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Mit nichts zufrieden

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Von: Hans Moritz

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„Sehr verdichtetes Bauen“ bescheinigt Stadtbaumeister Sebastian Henrich dem Neubaugebiet Poststadl zwischen B 388 (unten) und Dorfener Straße (r.). © Hans Seeholzer

Der Bebauungsplan für die Wohnsiedlung Poststadel in Erding ist gerade erst in Kraft getreten, da wollen Investoren schon die ersten Änderung. Der Stadtrat sagte geschlossen Nein.

Erding - Es ist Erdings derzeit größte Baustelle: Am Poststadl, zwischen B 388 und Dorfener Straße im Erdinger Osten, entsteht Wohnraum für mehrere Hundert Bürger. 34 Jahre lang hat der Stadtrat an dem Bebauungsplan gearbeitet und mit den Grundbesitzern gerungen. Seit August 2018 ist er nun gültig – und schon kommen die ersten Änderungswünsche.

Im Planungs- und Bauausschuss des Stadtrates berichtete Rathaus-Jurist Andreas Erhard, dass auf Investorenwunsch für einige Häuser in der Mitte der neuen Siedlung die Pläne umgeschrieben werden sollen – Dachterrassen für die Wohnungen in den dritten Obergeschossen. Der Bebauungsplan erlaubt nach den Worten von Stadtbaumeister Sebastian Henrich zwar Loggien, aber keine Dachterrassen. Und das nicht aus Willkür. Die Dächer sollen grün ausgebildet werden, um Niederschlagswasser abzufangen, da der Boden in weiten Teilen nicht sonderlich versickerungsfähig ist.

Einer der Investoren will der Stadt weit entgegenkommen – mit einer leistungsstarken Entwässerung auf den Tiefgaragendächern. Ein anderer erklärte, das Niederschlagswasser von den Dächern sei eine zu vernachlässigende Größe.

OB Max Gotz (CSU) stellte von vorne herein klar, dass er da nicht mitgehen werde. „Der Bebauungsplan wurde gerade erst beschlossen. Die Käufer wussten, was hier möglich ist – und was nicht.“ Hubert Sandtner (CSU) wandte ein, Corona habe alles verändert, der Aufenthalt daheim spiele heute eine ganz andere Rolle. Private Freiflächen hätten ihren Reiz. Gotz konterte: „Das entwertet unserer Arbeit. Warum sollen wir uns dann noch zusammensetzen und Pläne erarbeiten?“

Henrich wies auf das „sehr verdichtete Bauen und Wohnen“ am Poststadl hin. Bei der Gestaltung der Dächer habe man sich um ein stimmiges Erscheinungsbild bemüht, das von kleinen Dachterrassen und deren individueller Einrichtung konterkariert werde. Erhard warnte zudem vor Bezugsfällen. Es drohe Ärger mit Käufern, die nicht nach dieser Option gefragt hätten.

Auch Günther Adelsberger (CSU) hatte Präzedenzfälle im Kopf. Und er meinte: „Wir haben Änderungen selbst bei Bebauungsplänen abgelehnt, die schon deutlich älter waren.“ Ihn störe genauso, dass Bauherren einen frischen Plan gleich wieder aufweichen wollten.

Herbert Maier (Grüne) erkundigte sich, ob über den grünen Dächern PV-Anlagen aufgestellt würden. Henrich erklärte: „Bis zu 30 Prozent der Dachfläche können zur Energiegewinnung genutzt werden.“ Maier hätte gerne mehr gehabt. Doch auch dafür hätte der Bebauungsplan geändert werden müssen. Aber das wollte am Ende keiner der Stadträte. ham

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