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Im Anflug: Hans Seeholzer in seiner „HA-NSI“. Der pensionierte Kieferorthopäde und leidenschaftliche Luftbildfotograf ist Teamleiter der Yak-Rotte Erding. Was da geflogen wird, sind historische russische Militärflugzeuge vom Typ YAK 52, ein Schulungsflugzeug, das als voll kunstflugtauglich konstruiert ist.
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Experten unter sich: Flugzeugtechnik müssen die Enthusiasten beherrschen. Unser Bild zeigt Markus Huhle mit Sara Wagner am Triebwerk der YAK 52.

Erdinger Pilot hebt in historischem russischen Militärflugzeug ab

Seeholzer und seine fliegende Yak-Rotte

Sie nennen sich „Yak-Rotte Erding“, auf ihren Fliegerkombis steht auch „Yak-Team Erding“. Sie fliegen zwei historische russische Militärflugzeuge vom Typ YAK 52, ein Schulungsflugzeug, das als voll kunstflugtauglich konstruiert ist, ausgerüstet mit einem 9-Zylinder-Stern-Motor mit zehn Litern Hubraum und 375 PS, das überdies geradezu unglaublich robust ist.

VON KLAUS KUHN

Erding– Beim Flugplatzfest in Moosburg war das Team mit beiden Maschinen zu Gast. Eine ist in Erding stationiert, die andere in Landshut. Die baugleichen Maschinen haben unterschiedliche Luftschrauben. Hans Seeholzer aus Erding, 72 Jahr alt, früher Kieferorthopäde und heute Luftbildfotograf, ist Teamleiter der Flugzeug-Enthusiasten und erklärt: „Ich habe für meine Maschine einen Propeller mit drei Blättern beschafft, weil dieser leiser ist und damit umweltfreundlicher.“

Dass die Maschinen mit polnischen und ungarischen Kennzeichnungen unterwegs sind, hat politische Gründe. In Deutschland ist für ehemalige Militärmaschinen praktisch keine Zulassung zu bekommen. Und ihre militärische Herkunft können und wollen diese Maschinen auch nicht verleugnen.

Als Schulungsflugzeug war große Reichweite nicht gefragt, sodass der Aktionsradius auf 250 Kilometer begrenzt blieb. Seeholzer klopfte nicht ganz ohne Stolz auf die Tragfläche: „Das ist noch echtes Blech!“ Fliegerische Eleganz sieht anders aus: „Die Russen schauen zwar nicht schön aus, aber sie funktionieren!“

Tatsächlich ist der Sternmotor auch mit schlechtem Sprit zufrieden, bei dem hochgezüchtete moderne Triebwerke längst passen müssen: Bis auf 85 Oktan darf es hinuntergehen. Zum Vergleich: Super an der Tankstelle hat 95 Oktan.

Weit über 1000 Maschinen dieses Typs sind zunächst in Russland, später bei mehreren Lizenznehmern gebaut worden. Damit ist es durchaus möglich, auch weiterhin für diesen Oldtimer Ersatzteile zu bekommen. „Man kann ja über Stalin sagen, was man will, aber technisch blöd war der nicht: Der hat befohlen, dass die Instrumente einheitlich sein müssen. Damit brauchte sich kein Pilot beim Wechsel der Maschine umzugewöhnen“, sagt Seeholzer. Darüber hinaus wurden immer wieder, und eben auch für dieses Flugzeug, ganze Baugruppen von anderen Maschinen übernommen. Vorteil für Seeholzer: Die Ersatzteilbeschaffung wird noch einmal leichter.

Und so geht es auf bis zu 20 Flugplatzfeste oder ähnliche Veranstaltungen, wo das Team – dazu gehören noch Andrea Brandt, Markus Huhle und Mike Kebernik – die in Westdeutschland seltenen Maschinen vorstellen kann.

Nun ist das Fliegen von Oldtimern keine ganz billige Sache. Darauf angesprochen sagt Seeholzer: „Darum fliegen wir ja russische Maschinen. Da ist das von den Kosten her noch einigermaßen erträglich. Wenn Sie beispielsweise ein amerikanisches Weltkriegsflugzeug fliegen wollen, müssen Sie schon eine Million hinlegen.“ Der Beschaffungspreis für seine Maschine liege weit unterhalb dessen, was mancher heute für einen Sportwagen hinblättert.

Dass die Maschinen in Polen und Ungarn zugelassen sind, zwingt regelmäßig zu Flügen dorthin: Der jeweilige TÜV ist nämlich dort, wo die Maschine zugelassen ist.

Seeholzer ist von Jugend an ein begeisterter Flieger: „Ich war mit 14 Jahren wohl Deutschlands jüngster Segelflieger, heute bin ich wohl einer der ältesten deutschen Kunstflugpiloten.“ Tatsächlich: Die Maschine, die im Ernstfall sogar eine sogenannte Bauchlandung, also eine Landung ohne Fahrwerk, verträgt, kann derart enge Kurven fliegen, dass der Pilot mit dem Siebenfachen seines Gewichts in den Sitz gedrückt wird. Umgekehrt kann es aber auch sein, dass der Pilot mit dem Fünffachen seines Gewichts nach oben in den Gurt gezogen wird. Das muss man erst mal aushalten. Zum Vergleich: Der Eurofighter bringt es auf das neunfache der Erdanziehungskraft und damit an die physisch-medizinische Grenze des menschlichen Körpers.

Solche Eskapaden muss der vierfache Opa nicht machen, wenn er das tut, was so viele Erdinger an ihm schätzen: Vier Bildbände mit Luftbildern aus Stadt und Landkreis Erding hat er schon fertiggestellt. Sein Archiv enthält inzwischen 220 000 Luftbilder aus diesem Raum und ist damit von unschätzbarem Wert auch für die Öffentlichkeit.

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