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Viel Betrieb herrscht auch in den nächsten Jahren in den Kinderhäusern im Landkreis, hier das der AWO in Altenerding.

Landratsamt: Druck auf Kitas weiter hoch

Erdinger Land bleibt Kinderland

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Der Druck auf die Kindertagesstätten im Landkreis Erding bleibt hoch, die Prognosen gehen von moderat, aber weiter steigenden Kinderzahlen aus. Das hat Folgen für die Kommunen. Ein gravierendes Defizit gibt es nach wie vor.

Erding - Für die Kommunen bedeutet das: Sie werden auch künftig ihre Kindertagesstätten erweitern müssen oder gleich neu bauen, wie das soeben die Stadt Erding plant (wir berichteten). Im Jugendhilfeausschuss des Kreistags berichtete Petra Aschenbrenner über die Entwicklung der Kinderbetreuung vor Ort.

Die Kurven zeigen allesamt nach oben. Laut Aschenbrener stieg die Zahl der genehmigten Plätze in Kitas seit 2007 von 4850 auf 7140. Betreut wurden anfangs 4804 Kinder, mittlerweile sind es 6022. Das ist personalintensiv. 2007 waren in den damals 75 Einrichtungen 631 Personen beschäftigt. Mittlerweile sind es 1257 in 88 Kinderhäusern.

Keine Entspannung in Sicht

Aschenbrenner berichtete, dass sich die Situation zunächst nicht entspannen werde. Die Geburtenzahl werde in den kommenden Jahren noch einmal steigen und erst ab 2023 abflachen. Signifikant gestiegen ist die Geburtenzahl zwischen 2013 und 2017. Die Vorausberechnung des Statistischen Landesamtes ergibt, dass die Zahl der bis zu Zweijährigen bis 2037 um 2,1 Prozent sinkt. Bei den Drei- bis Fünfjährigen wird aber ein Wachstum von 8,7 Prozent erwartet, bei den Sechs- bis Neunjährigen um 16 Prozent. Insgesamt bedeutet das ein Plus von 8,1 Prozent in den nächsten 20 Jahren. Noch deutlicher fällt die Kinderprognose für das Schulgutachten des Landkreises aus.

Das wird, davon ist Aschenbrenner überzeugt, Folgen für die Betreuungseinrichtungen haben. 6022 Mädchen und Buben befinden sich derzeit in Krippe (976), Kindergarten (3771) oder Hort/Ganztagsschule (1322). 2035 werden es in der Summe 6455 Kinder sein, davon 929 in Krippen, 3977 in Kindergärten und 1534 im Hort/Ganztag. Das Schulgutachten des Landkreises geht von zusätzlich 1000 zu betreuenden Kindern aus, insgesamt 7500.

Prozentual besuchen immer mehr Kinder Kitas 

Dabei war das Wachstum schon in der Vergangenheit rasant – vor allem bei den Kleinsten. Die Zahl der Betreuten unter drei Jahren stieg seit 2007 um mehr als das Dreifache – von 325 auf 1028. Ein Viertel aller unter Dreijährigen wird in einer Kita betreut. Die Kindergartenquote (drei bis sechs Jahre) liegt bei 91,1 Prozent, 5,6 Punkte mehr als 2007. Davon werden 28,8 Prozent (2007: 11,9) ganztags umsorgt.

Die Horte, die von Grundschülern besucht werden, verzeichnen Rückgänge – 617 Mädchen und Buben, was 10,5 Prozent entspricht, waren es 2018. Das liegt am kräftigen Aufwuchs bei den offenen und gebundenen Ganztagsangeboten. Aschenbrenner berichtete, dass dieser Trend auch an den Mittelschulen sowie an den Real-, Förderschulen sowie Gymnasien stattfinde. Von 2012 bis 2018 wuchs die Zahl der Grundschul-Ganztagskinder von 482 auf 631, ein Plus von 31 %.

Ganztagsangebote sind kostenlos - die Horte nicht

Der Grund: Diese Angebote sind mit Ausnahme des Mittagessens zumeist kostenfrei. Aschenbrenner wies aber auch auf die Nachteile hin: „Es gibt keine verlässliche Betreuung während der umfangreichen Ferienzeit“. An den Freitagnachmittagen bestehe die Gefahr der Unterversorgung – da ist nämlich keine Ganztagsschule.

12,8 Prozent aller Kita-Kinder (758) spricht vorrangig eine nicht-deutsche Sprache. Damit liegt Erding unter dem bayerischen und oberbayerischen Durchschnitt (18,4 beziehungsweise 22 Prozent).

Kitas: Schwierige Personalsuche

Angesichts des Booms der Betreuung tun sich die Einrichtungen schwer, neues Personal zu finden. Das Gros berichtete von mittleren bis größeren Problemen.

Als Zukunftsaufgabe formulierte Aschenbrenner, mehr verlässliche und regelmäßigere Ferienbetreuungen anzubieten, vor allem für berufstätige und alleinerziehende Väter und Mütter. Dabei seien auch die Arbeitgeber gefordert. Am Klinikum gibt es seit 2019 wieder ein solches Angebot.

Weiter mahnte Aschenbrenner an, sich stärker der Personalgewinnung zu verschreiben, auch von Tagesmüttern. Das könnte eine Aufgabe der Bildungsregion Erding sein. Dazu passte der Antrag der SPD, in Erding eine Fachakademie für Sozialberufe aufzubauen. Das ist freilich keine Erfindung der Roten. 2011 hatte die CSU den gleichen Antrag gestellt. Passiert ist bis dato nichts.

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