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„Emotionale Marke“: Dr. Stefan Huckemann kam 2017 zu Erdinger.

Neuer kaufmännischer Geschäftsführer beim Erdinger Weißbräu

Brombach baut Führungsspitze aus

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Dr. Stefan Huckemann ist der neue kaufmännische Geschäftsführer beim Erdinger Weißbräu.

Erding – Der Mann hat einen Job, der auf den ersten Blick als reine Kontrollinstanz missverstanden werden könnte. Als neuer kaufmännischer Geschäftsführer des Erdinger Weißbräu ist Dr. Stefan Huckemann (auch) fürs Controlling zuständig. „Das ist Steuerung und nicht Kontrolle“, erklärt der 55-jährige Münchner. „Ich sehe mich als Ratgeber. Denn wer die Zahlen kennt, der kennt auch die Firma.“

Huckemann hat die Bilanzen der Brauerei im Kopf und will dieses Wissen nutzen, um Erfolgreiches noch erfolgreicher zu machen und auf Schwachstellen frühzeitig hinzuweisen. Das sei wichtig in einem Unternehmen, das in 100 Länder exportiert.

Zu seinen Aufgaben gehört aber auch die IT mit der Datensicherheit. Insgesamt 70 Mitarbeiter gehören zu seiner Abteilung.

Mit Huckemanns Verpflichtung im Juni 2017 umfasst die Geschäftsführung von Erdinger nun drei Geschäftsführer – neben ihm sind das Peter Liebert (Technik & Produktion) sowie Josef Westermeier (Vertrieb & Marketing). Wie wichtig Inhaber Werner Brombach, der heuer 80 wird, den neuen Posten nimmt, sieht man schon an Huckemanns holzvertäfeltem Büro. Er arbeitet im Penthouse im fünften Stock – nur ein paar Schritte von Brombachs Büro entfernt.

Mit Huckemann hat sich Erdinger einen echten Zahlen- und Strategieexperten ins Haus geholt, der aber immer wieder auch eine – berufliche – Affinität zum Bier hatte. Nach dem Abitur am Humboldt-Gymnasium in Dortmund erlernte er zunächst den Beruf des Industriekaufmanns, ehe er an den Universitäten Dortmund und Köln Betriebswirtschaft studierte. 1996 promovierte Huckemann am Kölner Lehrstuhl für Finanzwissenschaften. Neben seiner beruflichen Laufbahn ist der Münchner der universitären Lehre bis heute treu geblieben: Seit 2012 hat er eine BWL-Honorarprofessur an der School of Management der Technischen Universität München.

Bereits vor 35 Jahren hatte er sich das erste Mal mit Bier beschäftigt – als Projektmitarbeiter bei der Privatbrauerei Dortmunder Kronen. 1992 wechselte Huckemann als Assistent der Geschäftsführung zur Küppers Brauerei in Köln. Nach weiteren Stationen heuerte er 1999 bei der internationalen US-Unternehmensberatung Deloitte Consulting an und wurde Geschäftsführer der Konzerntochter Weihenstephan GmbH, die freilich weder mit der Molkerei noch mit der Staatsbrauerei etwas zu tun hat. Bei Deloitte lag Huckemanns Beratungsschwerpunkt in der Konsumgüterindustrie, konkret im Bereich „Food & Beverages“ (Lebensmittel & Getränke).

Mit einem Schmunzeln berichtet der Geschäftsführer, dass er für Deloitte 2016 ein IT-Projekt für den Weißbräu ausführte. „Dabei habe ich Werner Brombach kennen gelernt“, erinnert er sich. Sofort sei man auf gleicher Wellenlänge gewesen. Der Bräu von Erding habe erkannt, welch wichtige Felder Controlling, Digitalisierung und IT sind.

Brombach gelang es, Huckemann in sein Unternehmen zu holen. Und der neue Geschäftsführer musste nicht allzu lange überlegen. „Ich hatte 18 Jahre lang sehr viel mit der strategischen Beratung internationaler Brauereien zu tun. Die Verlockung war sehr groß, in ein hervorragend geführtes Unternehmen zu wechseln, das nicht nur ein Genussprodukt herstellt, sondern das auch viel Emotion und Unternehmertum verkörpert und bei dem nicht zuletzt die Belegschaft einen elementaren Teil der Marke darstellt“, sagt Huckemann. Er erlebe jeden Tag den „Spirit“ der Marke Weißbräu und die hohe Identifikation der Mitarbeiter wie der Region mit Erdinger. „Es macht Spaß.“

Eine von Huckemanns Hauptaufgaben ist das Controlling. „Ich will die Zahlen aufbereiten und sie dem Unternehmen und vor allem Werner Brombach zur Verfügung stellen – also Kosten und Erträge, aber auch Schwachpunkte und Lösungswege.“ Ihm gehe es nicht um „Kontrolle, sondern um Steuerung“ – indem er Transparenz herstelle und Entscheidungen empfehle.

Verantwortlich ist Huckemann auch für die IT. Denn so analog das Produkt ist, so digital sind längst alle Abläufe – vom Einkauf über die Produktion bis zur Auslieferung. Auch E-Commerce werde immer bedeutsamer und bietet neue Möglichkeiten. So vertreibt der Handel wie zum Beispiel Edeka und Rewe die Weißbierspezialitäten aus Erding bereits online.

Die Schattenseite der Digitalisierung kennt Huckemann ebenfalls – der Schutz der Daten. „Da muss sich vor allem die Lebensmittelbranche wappnen, damit Hacker nicht die Produktion lahmlegen oder an sensible Daten gelangen.“ Die Datenschutzgrundverordnung kennt der Manager schon in- und auswendig.

Und was macht ein Controller privat? Mathematik-Rätsel lösen? Nein, Huckemann ist begeisterter Hobbysportler. Der bekennende Fan von Borussia Dortmund spielt nach wie vor regelmäßig und leidenschaftlich Fußball und läuft Halbmarathons. Privat ist er ebenfalls geerdet: Huckemann ist seit 25 Jahren verheiratet und hat 19 Jahre alte Zwillinge.

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