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Mann klarer Worte: Stadtpfarrer Martin Garmaier bei seiner Silvesterpredigt in der weihnachtlich geschmückten Pfarrkirche St. Johannes. 

Pfarrer Garmaier hält mahnende Silvesterpredigt

Ein Pfarrer spricht Klartext: „Jesus war ein Querdenker“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Er gilt als ein Mann des klaren göttlichen Worts: Auch heuer hat der Erdinger Stadtpfarrer Martin Garmaier in seiner Vesper zum Jahresschluss deutliche Worte gefunden – zu Coronaleugnern, der politischen Rechten und globalen Verwerfungen.

Erding – „Jesus war ein Querdenker!“ Mit dieser Botschaft ließ Garmaier die Gläubigen im letzten Gottesdienst des Jahres in der weihnachtlich geschmückten Stadtpfarrkirche St. Johannes aufhorchen. Jesus sei ein Querdenker gewesen, „weil er wagte, eingetretene Pfade zu verlassen, neue Gedanken und Aspekte ins Leben einzubringen“. Garmaier erinnerte daran, dass zur damaligen Zeit Kranke, Behinderte, Krüppel, Blinde und Taube als von Gott für eine in der Vergangenheit begangene Tat Bestrafte galten. „Jesus Christus wagte es, neue Wege zu gehen und den Blick auf einen menschenliebenden Gott zu werfen. Während andere sich distanzierten und Vorwürfe machten, nahm er die Leiden der Geschundenen in den Blick“, so der Geistliche.

In der Corona-Pandemie habe sich eine neuerliche Querdenker-Bewegung formiert. Damit meinte Garmaier nicht die Politik, „die es wagte, quer zu denken, um möglichst viele Leben zu retten“. Vielmehr geißelte er die Leugner der weltweiten Gefahr. Er erinnerte an den AfD-Landtagsabgeordneten Stephan Löw, der mit Gasmaske im Parlament sprach. „Damit hat er sich eher lächerlich gemacht als einen Beitrag zur Bewältigung der Krise zu leisten.“ Die Krise habe der AfD wieder etwas beschert, „wo sie in ihrer Ablehnung gegenüber allem, was ist, lautstark werden und auf sich aufmerksam machen konnte“.

Für Garmaier sind die Corona-Querdenker „eher Denkverweigerer, die auf Krawall gebürstet sind, die nicht konstruktive Gedanken und Ideen einbringen und wirksam einer Krise begegnen wollen“.

Scharf kritisierte er auch die Demonstranten, die in München eine Kundgebung als Gottesdienst deklariert hatten, damit diese nicht verboten werden konnte. „Ich kaufe ihnen ein ehrliches Interesse am Leben und an der Verkündigung der Frohen Botschaft Jesu Christi nicht ab, fühle mich im Gegenteil eher der Lächerlichkeit preisgegeben und im Glauben nicht ernst genommen.“

Garmaier blickte auch auf seine eigenen Erlebnisse in der Pandemie zurück. „Für mich war es ein unvergessliches Zeichen der Hoffnung, als im Lockdown aller Enttäuschung ob der auch an den Kar- und Ostertagen nicht erlaubten Gottesdienste gleichsam in einer kleinen ökumenischen ,Geheimmission‘ auf dem Friedhof St. Paul die Osterkerzen entzündet und in unsere Gotteshäuser gebracht wurden.“ Er habe ganz alleine das Licht, das vom Auferstandenen kündet, durch die Erdinger Innenstadt getragen, vorbei an dem einen oder anderen applaudierenden Autofahrer. Einer habe voller Begeisterung gerufen: „Frohe Ostern!“ Das Osterlicht sei zu keiner Zeit erloschen. Für Garmaier ist das ein Zeichen, „dass Covid-19 zwar stark sein mag, doch gegen das Licht, das uns in Jesus Christus aufleuchtet, hat es nichts aufzubieten“.

Garmaier erinnerte auch an viele andere schlimme Ereignisse in 2020: Flüchtlingsströme, Waldbrände in den USA und Australien, die Attentate von Wien und Hanau, den Rassismus in den USA oder den Mordversuch an dem russischen Oppositionellen Alexej Nawalny. Und dennoch ist er überzeugt: „Wer auf Gott vertraut, wird nicht untergehen und kann Hoffnung haben.“ Gott habe die Menschen auch im Corona-Jahr nicht alleine gelassen.

ham

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