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Geschafft: Landwirtschaftsschulleiter Otto Roski (r.) verabschiedete nach drei unruhigen Semestern einen weiteren Jahrgang Junglandwirte.

Zwölf Absolventen an der Landwirtschaftsschule – Baustelle, Corona und Bewerbermangel

Ein bewegter Jahrgang

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Mitten im Frühjahr kann die Landwirtschaft schon eine reiche Ernte einfahren: An der Landwirtschaftsschule Erding haben alle zwölf Absolventen ihre Abschlussprüfung bestanden. Es waren bewegte zwei Jahre.

Erding – Am Anfang stand gleich das (Beinah-)Ende. Nur 14 Anmeldungen lagen der Landwirtschaftsschule 2019 vor, zwei zu wenig für die Mindestgröße eines Jahrgangs. Dann sprangen noch zwei Bewerber ab. Dennoch erteilte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber auf Druck aus der örtlichen Politik und als Signal an den Nährstand eine Ausnahmegenehmigung.

Doch es kehrte keine Ruhe ein, denn die Bildungsstätte im Grünen Zentrum am Dr. Ulrich-Weg präsentierte sich als Baustelle, das Schulgebäude wurde bekanntlich erweitert. Wochen später war die Baumaßnahme zwar fertig, dafür stand aber ab Ende des ersten Semesters der Schulbetrieb unter den Vorgaben der Coronapandemie.

Im dritten und letzten Semester wurde ab dem 9. Dezember der Unterricht ausschließlich online geführt. Nur die letzten Schulaufgaben Ende Februar und die schriftlichen Abschlussprüfungen Anfang März fanden unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneauflagen in Präsenz im Schulgebäude statt. Nun hat alles ein glückliches Ende gefunden, die Teilnehmer erhielten ihre Zeugnisse, freilich pandemiebedingt ohne würdige Feier.

„Die Landwirtschaft braucht junge, gut ausgebildete Nachwuchskräfte“, erklärte der Leiter des Landwirtschaftsamtes und der Schule bei der Verabschiedung. Die Absolventen dürfen nun den Titel „Staatlich geprüfte Wirtschafter für Landbau“ führen und können nun das Erlernte bei der Arbeit auf den elterlichen Betrieben in den Landkreisen Erding, Freising und München nutzen.

Die jungen Landwirte berichteten, dass „der Kontakt zu meinen Klassenkameraden und der direkte Austausch untereinander gefehlt hat“. Allerdings habe sich auch in dieser Situation gezeigt, „dass in der landwirtschaftlichen Praxis auf den Betrieben die Digitalisierung längst kein Fremdwort mehr ist. Landwirte sind innovativ und fortschrittlich, weshalb die Absolventen und Lehrkräfte auch rasch mit den digitalen Unterrichtsformen und Anwendungen zurechtgekommen sind“, heißt es in einer Mitteilung des Amtes.

Der Ausbildung muss der Spagat gelingen, der Erwartung der Konsumenten zu entsprechen, Lebensmittel möglichst günstig und gleichzeitig hochwertig zu produzieren.

Gleichzeitig sind nach den Worten Roskis „zusätzliche Anforderungen an tier- und umweltgerechtere Produktionsverfahren und die Förderung der Biodiversität zu beachten“. So seien enormes produktionstechnisches Geschick und betriebswirtschaftliches Fachwissen der Betriebsleiter gefordert, um kostengünstig produzieren zu können. Der zunehmende bürokratische Aufwand und die steigenden Standards an hochwertige Lebensmittel erforderten von den erfolgreichen Absolventen auch zukünftig die Bereitschaft zur steten Fort- und Weiterbildung. „Leistet Euren Beitrag zum Dialog mit den Verbrauchern! Präsentiert in der Öffentlichkeit die positiven Wirkungen der Landbewirtschaftung auf die Artenvielfalt! Beteiligt Euch aktiv an den öffentlichen Diskussionen zu landwirtschaftlichen Themen und informiert Interessierte darüber, wie heute Nahrungsmittel produziert werden“, gab der Schulleiter den Absolventen mit auf den Weg.

Erleichterung herrscht in der Schule nicht nur ob des erfolgreichen Jahrgangs, sondern auch wegen der Zukunft. Denn für das im Oktober beginnende Semester liegen 20 Anmeldungen vor. Nach einem tatsächlich wegen Bewerbemangels ausgefallenen Kurs ist die Ausbildung bis 2023 gesichert. Die Bewerber bereiten sich derzeit in einem Praxisjahr auf den Unterrichtsbeginn vor.

Die Absolventen:

Georg Eckl (Neufahrn/Kreis Freising), Christian Lackner (Oberding), Niklas Lechner (Taufkirchen), Wolfgang Reiter (Moosinning), Georg Renner (Walpertskirchen), Johannes Soller (Ismaning/Kreis München), Andreas Stimmer (Walpertskirchen), Martin Vitzthum (Kirchheim/Kreis München) und Franz Widmann (Ottenhofen)

Infos und Anmeldung unter Tel. (0 81 22) 48 00.

ham

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