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Nicki Gehlmann ist seit Jahresbeginn Wohnungslotsin der Caritas. 

Erste Erfolge stellen sich ein

Wohnungslotsin hilft Geflüchteten bei der Wohnungssuche: „Ich muss bei Null anfangen“

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Ihre Jobbeschreibung hat es in sich: Suchen Sie die Nadel im Heuhaufen. Nein, suchen Sie besser viele Nadeln im Heuhaufen. Nicki Gehlmann soll im Auftrag der Caritas und des Landkreises anerkannten Geflüchteten helfen, dauerhaft eine Wohnung zu finden. Sie fungiert als Wohnungslotsin.

Erding – Im Januar hat sie die Leitung der Fachstelle Migration & Wohnen übernommen. Nun kann sie erste Erfolge verweisen, die allerdings noch zarte Pflänzchen sind. Ihr Job ist deshalb so schwierig, weil sich selbst Einheimische auf dem leer gefegten und völlig überteuerten Wohnungsmarkt schwer tun, und weil in der Bevölkerung die Skepsis verbreitet ist, an Migranten zu vermieten.

Deshalb sieht sich Gehlmann nicht nur als Maklerin in Sachen Integration. Sie setzt vor allem bei den Menschen an, die ein Dach über dem Kopf suchen. „Einer meiner ersten Schritte war, Qualifizierungskurse für Mieter zu entwickeln. Ich will diese Menschen nicht nur für die Wohnungssuche fit machen, sondern auch als Mieter selbst.“ Dabei arbeitet sie eng mit den ehrenamtlichen Helferkreisen zusammen, für die sie bis Ende 2018 als Koordinatorin zuständig war. Man kennt sich also.

Zwei Wochenendseminare hat Gehlmann hinter sich, einen mit 15 Teilnehmern Ende März in Dorfen und einen mit 12 im Mai in Erding. „Da muss ich wirklich bei Null anfangen“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Die Flüchtlinge müssten zunächst einmal lernen, wo sie Annoncen finden – im Erdinger/Dorfener Anzeiger, in den kostenlosen Wochenblättern sowie im Internet. „Dann erkläre ich ihnen die Abkürzungen.“ Gemeinsam werde die Kontaktaufnahme mit dem potenziellen Vermieter geübt und auch das Auftreten, wenn es zu einem Besichtigungstermin kommt.

Dorthin nehmen die anerkannten Asylbewerber eine komplette Bewerbungsmappe mit. „Es ist wichtig, dass die Papiere vollständig sind“, erklärt Gehlmann, also ein persönliches Anschreiben mit Foto, Passkopien, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse, Nachweise über etwaiges Einkommen, berufliche und sprachliche Qualifikationen, Bankdaten, Schufa-Nachweis und Referenzen.

Sogar Rollenspiele macht sie mit den Wohnungssuchenden. „Ich bereite sie auf alle möglichen Situationen vor, die sie beim Kontakt mit dem Vermieter erleben können.“ Ganz bewusst nehmen die Geflüchteten dabei auch einmal die Rolle des Vermieters ein. „Sie sollen auch Verständnis für die andere Seite entwickeln“, erklärt die Sozialpädagogin.

Eine Wohnung konnte sie bereits vermitteln, an eine Großmutter mit ihrem Enkel. Und zwei Eigentümer haben sich bei ihr gemeldet, sie könnten sich grundsätzlich vorstellen, ihre Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten. „Solche Rückmeldungen freuen mich besonders.“ Sie weiß, dass die Erfolge noch bescheiden sind. Doch das ficht Gehlmann nicht an, sie weiß um die immense Herausforderung – für beide Seiten.

Auch bei den Vermietern müssten Hemmnisse abgebaut werden. „Ein Flüchtling als Mieter stellt kein größeres Risiko dar als ein einheimischer“, ist sie überzeugt. Es gebe Migranten, die berufstätig und deshalb die Miete zu zahlen in der Lage seien. Es gebe aber auch Aufstocker – Personen, die einen staatlichen Zuschuss zum Lohn erhalten – sowie Personen, deren Miete komplett die Sozialbehörden übernehmen. „Und scheitern kann man auch mit einem deutschen Mieter“, meint Gehlmann. Sie erinnert daran, dass die meisten Geflüchteten nach wie vor in Kontakt mit den Helferkreisen stünden, es also Ansprechpartner gebe. Auch sie selbst stehe dafür zur Verfügung. Diese Rückkopplung sei auch wichtig, wenn es doch mal Knatsch geben sollte. „Bei einem deutschen Mieter gibt es das nicht“, meint die Wohnungslotsin.

Gehlmann appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Vermieter. „Wir reden alle darüber, wie wichtig Integration ist. Hier können wir zeigen, dass wir dazu auch selbst bereit sind.“

Vor allem an die Eigentümer leer stehender Objekte appelliert sie, an die Caritas heranzutreten. „Bewohnte Häuser sind besser vor dem Verfall geschützt als leer stehende.“ Besondere Herausforderungen seien Einzimmerwohnungen in zentraler Lage wie in Erding („Viele haben Arbeit in der Stadt, sind aber kaum mobil“) sowie kinderreiche Familien.

Wichtig ist Gehlmann der Kontakt zu den Helfern. „Ich brauche sie als Informationsquelle, Unterstützer bei den Bewerbermappen und als Begleiter bei der Wohnungssuche.“

Gehlmann kennt den Vorwurf, die Caritas solle lieber einheimischen Menschen in der Wohnungsnot helfen. Darauf hat sie zwei Antworten: „Hier geht es erst einmal darum, die Migranten fit zu machen für die Wohnungssuche, auch über Sprachbarrieren hinweg.“ Darüber hinaus helfe man seit langem auch Einheimischen. Gehlmann verweist auf die Allgemeine Soziale Beratung der Caritas. „Voriges Jahr konnten wir so 30 Menschen vor der Obdachlosigkeit bewahren.“

Die Fachstelle ist montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr unter Tel. (0 81 22) 9 55 94 49 oder per Mail an nicoletta.gehlmann@caritasmuenchen.de erreichbar.

Eine Migrationsstudie zeigt, dass in Deutschland nach wir vor Skepsis herrscht. Allerdings gibt es auch positive Tendenzen.

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