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Der Altbau und der Bezugsfall: Der Pater-Alois-Weg wird um eine Villa reicher – dank mehrerer Spagate von Bauverwaltung und Stadtrat.

Bauvorhaben an Erdings Top-Adresse

Villen-Pläne spalten Stadtrat

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Luxuriöser und teuer kann man in Erding kaum wohnen. Am Pater-Alois-Weg in unmittelbarer Nähe zur Sempt und zum Stadtpark reihen sich die Villen aneinander. Mittendrin: ein altes Gebäude. Nicht mehr lange.

Erding – Denn das gutbürgerliche Haus soll zu Gunsten einer modernen Villa im Bauhaus-Stil geschleift werden. Doch was der Bauherr vorhat, passt in vielen Punkten nicht zum Bebauungsplan. Bauen darf er trotzdem. Sonst wäre juristischer Ärger ziemlich sicher gewesen – wegen eines Bezugsfalls nur eine Hausnummer weiter.

Normalerweise werden in der Großen Kreisstadt Erding Baugesuche auf dem Behördenweg erledigt. Der Planungs- und Bauausschuss nimmt sie lediglich zur Kenntnis. Doch diesen Antrag legte OB Max Gotz dem Ausschuss vor. Derart viele Abweichungen vom Bebauungsplan wollte die Bauverwaltung nicht allein entscheiden. Viel Spielraum hatte die Politik nämlich nicht – wegen der Nachbarvilla ebenfalls im Bauhaus-Stil, für die die Stadt vor fünf Jahren schon einmal allerhand Verrenkungen machte. Den Stadträten dürfte bei ihrer knappen Zustimmung klar gewesen sein: Sagen Sie Nein, wäre der Bauherr vor Gericht gegangen und hätte auf den Nachbarn verwiesen – gleiches Recht für alle.

Anton Scherer von der Bauverwaltung legte dem Ausschuss eine ganze Liste von Abweichungen vor. Konform sind seinen Angaben zufolge nur die 6,30 Meter Wandhöhe, zwei Vollgeschosse, das Flachdach und drei Stellplätze.

Die Baugrenze wird wegen Terrassen im Norden und Süden, durch eine Sauna im Norden und einem überdachten Parkplatz im Osten aber überschritten. Das ergibt eine Grundfläche von fast 300 Quadratmetern, der Bebauungsplan sieht 180 Quadratmeter vor. Die Balkone überschreiten die Baugrenze statt wie vorgesehen nicht um 1,50, sondern um 2,50 Meter. Die Zufahrt ist an einer Stelle vorgesehen, an der eigentlich eine Baumpflanzung eingetragen ist. Auch die Garage weicht von den Festsetzungen ab. Zäune sollen an sich maximal 1,20 Meter hoch sein, der Bauherr will aber eine 1,80 Meter hohe Hecke. Und bei den Wänden sind an sich verputzte, gestrichene und hölzerne Fassaden vorgesehen, kommen sollen zum Teil aber auch Natursteinverblendungen.

Scherer machte deutlich, dass beim Nachbarhaus ähnlich viele Ausnahmen gemacht worden seien. In diesem Fall betrage die gesamte Grundflächenüberschreitung 77,4 Prozent, beim Bezugsfall sogar 102,4 Prozent. Er betonte aber auch, dass Kompensationen vorgesehen seien. Die Zufahrt soll mit wasserdurchlässigem Pflaster und offenen Fugen ausgebildet werden, das sei zudem für die aufgeständerte Terrasse vorgesehen.

CSU-Fraktionschef Burkhard Köppen meinte, angesichts des Bezugsfalles werde er zustimmen. Anderer Meinung war Herbert Maier (Grüne): „Diese sehr deutlichen Überschreitungen halte ich für sehr problematisch. Andere Bauherren werden das dann auch für sich beanspruchen.“

Der Beschluss ging knapp aus: 8:7. Gegen den Antrag stimmten Teile der CSU sowie Grüne, ÖDP und AfD.

ham

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