die Corona-Pandemie fordert das Klinikum Erding im zu Ende gehenden Jahr medizinisch und pflegerisch extrem heraus (siehe Bericht unten). Auch wirtschaftlich war es kein einfaches Jahr, das mit einem Minus von rund 6,6 Millionen Euro abschließen wird. Und dennoch will der Landkreis in den kommenden Jahren kräftig investieren, 14,5 Millionen Euro allein 2021. Den Weg dorthin machte nun der Krankenhausausschuss frei – einstimmig. Unter anderem im Visier: eine ganz neue Abteilung.

Große Posten waren 2020 die Sanierung des Personalwohngebäudes, der Umbau der Radiologie sowie der Einbau eines neuen Computertomografen (CT) und eines Magnetresonanztomografen (MRT). Für 2021, betonte Vorstand Dr. Dirk Last, habe man mit den Chefärzten eine Leistungssteigerung vereinbart. Dafür soll vor allem die neue Hauptabteilung Urologie sorgen, die im Sommer an den Start gehen könnte. Aber auch von der Einrichtung einer Aufnahmestation als Nahtstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung sowie der Neustrukturierung der Notaufnahme und des OP-Bereichs erhoffen sich Last und Landrat Martin Bayerstorfer eine Steigerung der Erlöse. Im laufenden Jahr rechnet das Klinikum mit je knapp 14 000 ambulanten und stationär aufgenommenen Patienten, nächstes Jahr sollen es 16 600 beziehungsweise 16 800 sein – sofern Covid-19 dann nicht mehr jede Kalkulation über den Haufen wirft. Die Verweildauer beträgt seit 2013 im Schnitt 5,3 Tage.

Ein Zusatzgeschäft erhofft man sich durch das – derzeit noch recht defizitäre – Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Erding und Taufkirchen. Der Vorstand kann sich mittelfristig weitere Standorte im Landkreis vorstellen. Nicht zuletzt dient das MVZ dazu, dem Mutterhaus Patienten zuzuführen.

Die Pandemie lehrt: Nicht unbedingt die Technik ist der Flaschenhals bei der Versorgung von Patienten, sondern das knappe Personal. Vor allem in der Pflege soll darum erheblich aufgestockt werden. 2019 waren 187,25 Vollkräfte geplant, 2020 wurde auf 217,80 aufgestockt, für 2021 sieht der Plan 246,55 volle Stellen vor. Das Gesamtpersonal soll dann 742,75 volle Stellen umfassen – mit Personalkosten von voraussichtlich 56,7 Millionen Euro.

Eine wichtige Personalie betrifft die neue Urologie-Hauptabteilung, für die es einen Chefarzt zu gewinnen gilt. Gesucht wird zudem ein Nachfolger von Gastroenterologie-Chefarzt Prof. Dr. Rudolf Riepl. Als neue Pflegedirektorin hat zum 1. November Michaela Zylka ihren Dienst angetreten. Gertrud Friess-Ott geht in den Ruhestand. Und in der Klinik Dorfen soll Dr. Ulrich Exner Chefarzt Dr. Ludwig Rudolf beerben.

Große Projekte 2021 werden die Etablierung einer Strahlentherapie, der voraussichtliche Ausbau der Dialyse von zehn auf 24 Plätze, besagte Urologie-Station sowie die Einrichtung einer neuen Notfallstufe II sein – mit MRT, Aufnahmestation und 24-Stunden-Bereitschaft Gastroenterologie. Allein davon erhofft sich Last ein Erlös-Plus von 300 000 Euro. An Medizintechnik stehen unter anderem eine neue Endoskopie (500 000 e), zwei Röntgengeräte (600 000 e), 110 Patientenbetten (382 000 e) und Infusionstechnik für die Normalstationen (144 000 e) auf dem Einkaufszettel.

Weiterhin geplant sind mittelfristig die Etablierung einer Akutgeriatrie, einer geriatrischen Tagesklinik sowie einer gerontopsychiatrischen Tagesklinik am Standort Dorfen sowie Umzug und Neuaufbau der chirurgischen Ambulanzen im Gartengeschoss am Standort Erding. 100 000 Euro steckt der Kreis allein in einen Bebauungsplan für die Erweiterung an der Bajuwarenstraße.

In den kommenden fünf Jahren rechnet weder Politik noch Krankenhausleitung mit einer Schwarzen Null. 2021 kalkuliert Last coronabedingt mit einem rein operativen Ergebnis von minus 3,9 Millionen Euro. Inklusive aller (Bau-)Maßnahmen könnten es sogar 6,2 Millionen Euro Defizit werden. Letztlich, so Last, könnte Corona aber wieder alle Berechnungen über den Haufen werfen – wie heuer. Läuft alles nach Plan, dürfte das Minus 2025 auf nur noch 200 000 Euro abschmelzen.

ham

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