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Gut gerüstet: Auch an der Herzog-Tass ilo-Realschule wird die Luft gefiltert. Viren haben keine Chance. Die Geräte übergab Landrat Martin Bayerstorfer (l.) an Schulleiter Tobias Schiller (r.).

Schulen trotz Vorkehrungen wegen hoher Inzidenz geschlossen – Kultusministerium weicht aus

Unterricht mit Luftfilter: Söder will es prüfen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Jetzt ist es Chefsache: Markus Söder will prüfen, ob auch bei hohen Inzidenzen Unterricht stattfinden kann, wenn entsprechende Vorkehrungen getroffen sind. 

Erding – Gut eine Million Euro hat der Landkreis Erding investiert, um alle Klassenzimmer seiner Schulen weitgehend infektionssicher aufzurüsten – mit Luftfiltern, Trennscheiben und CO2-Ampeln. Auch viele Gemeinden verfahren so. Dennoch heißt es ab heute: Wechselunterricht. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Freitag über 100.

Just an diesem Tag konferierte der CSU-Bezirksvorstand Oberbayern mit dem Ministerpräsidenten. Landrat Martin Bayerstorfer nutzte die Gelegenheit, Markus Söder auf die Diskrepanz anzusprechen, dass in „seinen“ Schulen kaum Ansteckungsgefahr herrsche, man mit Ausnahme der Abschluss- und der vierten Klassen dennoch zum Distanzunterricht, sprich zum Homeschooling zurückkehren müsse.

Bewegt sich jetzt etwas? Noch nicht. „Aber Markus Söder hat mir zugesagt, dass er es prüfen will, ob zumindest Wechselunterricht möglich ist, wenn entsprechende Vorkehrungen wie bei uns getroffen wurden“, sagte Bayerstorfer am Sonntag unserer Zeitung. „Er hat es weder abgelehnt noch Grünes Licht gegeben.“ Der Landrat hält Wechselunterricht mit halben Klassen unter diesen Umständen für machbar. Trotz zuletzt halber Klassen habe der Landkreis mit Förderung des Freistaats zudem die Zahl der Schulbusse stark erhöht, um Kontakte auf dem Schulweg zu minimieren,

Dennoch ist er nicht der Auffassung, dass die Investition umsonst war. „Ich sehe das langfristig. Mit den Luftfiltern haben wir auch ein wirksames Instrument gegen krankheitsbedingte Ausfälle in jeder Grippesaison“, ist er überzeugt. „Die Pandemie hat gezeigt, dass nicht zuletzt wegen der Maskenpflicht die Erkältungskrankheiten, die auf dem gleichen Weg übertragen werden wie das Corona-Virus, stark zurückgedrängt wurden. Es wird in Zukunft so sein, dass es weniger krankheitsbedingte Ausfälle gibt.“

Bayerstorfer mahnt vor diesem Hintergrund ein Umdenken bei der Planung neuer Schulen an. „Wegen kleinerer Klassen sind auch die Raumgrößen reduziert worden. Heute wissen wir, mehr Platz ermöglicht auch mehr Abstand zwischen den Schülern.“ Deswegen hätten an einigen Grund- und Mittelschulen auf dem Land trotz Wechselunterrichts alle Kinder beschult werden können.

Der Landrat hofft, dass die Inzidenz im Landkreis wieder unter 100 sinkt. „Auch bei uns rollt die dritte Welle, keine Frage. Auf der anderen Seite sind wir nach wie vor sehr gut in der Lage, die meisten Kontakte schnell nachvollziehen und die Kontaktpersonen in Quarantäne schicken zu können.“ Das müsse auch weiter gelingen, „sonst geht es uns wie etwa dem Landkreis Mühldorf, der am Sonntag eine Inzidenz von knapp 260 aufgewiesen hat“.

Vom Kultusministerium erhielt unsere Zeitung bezüglich der Luftfilter nur ausweichende Antworten. Ein Sprecher von Minister Michael Piazolo referierte lediglich die sattsam bekannte Regelung: Wechselunterricht bis zu einer Inzidenz von 100, Distanzunterricht darüber. Zudem verweist der Sprecher auf die ab diesem Montag geltende Testpflicht. Zu individuellen Lösungen aufgrund technischer Vorkehrungen teilt das Ministerium lapidar mit: „Überlegungen zu möglichst mehr Präsenzunterricht werden kontinuierlich mit dem Gesundheitsministerium beraten.“

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