Wahrlich nicht verstecken muss sich Harry Seeholzer mit seinen Bildern, die er im Frauenkircherl und in einem Zelt auf dem Schrannenplatz ausstellt. Er zeigt 60 Bilder – für jedes Lebensjahr eins. Und es gibt noch was zu feiern: Seeholzer heiratet am Samstag mitten in seinen Bildern. Foto: Moritz

Harry S. stellt am Schrannenplatz zum 60. Geburtstag 60 Bilder aus

Zelt am Schrannenplatz: Galerie und Hochzeits-Location

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Das künstlerische Schaffen von Harry S., der bürgerlich Harry Seeholzer heißt, war schon immer außergewöhnlich. Ja, man könnte sagen, spektakulär. Seine Tore aus Corten-Stahl auf Kreisverkehren in Erding-West verschafften der Kunst eine Debatte, wie sie Erding seit Jahren nicht erlebt hat. Jetzt sorgt Harry S. wieder für Aufsehen.

Erding - Seit Donnerstag steht auf dem Schrannenplatz ein 100 Quadratmeter großes Pagodenzelt. Eine Galerie auf Zeit mitten in der Altstadt, das hat es noch nie gegeben. 3000 Euro ist ihm allein diese Nutzung wert. Denn Harry S. hat was zu feiern.

Vor ein paar Tagen wurde der Erdinger 60. Und genau so viele Bilder zählt seine Ausstellung, die ab diesem Sonntag im Zelt und im Frauenkircherl zu sehen ist. Am Sonntag ist von 15 bis 19 Uhr geöffnet, am Montag und Dienstag von 11 bis 19 Uhr. Die Finissage schließt sich am letzten Tag um 19 Uhr an.

Der Titel „Von den Enden der Welt – und was dazwischen liegt“ ist wörtlich zu nehmen. Die Wände des Frauenkircherl sind das Stativ für ein zwei Meter hohes und mehrere Meter langes Gemäldeband, das aus 50 Einzelbildern besteht. „Hier habe ich die Enden der Welt verewigt, an denen ich selbst war“ – etwa in Patagonien, Land’s End in Großbritannien, Finis Terre in Frankreich oder die Fortsetzung des Jakobswegs über Santiago de Compostela hinaus an die spanische Atlantikküste. Zum Teil gehen die Bilder ineinander über, auch wenn sie völlig unterschiedliche Motive zeigen.

Zehn Bilder mit Erding als Isyll

Viel Lokalkolorit – zehn Bilder im Format 1,80 auf 2,50 Meter – gibt es im Zelt zu sehen. Denn zwischen den Enden der Welt liegt für Harry S. Erding, seine Heimat. Und die porträtiert er mit großer Hingabe: Herbstfest-Auszug, Biergarten, Maibaumaufstellen in Altenerding, Fasching in Erding und Sinnflutfestival.

Diese Kulisse will Harry S. auch ganz privat nutzen: Am Samstag feiert er hier die Hochzeit mit Susanne Birzer. Mit der 53-jährigen Radiofrau ist Seeholzer seit fünf Jahren liiert. 140 Gäste erwarten die Hochzeiter.

Der Weg zur Ausstellung war ein harter. „Zum Schluss raus habe ich teilweise von morgens bis spät abends gemalt. Jetzt bin ich wirklich froh, mal eine Pause machen zu können“, gesteht der 60-Jährige. Wobei Pause eigentlich nicht stimmt. „Ich freue mich darauf, wieder mit der Kettensäge zu arbeiten und Skulpturen zu fertigen“, verrät Seeholzer, der zuvor als Masseur und medizinischer Bademeister tätig war. Als Künstler lebt und arbeitet er seit 30 Jahren. Seine Bronze-Skulpturen stehen unter anderem in Erding an der Münchner Brücke, im Stadtpark und am Flughafen.

Was hat es mit den geschwungenen Linien auf sich?

Seeholzers Bilder sind charakteristisch – die in kontrastierenden Farben geschwungenen Linien dürfen auf keinem fehlen. Aber wie kam es dazu? „Anfangs habe ich sehr fotorealistisch gemalt – wie so viele. Dann wollte ich eine ganz persönliche Note.“ Die Linien sind nicht einfach nur Beiwerk, er macht damit etwa die Bewegung der Luft sichtbar.

Der Titel „Von den Enden der Welt“ ist zudem eine posthume Ehrbezeugung für einen großen Autor. „Ich bin ein Fan von Roger Willemsen. Eines seiner Bücher heißt: ,Enden der Welt‘.“

Die Ausstellung ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Alle Bilder stehen zum Verkauf – zu 60 Prozent der üblichen Preise – Seeholzers Geschenk zu seinem 60. Geburtstag.

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