Pläne der Stadt liegen vor

Weißbier-Brauerei „Erdinger“ in Sorge um Braustätte - Schuld ist nicht nur Corona

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Weißbier-Brauerei Erdinger steckt wegen Corona ohnehin in der Krise. Jetzt sorgen sich die Betreiber um ihre Braustätte - wegen Bauplänen der Stadt Erding.

Erding – Die Corona-Krise trifft auch den Erdinger Weißbräu mit voller Wucht. Geschlossene Wirtshäuser, abgesagte Volksfeste, Abstand statt Geselligkeit setzen dem Traditionsunternehmen schwer zu. Doch dass sich „Erdinger“ nun um die Zukunft seiner Braustätte sorgt, hat nichts mit der Pandemie zu tun, sondern mit Bauvorhaben an der Franz-Brombach-Straße.

Der Erdinger Nordwesten ist ein Industriegebiet mit der Brauerei als größtem Unternehmen. Die Stadt möchte nun den Teilbereich zwischen Freisinger Straße und Rennweg in ein Gewerbegebiet umwandeln. Auslöser dieses Vorhabens: Die frühere Tennishalle Gerlspeck, die zuletzt als Soccer-Arena genutzt wurde, soll abgerissen werden. Es gibt Planungen für ein Hotel mit 300 bis 350 Betten sowie ein Boardinghaus für längeres Wohnen auf Zeit mit zirka 250 Einheiten. Das heißt, in direkter Nachbarschaft zur Brauerei dürften nach Abschluss der Bauvorhaben mehrere hundert Menschen nächtigen und sich hier aufhalten.

Erdinger Weißbier in der Flasche

„Erdinger“: Weißbier-Brauerei sorgt sich um seine Braustätte

Weniger der Lärm ist hier das Problem als der Geruch, den eine Braustätte zwangsläufig ausströmt. Die Immissionsschutzbehörde am Landratsamt weist darauf hin, dass diese die Grenzwerte für ein Gewerbegebiet teilweise erheblich überschreiten werden. Und sie rät dringend: „Dies ist bei der Ansiedlung schutzbedürftiger Nutzungen zu berücksichtigen.“ Und dazu gehören Beherbergungsbetriebe.

Konfliktpotenzial: Wenn die Gerlspeck-Tennishalle (brauner Baukörper) durch ein Hotel und Boardinghaus ersetzt ist, könnte es zu Beschwerden wegen Lärms und vor allem Geruch von der Brauerei (r.) kommen.

Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens hat sich die Brauerei umfassend zu Wort gemeldet. Ziel sei „die ungestörte Erhaltung des Brauerei- und Produktionsbetriebs, frei von möglichen künftigen Abwehransprüchen.“ Das liege auch im Interesse der Stadt, sei „Erdinger“ doch „eines der traditionsreichsten und als Arbeitgeber wichtigsten Unternehmen in Stadt und Landkreis Erding“.

Bars und Restaurants geschlossen, Veranstaltungen und Volksfeste abgesagt: Vor allem für kleine Bierbrauer im Landkreis Erding wird die Corona-Krise existenzbedrohend.

Sorgen der „Erdinger“-Brauerei: Baupläne der Stadt machen Sorgen

Inhaber Werner Brombach und die Geschäftsführung warnen vor dem Risiko, „dass wegen der dichten Bebauung und der ständigen Nutzung durch sehr viele Menschen künftig die Gefahr von Abwehransprüchen und Eingriffen in den Brauereibetrieb“ drohen. In den Plänen würden die teilweise erheblichen Überschreitungen zu wenig berücksichtigt werden. Die Forderung: Die Bauräume müssten nach Westen von der Brauerei weg verschoben werden.

Aber auch Ärger wegen Lärms könnte es geben, vor allem nachts. Auch das ist in einem Industriegebiet kein Problem, in einem Gewerbegebiet könnte es eins werden. Immerhin geht es um eine Grenzwertüberschreitung von bis zu vier Dezibel .„Erdinger“ weist darauf hin, dass man seit über 40 Jahren in guter Nachbarschaft mit den Eigentümern im Umfeld lebe. Man habe auch keine Einwände gegen Hotel und Boardinghaus, sofern die Interessen des Unternehmens nicht beschnitten werden.

Sorgen der „Erdinger“ Weißbier-Brauerei: Stadt will Bedenken ausräumen

Im Rathaus und im Planungs- und Bauausschuss des Stadtrats hat man volles Verständnis für die Befürchtungen. Lolita Liening vom Planungsamt der Stadt erklärt: „Ziel ist, in dem Bereich eine städtebauliche Entwicklung zu ermöglichen, die auch den Weiterbestand der umliegenden Industriebetriebe beachtet.“ Deshalb habe man Gutachten in Auftrag gegeben, die den Bestand berücksichtigen und Aussagen zu konfliktfreieren Nutzungen treffen“. Den Bedenken werde vollumfänglich Rechnung getragen. Konkret sind in einem Gewerbegebiet nur einige wenige Betriebsleiterwohnungen erlaubt. Gebäude mit Wohnnutzung müssen im Falle dieses Bebauungsplans so konstruiert sein, dass sie keine (zu öffnenden) Fenster in Richtung der Quelle von Gerüchen aufweisen.

Bedenken melden auch einige Nachbarn an – allerdings in eine andere Richtung. Sie fürchten, dass bei Hotelbauten mit Wandhöhen bis zu 12,50 Meter die Gäste freie Sicht in Gärten sowie Wohn- und Schlafräume haben. Die Stadt will diesem Einwand mit Abstandsflächen und Baumpflanzungen Rechnung tragen.

Rubriklistenbild: © Pixabay

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