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Zurück im Söder-Kabinett: Ulrike Scharf ist wieder Ministerin

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Von: Hans Moritz

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Jetzt doch (wieder) gemeinsam am Kabinettstisch: Ministerpräsident Markus Söder und die neue Familienministerin Ulrike Scharf, hier bei der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens im Dezember 2019. © Joerg Koch/ Bayerische Staatskanzlei

Der Landkreis Erding hat wieder eine bayerische Staatsministerin. Ministerpräsident Markus Söder ernannte Ulrike Scharf aus Maria Thalheim am Mittwoch zur neuen Familienministerin.

Erding - Es ist nicht das erste Mal, dass Scharf am Kabinettstisch in der Staatskanzlei sitzt. 2014 hatte sie der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer zur Umweltministerin gemacht. Als der von seinem damaligen Finanzminister Söder verdrängt wurde, berief dieser die CSU-Landtagsabgeordnete 2018 völlig überraschend nicht in sein erstes Kabinett. Allerdings wird Scharfs erste neue Amtszeit nur kurz währen. Denn bereits im Herbst 2023 finden Landtagswahlen statt. Danach werden die Kabinettskarten neu gemischt. Ihre erneute Kandidatur gilt als sicher, in der Erdinger Kreis-CSU ist Scharf unumstritten.

Der CSU trat Scharf 1995 bei, bereits vier Jahre später stieg die gelernte Bankkauffrau und studierte Betriebswirtin zur stellvertretenden CSU-Kreisvorsitzenden auf. Den Ortsvorsitz in Fraunberg übernahm sie von 2003 bis 2015. Ebenfalls 2003 wurde sie Mitglied im Bezirksvorstand, dem sie seither ununterbrochen angehört. Erstmals in den Kreistag wurde Scharf 2002 gewählt. Mittlerweile gehört sie ihm in der vierten Periode an.

Ulrike Scharf aus Erding wird neue Familienministerin im Kabinett von Markus Söder

2004 wurde die Mutter eines erwachsenen Sohns als Beisitzerin in den Bezirksvorstand der Frauen Union gewählt. Fünf Jahre später übernahm sie den Verband. Seit 2019 ist sie Landesvorsitzende der Frauen Union.

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Ihre Karriere als Landtagsabgeordnete verlief nicht geradlinig. 2003 kandidierte Scharf auf der Liste, verpasste aber den Einzug ins Maximilianeum. Am 1. Januar 2006 schaffte sie es dann doch, als Nachrücker für den früheren Verkehrsminister Otto Wiesheu aus dem Landkreis Freising.

2008 versuchte sie es erneut über die Liste, geriet jedoch in den Abwärtssog der durch den nicht ganz freiwilligen Rückzug von Ministerpräsident und Parteivorsitzenden Edmund Stoiber geschwächten CSU.

Ulrike Scharf (54) aus Erding: Landespolitisch stets engagiert

Landespolitisch war Scharf damit erst einmal kaltgestellt. Doch sie knüpfte weiter an ihren Netzwerken. Von 2009 bis 2017 übernahm sie von ihrer guten Freundin und Vertrauten Ilse Aigner – heute Landtagspräsidentin – den Landesvorsitz der Bayerischen Wasserwacht. Bereits 2008 war sie als so genannte Einzelpersönlichkeit in den Diözesanrat München-Freising berufen worden. Später stellte sie sich demonstrativ hinter die Bewegung Maria 2.0, die für mehr Rechte, Verantwortung und Mitbestimmung der Frauen in der katholischen Kirche kämpft.

Doch ihr Ziel blieb die Rückkehr in den Landtag. Vor der Wahl 2013 setzte sie sich im Kreisverband Erding in einer Kampfabstimmung gegen Amtsinhaber Jakob Schwimmer aus St. Wolfgang durch und eroberte so die Direktkandidatur. Damit war der Wiedereinzug in den Landtag sicher. Bei der Wahl holte sie 49,8 Prozent der Erststimmen, 2018 waren es nur noch 37,9 Prozent, die CSU muste bekanntlich mit den Freien Wählern eine Koalition eingehen. Nur ein Jahr nach ihrer Parlamentsrückkehr, im Herbst 2014, stieg Scharf ins Kabinett auf, als Nachfolgerin von Umweltminister Marcel Huber.

