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Mauern zum Hochwasserschutz: „Erding wird dadurch hässlich“

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Von: Bernd Heinzinger

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Stehen dem Verein vor (v. l.): Anton Bichlmeier, Georg Bichlmaier, Rainer Hörl, Josef Stimmer und Christian Veicht von der Bürgerinitiative „Naturnaher Hochwasserschutz Sempt“. 4721 Unterschriften gesammelt Forderung nach zweitem Gutachten
Stehen dem Verein vor (v. l.): Anton Bichlmeier, Georg Bichlmaier, Rainer Hörl, Josef Stimmer und Christian Veicht von der Bürgerinitiative „Naturnaher Hochwasserschutz Sempt“. 4721 Unterschriften gesammelt Forderung nach zweitem Gutachten © Bernd Heinzinger

Die Bürgerinitiative Hochwasserschutz Sempt kämpft gegen die geplante Lösung mit Mauern entlang der Sempt. Jetzt wurde ein Verein gegründet.

Altenerding – Die geplante Mauerlösung ist für die Bürgerinitiative (BI) „Naturnaher Hochwasserschutz Sempt“ weiterhin ein Unding. Die Mitglieder kämpfen für einen naturnahen und dezentralen Schutz, am besten mit drei kleineren Rückhaltebecken oberhalb Erdings.

Kürzlich wurde ein Verein gegründet. Schatzmeister Anton Bichlmeier erläutert die Beweggründe dafür: „Unsere Untersuchungen kosten einen Haufen Geld, dafür sind wir unter anderem auf Spenden angewiesen.“ Als gemeinnütziger Verein könne man eine steuerlich absetzbare Spendenquittung ausgeben. „Wir sind ein offener Verein, jeder kann dazu kommen und sich gerne auch in den Vorstand einbringen.“

Zum Vorsitzenden wurde Rainer Hörl gewählt, Stellvertreter ist Josef Stimmer. Schriftführer Christian Veicht komplettiert neben Bichlmeier die erste Führung der neuen BI.

Bei einer Informationsveranstaltung in Altenerding berichtete Veicht zunächst über die jüngsten Entwicklungen. Es habe viele, erfolglose Gespräche mit der Stadt gegeben: „Unsere Rückfragen wurden leider als unsinnig abgetan.“ Seitens der Landesregierung habe zwar unter anderem Benno Zierer (Freie Wähler) Gefallen an den Lösungsvorschlägen der BI gezeigt: „Großartige Unterstützung kommt von dort aber nicht“, bedauerte Veicht.

Erfolgreicher sei eine Unterschriftenaktion gewesen: 4721 Personen, davon 3668 aus Erding beteiligten sich an der Petition, die anschließend im Landtag eingereicht wurde. Bislang wurde diese noch nicht behandelt.

Generell bereitet sich die BI auf das Planfeststellungsverfahren bezüglich der zentralen Lösung mit 1,40 Meter hohen Mauern entlang der Sempt vor. Einsprüche dagegen seien mehr als wahrscheinlich, in der Versammlung wurde ein düsteres Bild gezeigt, wie der Verlauf innerhalb der Stadt aussehen könne. Viele Bäume müssten gefällt werden, Anton Bichlmeier meinte dazu: „Dagegen müssen wir was machen. Erding wird dadurch hässlich, das geht gar nicht.“

Die von der BI vorgeschlagenen drei kleineren Wasserrückhaltebecken könnten an der Straße südlich des Wörther Weihers, bei Niederwörth und bei Pretzen entstehen. Sie hätten in Summe sogar mehr Wasservermögen, als ein einzelnes großes Becken, stellten die Mitglieder der BI in der Versammlung klar.

Gegen ein Hochwasser, wie es 2013 Teile der Stadt verwüstete, gäbe es auch weitere Möglichkeiten. Die E-Werke entlang der Sempt hätten damals durch Nichtstun versagt, betonte Josef Stimmer: „Bei einer richtigen Öffnung ihrer Schleusen hätte Schlimmeres verhindert werden können.“

Rainer Hörl fügte an, dass der Bach regelmäßig geräumt werden müsse: „Dafür gibt es sogar einen Beschluss aus den 50er-Jahren.“ Auch hätte man 2013 den Wasserlauf im Stadtpark leer laufen lassen können, um weiteren Stauraum zu bekommen.

Die Bewertungsmatrix des Wasserwirtschaftsamts kritisierte der anwesende Professor Peter Kirchhoff. Bei einem Gutachten sei zunächst herausgekommen, dass Rückhaltebecken im Norden ein 100-jähriges Hochwasser abhalten würden: „Das Amt forderte dann von den Gutachtern, sie sollten den Fall überprüfen, dass es rechts von der Sempt deutlich stärker regnet als links.“ Dies sei bei einem 72-stündigen Regen absolut unrealistisch, brachte aber dennoch ein neues Ergebnis. Kirchhoff plädierte für ein Alternativgutachten, welches wie eine zweite Meinung beim Arztbesuch wäre.

Die Bürgerinitiative wird weiterkämpfen, sieht aber auch die Stadt in der Pflicht: „Wenn die Verantwortlichen dem Wasserwirtschaftsamt übermitteln, dass sie das so nicht wollen, dann würde dieses handeln,“ ist Anton Bichlmeier überzeugt. „Unser Oberbürgermeister sagt aber, dass er nichts machen kann, nur weil er vom Umweltminister einen Brief mit der Mauerlösung bekommen hat.“

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