+
Wird 2020 fertig: Das neue Rathaus.

Stadtrat diskutiert Haushalt

Erding will über 40 Millionen investieren

  • schließen

Erding – Trotz Prognosen einer Konjunktureintrübung rechnet die Stadt Erding fürs kommende Jahr mit nahezu unverändert hohen Steuereinnahmen: 31,3 Millionen aus der Gewerbe- und 29,2 Millionen Euro aus der Einkommenssteuer. Diese beiden Blöcke bilden die Basis für den Haushalt 2020.

Erding - Die Haushaltsberatung ist traditionell die längste Sitzung des Stadtrats – und die teuerste. Beschlossen wird der Etat am 17. Dezember. Für Kämmerer Kurt Hiller war es der zweite in seiner Verantwortung. Er fällt etwas geringer aus als das Zahlenwerk für 2019. Die Verwaltung der Stadt, ihrer Straßen und Einrichtungen dürfte 95,6 Millionen Euro kosten, 40,8 Millionen Euro sollen investiert werden. Zum Vergleich: Der Verwaltungsetat liegt heuer bei 96,2, der Vermögenshaushalt bei knapp 49 Millionen Euro.

Über den größten Ausgabeposten musste der Stadtrat nicht diskutieren. Denn die Kreisumlage legt der Kreistag fest, der daraus Betrieb und Investitionen bestreitet. Mit 30,5 Millionen Euro (2019: 29,4 Mio. e) ist Erding vor Oberding größter Geldgeber des Landkreises.

500 Seiten voller Zahlen

Die Lektüre des knapp 500 Seiten dicken Stadthaushalts ist wahrlich kein Vergnügen. Jeder Radiergummi, jede Dienstreise und jedes Gehalt sind darin aufgelistet. Spannend ist freilich der Vermögenshaushalt. Denn aus dem lässt sich ablesen, was die Stadt ihren Bürgern bieten möchte.

Einer der strittigsten Punkte ist eine Maßnahme, die mit 780 000 Euro für Erdinger Verhältnisse ein Schnäppchen ist: der Bau eines Tunnels vom alten Rathaus zum neuen unter der Landshuter Straße hindurch. Im Juli hatte der Stadtrat den Angestelltenflur nach einiger Diskussion beschlossen.

In der Bevölkerung kam die nicht einmal 30 Meter lange unterirische Querung überhaupt nicht gut an, und schon gar nicht die Begründung, Akten dürften nicht an der frischen Luft von einer auf die andere Straßenseite getragen werden. Günther Kuhn (Grüne) stellte den Antrag, die Tunnelpläne wieder zu vergraben, fand aber keine Mehrheit. Es wurde jedoch lebhaft diskutiert. Das Unbehagen war seit Juli gewachsen. 100 Tage vor der Kommunalwahl möchte niemand als Politiker dastehen, der Steuergelder für ein Prestigeobjekt buchstäblich in der Erde vergräbt. Das neue Rathaus selbst wird die Stadt 2020 weitere 3,5 Millionen Euro kosten, im Herbst soll es eröffnet werden.

Bei einem anderen Tunnel, der um ein Vielfaches teurer ist, gab es hingegen keinen Diskussionsbedarf: Der größte Posten im Vermögenshaushalt ist mit 8,75 Millionen Euro die dritte von vier gleich hohen Raten für den längeren S-Bahn-Tunnel unter der Haager Straße durch. 2021 wird die Stadt ihren Anteil geleistet haben.

Weitere 3,1 Millionen Euro für die Mittelschule am Lodererplatz

3,1 Millionen Euro investiert sie in die Mittelschule am Lodererplatz. 2,85 Millionen entfallen auf die bereits weit gediehene Generalsanierung. 200 000 Euro sind für die Planung der Mehrzweckhalle vorgesehen.

Der bereits im Bau befindliche Gerd-Vogt-Sportpark wird das Stadtsäckel 2020 mit fünf Millionen Euro belasten. Insgesamt werden dort rund zwölf Millionen Euro verbaut – für eine Dreifachhalle und mehrere Rasenspielfelder. Nicht weit weg davon, am Kronthaler Weiher, investiert die Stadt eine Million Euro in die Erweiterung des Parkplatzes, für den sie im laufenden Jahr schon 2,38 Millionen Euro aufgewendet hat.

Radwegenetz wird ausgebaut

Ins Radwegenetz fließt eine halbe Million Euro – für Radwege, aber auch den dafür erforderlichen Grunderwerb. 200 000 Euro stehen für den Bau neuer Radabstellanlagen am Erdinger Bahnhof zur Verfügung. Für die neue Abzweigung von der B 388 zur Münchener Straße/Schlossallee in Altenerding gibt die Stadt anteilig eine Million Euro aus.

Viel geringer, aber dafür umso aufsehenerregender sind die 600 000 Euro, die OB Max Gotz (CSU) ins Kapitel Gebäude hat eintragen lassen. Davon sollen Planung und Umbau des Mayr-Wirt-Areals bestritten werden.

An dieser Zahl kann man gut erklären, wie aussagekräftig ein Haushalt ist – oder eben nicht. Denn für den Mayr-Wirt waren im laufenden Jahr 110 000 Euro eingestellt, passiert ist aber nichts. Hineinschreiben kann man alles, auch politische Absichtserklärungen. Längst nicht alles davon lässt sich umsetzen, beziehungsweise es kommen neue, ungeplante Ausgaben hinzu. Im Wahljahr wird der Stadtrat nicht an der Steuerschraube drehen, die Hebesätze sind seit Jahren konstant – unter dem Landesdurchschnitt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Beamten landen Coup am Flughafen: Passagierinnen mit „Luxus-Ware“ in neun Koffern abgefangen
Am Flughafen München haben Zollbeamte zwei Türkinnen kontrolliert. Insgesamt neun Gepäckstücke stellten die Beamten sicher und dürften nicht schlecht gestaunt haben.
Beamten landen Coup am Flughafen: Passagierinnen mit „Luxus-Ware“ in neun Koffern abgefangen
Hubertus Fraunberg: Neuer Vorstandsposten und eine Rüge vom Gauschützenmeister
Hubertus-Vorsitzender Gerhard Zehetner hat seine erste Amtszeit perfekt gemeistert. Nach der einstimmigen Wiederwahl von ihm und seinem Vize Günther Eschbaumer in der …
Hubertus Fraunberg: Neuer Vorstandsposten und eine Rüge vom Gauschützenmeister
Moosinnings CSU-Bürgermeisterkandidat Manfred Lex: „Es gibt einen Weg, oder wir machen einen“
Entschlossen und souverän präsentierte Manfred Lex, Bürgermeisterkandidat der CSU Moosinning,  sein Wahlprogramm. Der 64-Jährige hat klare Ziele für die Gemeinde. 
Moosinnings CSU-Bürgermeisterkandidat Manfred Lex: „Es gibt einen Weg, oder wir machen einen“
Berglerns Bürger-Solarkraftwerk: Wer macht mit?
Altbürgermeister und Ehrenbürger Herbert Knur war der Erste: Er griff sich eines der Formulare, die Helmut Babinger mitgebracht hatte, um abzuklopfen, wie viele …
Berglerns Bürger-Solarkraftwerk: Wer macht mit?

Kommentare