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Gewerbehallen hinter viel Grün: So könnte das Industriegebiet in Erding-West nach den Vorstellungen des Investors ausschauen. Rechterhand der Kreuzung Dachauer/Sigwolfstraße ist das bestehende Gewerbegebiet zu sehen mit den farbigen Gebäuden von Baumarkt und Elektromarkt.

Geplantes Industriegebiet Erding-West 

Auf der Suche nach dem Hallen-Kompromiss

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Ja zum Recyclinghof. Ja zu Flächen fürs heimische Gewerbe. Aber mit der riesigen Logistikhalle an der Dachauer/Sigwolfstraße können sich viele Erdinger Stadträte nicht anfreunden. Die Skepsis bleibt – auch nach der Mammutsitzung am Dienstagabend.

Erding – Es war Martin Pfandzelters erster Auftritt im Stadtrat. Drei Stunden lang stellte sich der Vorstandsvorsitzende der VIB Vermögen AG aus Neuburg an der Donau den Fragen der Stadträte. Erstmals wurde in großer Runde mit dem Investor über den Bebauungsplan für das Industriegebiet zwischen Dachauer und Sigwolfstraße diskutiert. Zahlreiche Besucher verfolgten die Debatte gespannt. Vieles kam zur Sprache, eine Entscheidung fiel nicht. „Es geht darum, ein Stück voranzukommen“, erklärte Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) und bat darum, „bei aller Emotionalität kühlen Kopf zu bewahren“.

Das Stadtbauamt hatte einen Animationsfilm und 3D-Bilder vorbereitet. Sie zeigten, wie sich der Hallen-Komplex samt Parkgarage, Recyclinghof, Handwerkerhof und großzügiger Eingrünung in die Umgebung einfügen würde. Eine weitere Ansicht sollte den Höhenvergleich zum Gewerbegebiet Erding-West auf der anderen Straßenseite verdeutlichen.

Das Stadtbauamt hatte die maximal zulässigen Höhen dargestellt, samt 45-Meter-Turm, der auf dem Baumarkt erlaubt gewesen wäre, aber nie errichtet wurde. „Das sind potemkinsche Dörfer“, kommentierte Günther Kuhn (Grüne) und fühlte sich „in höchstem Maße veralbert“. Auch Hans Egger (Erding Jetzt) hatte den Eindruck, „das Filmchen“ wolle etwas verniedlichen.

Gespräche mit BMW und Ikea-Dienstleister

Gotz wies die Kritik zurück: „Zur Debatte muss das maximal Erlaubte zur Vergleichbarkeit einfließen.“ Zudem erinnerte der OB daran, dass im nahen Wohngebiet an der Dachauer Straße Punkthäuser mit 24 Meter Höhe erlaubt seien.

Der Media-Markt-Bau sei etwa 16 Meter hoch, erläuterte Stadtbaumeister Sebastian Henrich. Die 80 000 Quadratmeter große Logistikhalle soll 19,50 Meter hoch werden. Der Investor berichtete, er habe sich bei der Planung mit der Stadt abgestimmt, um den Recyclinghof und das Kleingewerbe unterzubringen.

Diese Bereiche will VIB verkaufen, die große Halle vermieten. Hier sind bekanntlich der Ikea-Dienstleister Rhenus und BMW interessiert. Der Autobauer hat auch in Freising und Neufahrn angefragt, gab Pfandzelter zu. „Da kämpfen wir um konkrete Abschlüsse. Aber das geht erst, wenn Klarheit über den Bebauungsplan herrscht.“

Pfandzelter betonte, die Multifunktionshalle biete maximale Flexibilität für spätere Nutzer. Es werde dort keine Hochfrequenz-Logistik geben. Dies könne der Stadtrat durch die Festsetzungen im Bebauungsplan ausschließen. Den von vielen Stadträten befürchteten Verkehrskollaps sieht Pfandzelter nicht. Er sprach von maximal 28 Lkw pro Stunde. Die beiden Kreisverkehre auf der Dachauer Straße sind nach einer Bewertung des Verkehrsexperten Harald Kurzak leistungsfähig genug. Diese Aussage war Burkhard Köppen (CSU), Petra Bauernfeind (Freie Wähler) und Horst Schmidt (SPD) zu wenig.

Vier Autohäuser interessiert

Für das heimische Gewerbe sind derzeit 20 000 Quadratmeter vorgesehen. Hier interessierten sich laut Investor vier Autohäuser und eine Reihe von Kleingewerbebetrieben. Für alle würde die Fläche nicht ausreichen. Jakob Mittermeier (CSU) und Egger schlugen vor, die 20 000 Quadratmeter aufzustocken. „Das ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit“, antwortete Pfandzelter und erklärte, VIB wolle die Kleingewerbeflächen ohne Aufschlag für 295 Euro pro Quadratmeter weitergeben.

Wirtschaftsreferent Rainer Mehringer (Freie Wähler) rückte die Arbeitsplätze in den Fokus. In einer Region, in der Vollbeschäftigung herrsche, seien 600 neue Arbeitskräfte nicht zu rekrutieren. Sie müssten einpendeln oder würden anderswo abgeworben. Gotz kritisierte, Mehringe negiere die Zuzugsprognosen für die Region.

Mittermeier erinnerte daran, dass es in Erding keine verfügbaren Gewerbeflächen gebe, „wir aber welche brauchen“. Er will Pfandzelter „in die Pflicht nehmen, dass wir nicht zum Satzungsbeschluss Ja sagen und dann was ganz anderes kommt“.

Die Schlüsselfrage stellte Stadtbaumeister Henrich zum Ende der Debatte: „Will Erding 80 000 Quadratmeter Gewerbefläche haben?“ Eine Antwort darauf gab es – noch – nicht. Gotz kündigte an: „Erst wenn das Vertrauen da ist, dass ein sinnvoller Kompromiss entsteht, erst dann gibt es einen Satzungsbeschluss.“ Den Takt gebe der Stadtrat vor.

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