Der unauffällige Bau im Nordwesten der Stadt verrät kaum, dass hier ein wesentlicher Teil von Erdings Wärmeversorgung untergebracht ist. Die erste und ältere Geothermie-Einrichtung befindet sich im Süden an der Therme.

Alles begann mit Ölsuche

Wärme, die von ganz tief unten kommt

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Die Therme Erding war quasi ein Nebenprodukt, als man warmes Wasser in den Tiefen Erdings fand. Was mit dem Wasser sonst passiert, lesen Sie hier.

Erding Bereits seit mehr als 20 Jahren versorgt die Steag New Energies GmbH Erding mit Erdwärme aus 2350 Metern Tiefe. Mittlerweile wird etwa ein Fünftel des Erdinger Wärmebedarfs aus der klimafreundlichen Geothermie gedeckt. Unsere Zeitung hat im Geothermieheizwerk „Erding 2“ Am Kletthamer Feld hinter die Kulissen geschaut.

Die Geschichte der Erdinger Erdwärmeversorgung begann im Jahr 1983, als die Firma Texaco nach Erdöl bohrte. Mit schwerem Gerät drang sie bis auf 2359 Meter in die Erdoberfläche hinein. Öl sprudelte zwar keins, dafür aber 65 Grad heißes Thermalwasser. Das Erdöl-Unternehmen hatte daran kein Interesse, und so gründeten Stadt und Landkreis den Zweckverband Geowärme Erding, um das heiße Gold zu nutzen.

Therme Erding – das Nebenprodukt

Das war 1989. 1994 wurde die heutige Steag New Energies mit ins Boot geholt, die noch im gleichen Jahr das Fernwärmenetz in Betrieb nahm. Ebenfalls seit 1994 wurde die Therme Erding geplant, die 1999 eröffnet wurde. Sie ist dem Umstand zu verdanken, dass es damals keine zweite Bohrung gab, über die das erkaltete Wasser wieder in die Quelle zurückgeführt werden konnte.

Da es zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlicher war, das Thermalwasser aufzubereiten und in einer Therme zu nutzen, entstand quasi nebenbei ein Freizeittempel, der Erding weltweit bekannt gemacht hat. Die Therme ist heute mit Abstand der größte Abnehmer des Zweckverbandes für Thermalwasser und der Steag für Geowärme.

Wärme für Schulen, Krankenhaus, Stadthalle, Landratsamt

Nach einer zweiten Bohrung im Jahr 2008 und einem Neubau konnte 2009 das Geoheizwerk 2 Am Kletthamer Feld in Betrieb genommen werden. Damit ließ sich auch die maximale Fördermenge mit genehmigten 48 Litern pro Sekunde verdoppeln.

Das Geoheizwerk „Erding 2“ steht am Ende einer Sackgasse im Gewerbegebiet und verrät durch nahezu nichts, dass hier Erdings wesentlichste Wärmeversorgung zu finden ist. Von hier aus werden neben vielen Eigenheimen auch städtische Einrichtungen wie nahezu alle Schulen, das Krankenhaus, die Sparkasse, die Stadthalle, das Landratsamt, die neue Mensa sowie viele Geschäfte und Hotels der Stadt mit Fernwärme versorgt.

Rund um die Uhr Bereitschaftsdienst

Das Leitungsnetz dafür ist mittlerweile 32 Kilometer lang, der Anschlusswert beträgt 69 Megawatt. Die Leitwarte ist das Herzstück der Anlage. Fünf Mitarbeiter sind hier damit beschäftigt, den reibungslosen Betrieb des Heizwerks zu überwachen. „Montags bis donnerstags von 7 bis 15.30 Uhr ist die Warte besetzt, am Freitag von 7 bis 13.30 Uhr“, erklärt Anton Schmitt.

Die Gefahr, dass die Wärmeempfänger bei einer Havarie allein gelassen werden, besteht nicht: „In der restlichen Zeit steht unseren Fernwärmekunden rund um die Uhr ein Bereitschaftsdienst in Form eines Elektrikers und eines Schlossers zur Verfügung. Wir betreuen nämlich auch Hausanlagen“, sagt der Werksleiter. An großen PC-Monitoren sehen die Mitarbeiter genau, wie das System in den Heizwerken 1 und 2 gerade läuft.

Geowärme reicht im Winter nicht aus

Was in den Heizwerken passiert, muss man sich so vorstellen: Das heiße Thermalwasser wird mit Hilfe einer Pumpe, die in 230 Metern Tiefe sitzt, aus der Bohrung 1 gefördert und auf beide Heizwerke verteilt. In beiden Standorten erwärmt das Thermalwasser über Wärmetauscher und eine so genannte Absorptionswärmepumpe den von den Kunden zurückkommenden Rücklauf.

An sehr kalten Tagen im Winter reicht die Geowärme nicht aus. Dann wird mit vorrangig mit Erdgas beheizten Kesseln zusätzlich Wärme erzeugt. Sie sorgen auch dafür, dass bei einem Ausfall der Geowärme niemand frieren muss. Das Thermalwasser wird in den Heizwerken auf 20 Grad abgekühlt und über die Bohrung 2 wieder in den Boden eingeleitet – übrigens in genügend großer Entfernung von Bohrung 1, damit es keinen „Wärmekurzschluss“ im Untergrund gibt.

Nachhaltige Energiegewinnung

Die Erzeugungsanlagen mit unzähligen Elektrokabeln und vielen Rohrsträngen um Wärmetauscher und Kesselanlagen stehen in einer großen Halle. Die Rohre sind beschriftet, eine Vielzahl von Manometern, Thermometern und anderen Messinstrumenten. Hier versteht dann auch der Laie, warum der Fachmann vom Heizwerk spricht, auch wenn die Anlage bemerkenswert sauber ist.

Das lässt sich auch auf die Geothermie insgesamt übertragen. Durch das Geowärme-Projekt werden pro Jahr nahezu je zwei Drittel Kohlendioxid (CO2) und Stickstoffdioxid (NO2) im Vergleich zu dezentraler Heizkesseltechnik eingespart.

Henry Dinger

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