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Dort lernte sie den rauen Wind der Landespolitik kennen. Vor allem der heutige Chef der Bayern-SPD, Florian von Brunn, arbeitete sich an der heute 54-Jährigen ab. Es ging um den Bayern-Ei-Skandal. Doch dass salmonellenbelastete Eier in den Handel gelangt waren und sogar zu Todesfällen geführt hatten, war ihr nicht anzulasten. Das war vor ihrer Zeit. Rücktrittsforderungen aus der Opposition prallten an ihr ab.

Ulrike Scharf: Früher Umweltministerin jetzt Familienministerin

In ihren Stimmkreis Erding holte sie die neue Lebensmittelüberwachungsbehörde für Großbetriebe des Landesamtes für Lebensmittelsicherheit (LGL). Und auch der Hochwasserschutz für Erding nach der Flut im Juni 2013 (siehe auch Bericht auf der Erding-Seite) fiel in ihr Ressort. Scharf hatte damals für ein Rückhaltebecken bei Niederwörth plädiert. Als das Wasserwirtschaftsamt den Ausbau mittels Dämmen und Deichen durch die Stadt favorisierte, wollte die Abgeordnete eine Sempt-Allianz mit den Anliegergemeinden schmieden. Diese kam jedoch nie zustande.

Scharf nahm ihre Rolle als Umweltministerin ernst. Und nicht wenige vermuten bis heute, dass sie das nach der Wahl Söders, der damals noch gar nicht ergrünt war und auch noch keine Bäume umarmt hatte, das Ministeramt gekostet hat. Denn Scharf stellte sich klar gegen die weitere touristische Erschließung des Riedberger Horns im Allgäu, noch dazu in einem besonders streng geschützten Alpingebiet.

Auf den Fluren des Landtags hieß es damals, CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer, in dessen Stimmkreis das Riedberger Horn liegt, habe Söder gedrängt, Scharf nicht wieder ins Kabinett zu berufen.

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Ulrike Scharf aus Erding: Nach Beginn der Pandemie omnipräsent

Zudem hat sich Scharf für einen weiteren Nationalpark in Bayern eingesetzt, an der Donau. Auch damit hatte sie sich viele Feinde in der Land- und Forstwirtschaft gemacht. Wohlmeinende sagen, Scharf sei mit ihrem ökologischen Denken zu früh dran gewesen, spricht: ihrer Zeit voraus. Es gibt Stimmen, die behaupten, Söder habe Scharf auch deswegen nicht übernommen, weil sie vier Jahre zuvor explizit und auf persönlichen Wunsch Seehofers ernannt worden war. Es gab Zeiten, da waren Seehofers Freunde Söders Feinde.

Scharf war von der Demission schwer getroffen, anmerken ließ sich das die frühere Unternehmerin aber nie – und machte einfach weiter. Im Stimmkreis war sie bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie omnipräsent. Und auch Söder trug sie dessen Entscheidung zumindest öffentlich nicht nach. Sie bekundete nur: „Wenn eine Tür zugeht, geht irgendwo eine andere auf.“

Auf dem Parteitag, auf dem Söder eine Frauenquote bis auf die lokale Ebene zementieren wollte, sprang ihm Scharf bei, als der an den Delegierten zu scheitern drohte. Als Landeschefin der Frauen Union regte sie an, eine freiwillige Verpflichtung von 40 Prozent Frauenanteil in allen CSU-Vorständen einzuführen. So kam es dann auch. Über Söder heißt es, er habe Scharf zugesichert, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu berücksichtigen. Dieses Versprechen hat er am Mittwochvormittag eingelöst.

Privat lebt Scharf in Maria Thalheim und Südtirol. Liiert ist sie mit Florian Gamper, der unter anderem eine Falknerei und Vogelstation bei Meran betreibt. Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Erding finden Sie hier.

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