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Autokino-Feeling: Erdings OB Max Gotz (r.) und CSU-Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz schworen den CSU-Ortsverband Erding auf die Bundestagswahl ein.

Erdinger CSU-Ortsverband ermittelt seine Delegierten in ungewöhnlicher Veranstaltung

Wahlen auf dem Parkplatz

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Eine Partei versammelt sich als Autokino. Was hat es mit diesem Format der Erdinger CSU auf sich? Wir waren dabei.

Erding – Noch sind es rund sieben Monate bis zur Bundestagswahl am 26. September. Aber natürlich sind die Kandidaten lange vorher aufzustellen. Dazu müssen zuvor in den Ortsverbänden Delegierte gewählt werden, die dann in der Kreisdelegiertenversammlung den Kandidaten bestimmen – in Präsenzveranstaltungen. Da diese aber im Moment nur schwer möglich sind, hat man bei der Erdinger CSU einen außergewöhnlichen Weg gewählt.

74 Mitglieder kamen am Sonntag in rund 50 Autos zum Feneberg-Parkplatz im Westpark. Vorne, auf der Ladefläche eines kleinen Lkw, stand der Ortsvorsitzende, OB Max Gotz. Alle Genehmigungen seien eingeholt, alle Hygieneregeln eingehalten worden, versicherte er und konnte sich einen Seitenhieb in Richtung Landeshauptstadt nicht verkneifen. „Die Münchner CSU kann einmal mehr nach Erding schauen, wie man eine Veranstaltung coronakonform organisiert“, sagte er und spielte auf die geplante Versammlung auf dem Nockherberg an, die kurzfristig abgesagt wurde, weil es Ärger gab.

Es herrsche derzeit viel Unverständnis in der Bevölkerung, meinte Gotz in Hinblick auf die zaghaften Lockerungen und mahnte: „Das kann zu einer Demokratiekrise führen.“ Die CSU müsse zeigen, dass sie das Herz bei den Menschen hat und bodenständig ist. Und er versprach: „Wir transportieren die Sorgen nach München und Berlin.“

Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz war von der Veranstaltung und vom „Autokino-Flair“ begeistert. Die Anstrengungen der vergangenen Monate, um die Pandemie in den Griff zu bekommen, seien nicht umsonst gewesen, stellte er fest, mahnte aber dringend schlüssigere Konzepte an, „denn wenn die Akzeptanz nicht mehr da ist, machen die Menschen auch nicht mehr mit“. Die EU-Kommission habe nicht nur richtig gehandelt, stellte er fest, gab aber zu bedenken, „dass in 130 Ländern der Impfstoff noch gar nicht vorhanden ist“. Seiner Meinung nach wird die dritte Welle „schwer zu verhindern“ sein. „Mir macht die gesellschaftliche Stimmung große Sorge“, bekannte Lenz und versprach: „Bei mir steht der Wahlkreis im Vordergrund.“ Heftige Kritik übte er an seinem Parteikollegen Georg Nüßlein, der sich mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sieht. „Hier ist Vertrauen missbraucht worden, und da halte ich sicherlich keine schützende Hand drüber“, schimpfte Lenz und forderte „Aufklärung mit allen Konsequenzen“.

Nachdem die CSU-Mitglieder ihre Stimmzettel zur Delegiertenwahl in ihren Autos ausgefüllt hatten, die dann eingesammelt wurden, kam noch der CSU-Kreisvorsitzende, Landrat Martin Bayerstorfer, zu Wort. Man brauche eine Öffnungsstrategie – „behutsam, vorsichtig, mit entsprechenden Maßnahmen“, forderte er. Öffnungen seien dringend notwendig, „auch als Signal, als Belohnungseffekt“, sagte Bayerstorfer und betonte: „Wir haben den Menschen viel abverlangt.“ Schließlich beschwor der Kreisvorsitzende noch den Zusammenhalt in der Partei. „Wir in der CSU sind Garanten, dass wir zusammenstehen“, sagte er. „Und wir wollen gemeinsam für die Bürger das Beste erreichen.“

Zum Schluss wies Bayerstorfer noch darauf hin, dass die CSU-Kreisdelegiertenversammlung am Sonntag, 28. März, an gleicher Stelle stattfinden werde.

wk

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