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Wie der Schutz an der Sempt aussehen könnte, zeigt diese Fotomontage des Wasserwirtschaftsamts. 
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Wie der Schutz an der Sempt aussehen könnte, zeigt diese Fotomontage des Wasserwirtschaftsamts. 

Behörde wirbt für Hochwasserschutz mit Mauern und Dämmen in Erding

Wasserwirtschaftsamt: „Von einem Kanal kann keine Rede sein“

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Das Wasserwirtschaftsamt München hat im Stadtrat für seine Vorzugsvariante des Hochwasserschutzes mit Mauern und Dämmen geworben. Es bleiben dennoch viele Bedenken.

Erding – Auf diesen Termin hatten viele lange gewartet: Am Donnerstagabend stellte das Wasserwirtschaftsamt (WWA) München im Stadtrat seinen Entwurf für den Hochwasserschutz für Erding vor. Dabei wollten Behördenleiter Christian Leeb und seine Kollegen auch Überzeugungsarbeit leisten. Viele Bedenken der Räte konnten sie in der dreistündigen Diskussion aber auch nicht ausräumen.

„Der Hochwasserschutz ist ein emotional sehr aufgeladenes Thema“, sagte Leeb. „Da kommt jemand von außen und plant über das eigene Grundstück hinweg. Da setzt natürlich der Abwehrreflex ein.“ Dennoch wolle er für den Hochwasserschutz als „gemeinsames Ziel“ werben. Mit Grundstückseigentümern habe man bereits gesprochen, nach dem Sommer will man weiter den Dialog mit den Bürgern suchen.

Der lineare Hochwasserschutz erreicht 100 Prozentpunkte

In Pressemitteilungen im März und im Mai hatte das WWA berichtet, dass der lineare Hochwasserschutz mit Deichen und Mauern entlang Sempt und Fehlbach insgesamt die beste Variante sei. Florian Barnerßoi vom Ingenieurbüro SKI erklärte nun, wie es dazu kam. Bekanntermaßen waren mehrere Varianten im Gespräch, allesamt mit Mauern/Dämmen – neben dem linearen Schutz ein großes Rückhaltebecken bei Niederwörth, eine Kombi aus kleinerem Becken und linearen Schutz sowie neun Rückhaltebecken im Oberlauf.

Letzteres sei schon aus Kostengründen durchgefallen. Von mindestens 27 Millionen Euro Baukosten war die Rede. Jedoch müsse die Planung als staatlich finanziertes Vorhaben wirtschaftlich vertretbar sein. Die anderen drei Lösungen bewegen sich zwischen 14,3 und 15,4 Millionen Euro.

Für diese Varianten habe man einen Kriterienkatalog erarbeitet. In einer komplexen Matrix habe am Ende Variante 1 hundert Prozent der möglichen Punkte erreicht, der Damm 97 Prozent, die Kombination 87 Prozent.

„Mit Klagen ist zu rechnen“

Constanze Hecker, Abteilungsleiterin Planung und Bau beim WWA, erklärte, dass die Planung auch wasserrechtlich genehmigungsfähig sein und der gerichtlichen Überprüfung standhalten („mit Klagen ist zu rechnen“) müsse. Zudem müssten die Eingriffe verhältnismäßig sein. Hecker betonte, dass man nie alle Interessen unter einen Hut bekomme. Aber eine grundsätzliche Ablehnung egal welcher Variante „ist nicht zielführend. Einen Hochwasserschutz ohne Eingriffe in Privateigentum und Natur gibt es nicht.“

Dem Vorwurf, das WWA wolle die Sempt kanalisieren, widersprach Hecker: „Wir greifen nicht in die Gewässersohle und den Uferbereich ein. Von einem Kanal kann aus unserer Sicht nicht gesprochen werden. Wir versuchen, die Mauern so niedrig und kurz wie möglich zu halten“, sagte sie. Die größten Mauern seien an der Landgerichtsstraße nötig. Hier prüfe man gerade, ob und wie man diese niedriger gestalten könnte, sagte Hecker, die auch auf Alternativvorschläge einging. Die Idee mobiler Wände etwa sei denkbar.

Renaturierung: Kein nennenswerter Mehrwert

Die Grünen haben die Renaturierung der Sempt ins Spiel gebracht. Dies würde zwar keinen nennenswerten Mehrwert für den Hochwasserschutz bringen, wohl aber zum guten Zustand des Gewässers beitragen, weshalb diese Umsetzung parallel laufe. Das verwunderte Stefan Lorenz (Grüne). Immerhin seien solche Maßnahmen andernorts erfolgreich.

Zur Kritik an Baumfällungen meinte Hecker, viele Bäume müssten ohnehin etwa aus Altersgründen entfernt werden. Aber: „Wir werden um jeden Baum kämpfen“, versprach Projektleiter Thomas Atzenhofer.

Das Thema Bachauskehr sprachen mehrere Räte an. Laut Hecker bringt das keine wesentliche Verbesserung des Abflusses. Dennoch soll eine Prüfung stattfinden und in Absprache mit der Stadt die Auskehr erfolgen.

Kritik: Die Kosten sind zu hoch bewertet

Burkhard Köppen (CSU) vermisste Aussagen etwa zu Langengeisling, zur Grundwasserproblematik und zum S-Bahn-Ringschluss. Zudem monierte er, warum die Oberlieger nicht auch für den Schutz der Stadt gerade stehen sollten. Immerhin habe Erding auch Verantwortung für Eitting und Berglern.

Laut Leeb ist eine Variante nur genehmigungsfähig, wenn sie keine Nachteile für die Unterlieger bringe. Schutz für Eitting und Berglern sei also gewährleistet. Die Oberlieger müssten nur dann einstehen, wenn es keine bessere Variante gebe. Zur S-Bahn meinte er, dass der Vorhabensträger noch nicht so weit sei, dass man dies in die Planungen aufnehmen könne.

Köppen störte weiter, dass die Kosten in der Matrix im Vergleich zu anderen Kriterien sehr hoch bewertet sind. Helga Stieglmeier (Grüne) meinte, die Ergebnisse für Variante 1 und 2 lägen sehr nah beieinander. Sie bat darum, an den Parametern zu schrauben – etwa die Kosten statt mit 60 nur mit knapp über 50 Prozent zu bewerten. Leeb sagte zu, dies zu prüfen.

„Mir sind die Maßnahmen zu intensiv“

„Ich finde es verkehrt, das Wasser durch die Stadt zu zwängen. Da gehört schon vorher ein Rückhalt hin“, meinte Hans Balbach (Erding Jetzt). „Mir sind die Maßnahmen zu intensiv. 2013 war ein Sonderereignis. Das muss im Verhältnis stehen“, sagte Hans Fehlberger (FW). Und Walter Rauscher (CSU) erklärte, „wenn wir oben nichts machen, läuft das Wasser mit voller Wucht durch“.

OB Max Gotz (CSU) griff die von Lorenz ins Spiel gebrachte Sempt-Allianz auf und sagte: „Wir müssen andere Gemeinden gewinnen.“ Er will zudem Vertreter der Bürgerinitiativen einladen, um auch in Corona-Zeiten Beteiligung zu ermöglichen.

vam

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