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Gegenüber dem West Erding Park soll das Industriegebiet entstehen.

Reine Logistik und Einzelhandel sind tabu – Parkhaus statt Tiefgaragen – Debatte um Recyclinghof

Zwei-Drittel-Mehrheit für umstrittenes Industriegebiet

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Nach fünfjähriger politischer Auseinandersetzung hat der Planungs- und Bauausschuss des Stadtrats die Weichen für das in der Bevölkerung und einigen Fraktionen umstrittene Industriegebiet gestellt. Der Billigungsbeschluss für den Bebauungsplan erging mit 11:4 Stimmen.

Erding–  Dagegen votierten Herbert Maier, Stefan Lorenz (Grüne), Thomas Schmidbauer (Erding Jetzt) und Stephan Treffler (ÖDP). Der Abstimmung war eine mehrstündige Debatte vorausgegangen –die mit mehreren Kompromissen endete.

Bekanntlich will die Stadt – maßgeblich auf Betreiben eines Investors aus Neuburg an der Donau – entlang der Sigwolfstraße und der Dachauer Straße ein großes Industriegebiet mit mehreren bis zu 20 Meter hohen Hallen, drei Bürogebäuden, einem Komplex für Handwerk, einem Parkhaus sowie einem Recyclinghof entwickeln. Vor allem die Ansiedlung von reiner Logistik mit reinem Warenumschlag ist umstritten.

Mehrstündige kontroverse Debatte

Das wird nach einer ganzen Reihe von Beschlüssen am Dienstag im Bauausschuss nicht passieren. Mit großer Mehrheit legte das Gremium fest, dass reine Logistik nicht möglich ist. Der Anteil an industrieller Produktion und Fertigung soll bei über 50 Prozent liegen. Der Stadtrat erhofft sich auf diese Weise die Niederlassung von Hochtechnologiefirmen. Schmidbauer scheiterte mit seinem Antrag, Logistik gänzlich aus dem Bebauungsplan zu streichen.

Kontrovers diskutierte der Ausschuss, wie hoch der Anteil an Lagerei sein dürfe. OB Max Gotz (CSU) warnte vor einer zu gravierenden Einschränkung und nannte als Beispiele die Schauräume eines Autohauses oder einen Messebauer mit Ausstellungsräumen. „Jeder Handwerksbetrieb hat ein Lager“, so Gotz. Er bekräftigte, „dass es weder im Stadtrat noch in der Verwaltung irgendjemand gibt, der reine Logistik hier haben will“.

Einzelhandel ist tabu

Tabu ist auch die Ansiedlung von Einzelhandelsflächen. Allenfalls Werksverkäufe mit Zubehör sind statthaft, etwa bei einem Motorradhändler, der auch Zubehör anbietet.

Abgelehnt wurde der Antrag von Maier, auf das Parkhaus zu verzichten und stattdessen Tiefgaragen vorzuschreiben. Aufwand und Materialeinsatz wären zu groß, machte Stadtbaumeister Sebastian Henrich deutlich.

Dafür sollen die Fassaden des Parkdecks maximal begrünt werden. Festgelegt wurde zudem, eine möglichst weitreichende Dachbegrünung sowie den Aufbau von Photovoltaikanlagen durchzusetzen.

Areal soll parkähnlich begrünt werden

Thomas Auer von der Verwaltung erinnerte an den breiten, mit zahlreichen Bäumen besetzten Grünzug um das Areal. Zudem würden alle Ausgleichsflächen vor Ort nachgewiesen. Er und Henrich waren von einem verträglichen Erscheinungsbild direkt am Ortseingang überzeugt.

Vor allem Schmidbauer äußerte sich kritisch. Es werde zu sehr auf einen einzigen Investor Rücksicht genommen. Einige Passagen in der Erläuterung der Verwaltung würden das Vorhaben „schönschreiben“. Zudem äußerte er die Sorge, „dass wir später gar nicht kontrollieren können, was in den Hallen wirklich passiert“.

Offen blieb die Frage, ob diese Restriktionen den Investor nun abschrecken werden. Das Areal ist nicht im Eigentum der Stadt. In diesem Fall hätte sie noch konkretere Vorgaben machen können.

Ist es der richtige Platz für den Wertstoffhof?

Diskutiert wurde auch über den 5000 Quadratmeter großen Recyclinghof. Hans Fehlberger (FW) regte an, das Areal direkt an den Kreisverkehr gegenüber dem Media Markt zu verschieben. Dort wurde er allerdings als unpassend empfunden. Maier schlug einen komplett neuen Standort außerhalb des Industriegebiets vor. Hierfür erhielt er keine Mehrheit.

Das gilt auch für seine Anregung, die Bürokomplexe als Puffer zwischen die Hallen und der noch freien Wiese im Süden zu verlagern. Burkhard Köppen (CSU) warnte: „Das wäre ein Signal, diese Freifläche zuzubauen.“

Zweifel an Verkehrsgutachten

Zudem scheiterte Maier mit seinem Wunsch, den Betrieben per städtebaulichem Vertrag vorzuschreiben, so viel Energie selbst zu erzeugen wie sie verbrauchen, sowie nach einem bestimmten energetischen Mindeststandard zu bauen. Rathaus-Jurist Andreas Erhard klärte ihn auf, dass das in einem Bebauungsplan rechtlich gar nicht möglich sei.

Kontrovers wurde das aus dem Jahr 2017 stammende Verkehrsgutachten diskutiert. Mehrere Stadträte sprachen sich für eine Neuauflage mit aktuelleren Zahlen aus. OB Max Gotz (CSU) wies darauf hin, dass die Expertise die Entwicklung des Verkehrs, aber auch der Stadt für die nächsten 15 Jahre berücksichtige. Die Befürworter sagten, der Standort sei ideal, weil der Verkehr vor allem über die anliegende Flughafentangente Ost abgewickelt werde und nicht durch das Stadtgebiet.

Auf die überraschend deutliche Zustimmung reagierte Gotz sichtlich erleichtert. Die Gegner bat er, Mehrheitsbeschlüsse zu akzeptieren.

ham

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