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Trotz Krise: Wolfra investiert Millionen

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Von: Hans Moritz

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Hygiene ist alles: Das Bild zeigt die neue „Cleaning-in-place-Anlage“, die es ermöglicht, Kessel, Leitungen und Maschinen zu reinigen, ohne die zerlegen zu müssen. © Wolfra

Im 92. Jahr ihres Bestehens setzt die Erdinger Saftkelterei Wolfra ihren Modernisierungskurs fort.

Erding - Seit Jahren wird am Firmensitz in den Riemerschmid-Hallen in Aufhausen gewerkelt, jetzt stehen weitere Investitionen in Millionenhöhe an. Das kündigt Geschäftsführer Norbert Sima im Gespräch mit unserer Zeitung an.

Der 52-Jährige wertet das Engagement als „eindeutiges Bekenntnis zum Standort Erding“ und als Signal an die 85 Beschäftigten und deren Familien an – und das laut Sima in der „schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg“. Er gibt zu, dass die Modernisierung in diesen Zeiten ein Wagnis sei. „Die Saftherstellung ist ein sehr energieintensiver Prozess, und wir arbeiten hier mit Gas.“ Besonders viel Energie benötige die Reinigung der Mehrwegflaschen und das Pasteurisieren des Saftes. Derzeit prüfe man, inwieweit Wolfra auf Öl umstellen kann, „was sicher sehr aufwendig und nicht von heute auf morgen zu stemmen sein wird“.

Hinzu kommt laut Sima, dass Wirtschaftskrise, Inflation und drohende Regression große Unbekannte darstellten. Die entscheidende Frage sei: „Wie reagiert der Konsument?“ Wolfra sei nun einmal kein Billigprodukt. „Wir sind auch nicht in den Discountern vertreten“, berichtet der Geschäftsführer. Nicht zuletzt sei auch sein Unternehmen, das zur Valensina-Gruppe gehört, von steigenden Energiepreisen, knappen Rohstoffen und gerissenen Lieferketten betroffen. „Aktuell sind unsere Kosten kaum kalkulierbar, ein Problem, das uns im vierten Quartal 2022 und sicher auch noch 2023 intensiv beschäftigen wird“, so Sima.

2020/2021 hat Wolfra eine neue Flaschen-Waschmaschine installiert – für rund 1,5 Millionen Euro. Nächster Schritt ist die Erneuerung der Abfüllanlage. Weitere Bereiche werden in den kommenden Jahren folgen.

Die Corona-Pandemie hat Wolfra nach Angaben Simas zwar mit Schrammen, ansonsten aber gut überstanden. „Während der Lockdowns ist der Absatz in der Gastronomie völlig zusammengebrochen. 2021 war sogar noch schlechter gewesen als das erste Pandemiejahr. Deutlich besser sei es im Handel gelaufen. „Die Leute waren zu Hause, konnten nicht verreisen und nicht groß einkaufen. Da haben sich viele auch mal etwas Luxus gegönnt“, schildert Sima – und gerne zu Wolfra-Säften gegriffen. Verdorben sei jedenfalls keine Ware.

Seit heuer laufen die Geschäfte wieder besser, im ersten Quartal wegen nach wie vor bestehender Restriktionen im öffentlichen Leben zwar noch mit angezogener Handbremse, „seit Mai liegen wir aber wieder im Plan, wenn nicht sogar darüber“, freut sich der dreifache Familienvater, der in Schäftlarn zu Hause ist. Wolfra stellt pro Jahr etwa 15 Millionen Liter Saft her.

Dennoch musste Wolfra keinen der 85 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Der Mutterkonzern Valensina mit Sitz in Mönchengladbach hielt schützend seine Hand über die Erdinger Tochter. „Seit der Pandemie füllen wir hier auch die Spezialsäfte von Hitchcock ab, das hat uns geholfen“, so der Wolfra-Chef. Hitchock gehört ebenfalls zur Valensina-Gruppe.

Doch ab sofort konzentriert man sich an der Justus-von-Liebig-Straße voll aufs Kerngeschäft: den Apfelsaft. Seit Freitag wird wieder Obst angenommen (siehe Textende). Das Gros stammt aus dem Rottal, aber auch viele Bauern und Gartenbesitzer aus der Region Erding liefern ihre Äpfel an. Dabei nimmt der Bio-Anteil laufend zu, weil die Lieferanten für dieses Obst deutlich mehr Geld bekommen.

Sima rechnet mit einer durchwachsenen Ernte, „obwohl alle Experten mit einem guten Ertrag gerechnet haben“. Denn bei Äpfeln folgt in der Regel auf ein mäßiges ein gutes Jahr. Und 2022 hatte nach dieser Alternanz ein gutes Jahr werden sollen. Doch der Rekordsommer geht an den Früchten nicht vorüber. „Viele Bäume haben die Früchte früh abgeworfen. Und durch die Trockenheit fallen viele Äpfel kleiner aus.“ Die alten Streuobstbäume, die die DNA des Wolfra-Saftes bilden, wurzelten zwar tiefer, „dennoch standen sie unter Stress“. Wie ertragreich die Ernte wirklich ausgefallen ist, „wissen wir erst im November“, bleibt der Geschäftsführer gelassen.

Am Freitag hat bei der Saftkelterei Wolfra die Apfelkampagne 2022 begonnen. Landwirte und Gartenbesitzer können nun wieder ihre heimischen Äpfel anliefern – und das bis 5. November.

Wegen der Umbauarbeiten am Werk in Aufhausen kann das Obst aber heuer nicht direkt bei Wolfra abgegeben werden. Stattdessen gibt es neue Annahmestellen:

Familie Wenhart an der Hauptstraße 5 in Reichenkirchen nimmt konventionelles Obst mittwochs und donnerstags von 14 bis 17.30 Uhr an. Es ist allerdings keine Fahrzeugwaage vorhanden. Hierzu gibt es den Saft-Tauschmarkt von Ingrid Kratzer an der Landshuter Straße 44 in Taufkirchen.

Zweite Abgabestelle ebenfalls für konventionelles Obst ist das Moser Agrar- und Baufachzentrum an der Woelkestraße 7 in Schweitenkirchen. Geöffnet ist Montag, Dienstag und Freitag von 7 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr. In Saft getauscht werden kann hier bei Getränke Steinberger an der Römerstraße 10 in Kirchdorf/Amper.

Pro 100 Kilogramm Äpfel gibt es 60 Liter Saft plus zwölf Liter Treuebonus. Wer seine Äpfel verkauft, erhält vier Wochen nach Ende der Aktion eine Sammelabrechnung mit Verrechnungsscheck. Wolfra bezahlt pro 100 Kilo neun Euro plus zwei Euro Treuebonus.

Infos zu Safttausch und Verkauf gibt s unter Tel. (0 85 33) 9 19 42 54 oder im Internet unter www.wolfra.de. ham

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