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In eine wahren Kaufrausch verfiel ein Erdinger (43). Allerdings bezahlte er seine Ware nie. Jetzt war er wegen 33 Betrügsfällen angeklagt. Die Strafe: 30 Monate Haft. Die harfte Strafe  hat einen Grund (Symbolbild).

Landgericht Landshut

Erdinger muss 30 Monate hinter Gitter, 33 Betrüge gehen auf sein Konto

In eine wahren Kaufrausch verfiel ein Erdinger (43). Allerdings bezahlte er seine Ware nie. Jetzt war er wegen 33 Betrugsfällen angeklagt. Die Strafe: 30 Monate Haft. Die harfte Strafe  hat einen Grund.

Erding/Landshut – Ein ganzes Warenlager mit zum Teil hochpreisigen Computern und Fotozubehör hortete ein 43-Jähriger aus Erding. Für seine Interneteinkäufe gab er allerdings keinen Cent aus. Wegen Betrugs landet er deshalb für zweieinhalb Jahre hinter Gittern.

Von Mitte 2015 bis Ende 2017 bestellte der Erdinger, ein ausgebildeter Einzelhandelskaufmann, bei verschiedenen Onlineportalen beziehungsweise telefonisch bei Händlern vor Ort oder Versandhäusern laufend Computer und Zubehör, Fernseher, Smartphones, aber auch Videokameras und Objektive, ohne für seinen Kaufrausch jemals einen Cent zu berappen. Wie auch: Ihn drückte ein Schuldenberg von rund 60 000 Euro. Bei seinen Bestellungen gab der 43-Jährige die Daten seiner Ex-Ehefrau oder seines Sohnes an, um seine eigene Identität zu verschleiern.

Damit aber nicht genug: Von einem Bekannten erschwindelte er sich ein Darlehen von 2000 Euro für den angeblichen Erwerb eines Vereinsbusses für einen von ihm gegründeten Auto-Club. Die von ihm vertraglich vereinbarte Rückzahlung erfolgte nicht. Außerdem blieb er einem Erdinger Rechtsanwalt Honorare in Höhe von rund 2000 Euro schuldig.

Insgesamt warf ihm die Anklage 33 Fälle des Betrugs, davon in zwölf Fällen in Tateinheit mit Fälschung beweiserheblicher Daten vor. Beim Schöffengericht des Amtsgerichts Erding wurde er dafür zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt, außerdem die Einziehung von rund 9000 Euro als Wertersatz angeordnet. Dagegen legten sowohl er als auch die Staatsanwaltschaft, die ein Jahr mehr gefordert hatte, Berufung ein.

Bei der Neuauflage des Prozesses vor der 2. Strafkammer des Landgerichts räumte der Angeklagte die betrügerischen Bestellungen ohne Abstriche ein. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Peter Pöhlmann nach dem Grund für die Berufung meinte er treuherzig: „Eine mildere Strafe, dass ich keine Bewährung mehr bekomme, ist schon klar.“ Diese Einsicht resultierte offenbar daraus, dass sein Vorstrafenregister bereits zwölf Eintragungen aufwies. Seit 1999 hatte er immer wieder wegen Betrugs auf der Anklagebank gesessen, war allerdings über lange Zeit hinweg mit Geldstrafen davongekommen oder hatte bei Freiheitsstrafen die ihm zugebilligte Bewährung durchgestanden. Erst als er dann 2012 den Unterhaltsverpflichtungen für seinen Sohn nicht nachkam, traf ihn die ganze Härte des Gesetzes: Er landete für knapp zwei Jahre hinter Gittern, weil auch offene Bewährungen aus seinen Betrugsgeschichten in eine Gesamtstrafe einbezogen wurden.

Vor der 2. Strafkammer machte der 43-Jährige dann geltend, dass nicht alle Bestellungen, die ihm angelastet würden, auch von ihm getätigt worden seien. Dafür gebe es Zeugen. Da konterte Richter Pöhlmann: Die Staatsanwaltschaft habe sich in ihrer Anklage auf die insgesamt 33 Fälle beschränkt, ebenso viele seien wegbeschränkt worden. Auch wenn im Falle einer neuen Beweisaufnahme einige Betrügereien unter den Tisch fielen, auf das Strafmaß hätte dies keinerlei Auswirkung, im Gegenteil: Da auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt habe, stünde auch eine höhere Freiheitsstrafe im Raum.

Nach Beratung mit seinem Anwalt nahm der Erdinger seine Berufung zurück, auch Staatsanwältin Jacqueline Wallinger verzichtete auf ihr Rechtsmittel. Es blieb bei den zweieinhalb Jahren. (Walter Schöttl)

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