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Wohin entwickelt sich Erding? Mit der Fortschreibung des Flächennutzungsplans stellt der Stadtrat die großen Weichen für Wohnungsbau, Gewerbe, Grün- und Erholungsflächen. Unser Bild zeigt die Stadt in Nord-Süd-Richtung. 

Flächennutzungsplan 

Erding wächst und wird dennoch grüner

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Obwohl Bevölkerung und Gewerbe zunehmen, wird Erding grüner – zumindest im Flächennutzungsplan. Drei Stunden diskutierten die Stadträte am Dienstag die Einwände von Bürgern und Behörden. Der Datenschutz erwies sich dabei als schwere Bürde.

Erding – Ein Flächennutzungsplan (FNP) ist die „grobrasterliche Betrachtung der Stadtplanung“, so Rathaus-Jurist Andreas Erhard. Hier werden als Grundlage für Bebauungspläne und Einzelvorhaben Entwicklungflächen für Wohnen, Gewerbe und Grünflächen grob festgelegt.

Die Grundlagen für den aktuellen FNP wurden in den 90er Jahren gelegt. Längst ist es Zeit für eine Fortschreibung, die seit 2011 erfolgt. Nun beschloss der Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss (Stuva) die Stellungnahmen von Bürgern und Ämtern sowie die Antworten des Rathauses.

Am Ende einer dreistündigen Debatte zog Christian Famira-Parcsetich von der Abteilung Stadtentwicklung das Fazit, dass im Plan der Anteil an Grünflächen um 191 auf 480 Hektar sowie der Waldanteil um 3,3 auf 198,1 Hektar erweitert werde. Der Landwirtschaft stehen nach dem neuen FNP 3584,6 Hektar zur Verfügung, 33,2 mehr als bislang.

Daraus schlussfolgerte OB Max Gotz (CSU), „dass wir uns nicht die Kritik des Flächenfraßes gefallen lassen müssen“. Dennoch trage man dem Boom Rechnung und werde auch künftig Wohn- und Gewerbeflächen ausweisen. Im neuen FNP wirkt sich die Auflösung des Fliegerhorsts und der geplante neue Stadtteil mit Wohnen, Gewerbe und Landschaftsschutzgebiet aus.

Teilweise verlief die Diskussion skurril, denn die Ende Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung verbietet es laut Gotz, Eigentümer oder Betriebe sowie Straßenbezeichnungen zu nennen. Erlaubt sind nur Flurnummern. Mehrere Räte beschwerten sich, sie wüssten teils gar nicht, worüber sie gerade diskutieren. Luftbilder verschafften Abhilfe.

19 private Anregungen und 27 von Trägern öffentlicher Belange gingen ein. Der Stuva beschloss vereinzelte Änderungen. So wird die Fläche am Weiher in Langengeisling als Wohnbaugebiet festgesetzt. Darüber hinaus schließt die Stadt auf Wunsch diverser Grundstückseigentümer Baulücken, indem sie die Weichen für eine (spätere) Bebauung stellt. Das betrifft unter anderem Singlding, Siglfing sowie mehrere Flurnummern in Langengeisling und Eichenkofen.

Bereits in frühester Phase wieder beerdigt wurden Pläne für eine Sport- und Freizeitwelt auf 30 000 Quadratmetern südwestlich der Therme. Laut Famira-Parcsetich ist die Finanzierung nicht gesichert und die Fläche ungeeignet. Nichts wird es auch mit einer Wohnbebauung entlang der Sigwolfstraße nördlich des Korbinian-Aigner-Gymnasiums. Nein sagte der Stuva zudem zu Plänen, ein Unternehmen in Ammersdorf zu erweitern. Der Bestand befindet sich außerhalb eines bebauten Ortsteils.

Auch die Nachbarn der Kreisstadt meldeten sich bezüglich der FNP-Fortschreibung zu Wort. Oberding sieht vor allem wegen des zunehmenden Verkehrs die Ausweisung neuer Gewerbeflächen in Erding-West kritisch.

Wörth meldet Bedenken bezüglich der Neuausweisung allgemeiner Wohngebiete in überschwemmungsgefährdeten Gebieten in Langengeisling und Altenerding an. Bekanntlich stehen die südlichen Nachbarn dem geplanten Hochwasserschutzdamm bei Niederwörth kritisch gegenüber.

Bockhorn pocht darauf, dass die möglichen Gewerbegebiete im Fliegerhorst über Erding und nicht über die B 388 erschlossen werden. Moosinning lehnt jegliche Neuausweisung von Gewerbeflächen in Erding ab – wegen des Verkehrs auf der B 388.

Das Amt für Landwirtschaft mahnt einen möglichst sparsamen, sprich „bedarfsorientierten Flächenverbrauch“ an. Der Bauernverband befürchtet, durch weiteren Kiesabbau in Siglfing könnte der Grundwasserstand steigen.

Der Bund Naturschutz begrüßt zwar den Grünen Ring, den Erding rund um die Stadt anlegen beziehungsweise schließen will, kritisiert aber die Ausweisung von 49 Hektar Gewerbe- und 35 Hektar Wohnbaufläche. Gerade im Bereich des Fliegerhorsts sollte abgespeckt werden.

Alle aktuellen Großprojekte sind im FNP enthalten, darunter der Wohnungsbau im Thermengarten und am Poststadl. Der Billigungsbeschluss erging einstimmig.

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