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Zweistelliges Millionen-Minus im Klinikum

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Von: Hans Moritz

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Wirtschaftlich entwickelt sich das Klinikum Erding zu einem chronischen Patienten. © Hans Moritz

Es ist viele Jahre her, dass das Klinikum Erding das letzte Mal einen Gewinn erzielt hat. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie steigt das Defizit jedes Jahr an. Für heuer wird mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gerechnet.

Erding - Das erklärte Thomas Bauer, CSU-Fraktionschef im Kreistag, am Sonntag am Stammtisch seiner Partei. Von bis zu 15 Millionen Euro ist die Rede. Zum Vergleich: Zuletzt summierten sich die Verluste auf fünf Millionen Euro.

„Bis Jahresmitte ist das Klinikum um mehr als 20 Prozent unter dem Wirtschaftsplan gelegen“, sagte Bauer. Er und CSU-Stadtrat Burkhard Köppen nannten dafür vor allem zwei Gründen: Es gibt seit dem Sommer keinerlei Corona-Hilfen für die Kliniken mehr. Und es mussten zahlreiche elektive Eingriffe, die gutes Geld bringen, verschoben werden, um Betten für Covid-Patienten vorsorglich freizuhalten. Hinzu kamen gravierende Personalausfälle, die zur zeitweisen Schließung ganzer Stationen führten. Zudem so Köppen, verschärfe sich die Lage in der Notaufnahme durch die hohe Zahl, die keine echten Notfälle sind und deswegen von den Kassen nur unzureichend vergütet werden.

Fest steht freilich: Das Defizit muss der Landkreis über den Kreishaushalt ausgleichen. Von den Kassen komme da nichts, und Kredite könnten dafür nicht aufgenommen werden.

Es bestand aber Einverständnis darüber, dass der Landkreis sein klinisches Angebot aufrecht erhalten müsse. Die Lage dürfte aber nicht einfacher werden, denn, so Bauer, „auch wir sind von den zu erwartenden deutlichen Lohnerhöhungen und den stark gestiegenen Energiepreisen betroffen“.

Dennoch, erklärte Bauer, halte der Kreistag daran fest, das Klinikum zu erweitern. Der OP-Trakt müsse dringend saniert werden. Ebenso bedürfe es des Parkhauses. Besonders wichtig sei der Neubau der Notaufnahme im Süden des Klinikums, um diese endlich zeitgemäß ausgestalten zu können. Durch die Rettungswagen-Zufahrt über die Straße Am Wasserwerk werde es für die Anwohner der Bajuwarenstraße dann auch ruhiger.

Auch die Personalsituation sprach Bauer im Wirtshaus Kreuzeder an. Er zeigte sich verwundert, dass benachbarte Kliniken wie in Freising neuen Kräften Antrittsprämien zwischen 5000 und 10 000 Euro zahlten. „Wir machen das bewusst nicht, denn das wäre ungerecht denen gegenüber, die bereits im Klinikum arbeiten.“ Zudem würden solche Zahlungen den angespannten Kreishaushalt (Bericht folgt) weiter belasten. „Die Kassen übernehmen das sicher nicht“, meinte auch Köppen.

„Wir kümmern uns lieber um das vorhandene Personal“, sagte Bauer und spielte damit auf Zulagen und Prämien für Springer im Schichtdienst an. Zudem erwäge man, im Klinikum eine Kinderbetreuung einzurichten, „sofern es dafür eine Nachfrage gibt“. Momentan sei die aber nicht allzu groß.

Auch der Fachkräftemangel in der Pflege kam zur Sprache. Bauer berichtete, „dass seit 2019 40 neue Stellen geschaffen worden sind“. Das Problem sei jedoch, diese zu besetzen. Dazu merkte Arnold Kronseder an: „Das Problem ist der nicht vorhandene Wohnraum.“ Deswegen gelinge es auch nicht, einen höheren Teil der Absolventen des Erdinger Bildungszentrums für Gesundheitsberufe (Pflegeschule) am Klinikum zu halten. Bezüglich des Wohnraums wies Bauer auf die anstehende Sanierung beziehungsweise Erweiterung des Personalwohngebäudes hin.

Köppen berichtete, dass das Bildungszentrum zuletzt eine wahre Flut von Bewerbungen aus dem nordafrikanischen Raum erhalten habe. Über die Gründe dafür sei ihm nichts bekannt. Ebenso wenig, wie viele wirklich zu kommen bereit wären. Er wies auf das Problem mangelnder Sprachkenntnisse und die anspruchsvolle Ausbildung hin.

Stadtrat Günther Adelsberger sah die Anwerbung ausländischer Kräfte als problematisch an, „weil die dann in ihren Heimatländern fehlen“. Auch die Zulagen könne man aus einem anderen Blickwinkel sehen: „Da macht es sich die Politik leicht, weil sie das aus Steuergeldern finanziert. Ein Unternehmer kann das nicht.“ ham

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