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Schachteln in allen Größen, Farben und Mustern findet man bei Eduviges Brand in der Schachtelwerkstatt. Akkurates Arbeiten ist gefragt bei der Herstellung der Pappschachteln, die mit Papier nach Wahl beklebt werden. 

Erdings besonderes Geschäft

Erdings besonderes Geschäft: Seit 23 Jahren viel mehr als einfach nur Schachteln

Ob einfarbig, gepunktet oder gestreift: In der Schachtelwerkstatt in Erding hat der Kunde seit mehr als 20 Jahren die Qual der Wahl. 

VON GERDA UND PETER GEBEL

Erding– Einfarbig oder bunt, gepunktet, gestreift oder doch dezent gemustert? Wer in der Schachtelwerkstatt in Erding eine Schachtel sucht, hat die Qual der Wahl. Inhaberin Eduviges Brand stellt hier seit mehr als 20 Jahren Verpackungen in allen Größen und Varianten her.

Ihren Anfang nahm die Schachtelwerkstatt vor 23 Jahren am Rätschenbach/Ecke Maurermeistergasse, als Brand die ehemalige Werkstatt des Schusters Huber anmietete – aus der Schusterwerkstatt wurde eine Schachtelwerkstatt. Zu ihrem Metier kam Brand über etliche Umwege.

Ihre aus Deutschland stammende Familie war nach Argentinien ausgewandert, deshalb wuchs die kleine Eduviges (spanisch für Hedwig, der Name ihrer Großmutter) dort auf und kam erst im Alter von zwölf Jahren nach Deutschland. Hier erlernte sie den Beruf der Köchin, heiratete ihren Mann Theo, bekam zwei Kinder und war lange Jahre in der Gastronomie tätig.

„Ich habe zwar immer gern gehandarbeitet und meine Kinder eingekleidet, aber mit Basteln hatte ich da noch nichts am Hut“, erzählt die 68-jährige. Erst als sie sich in eine große Clownpuppe verliebt, wendet sich das Blatt. Die Puppe war den Brands zu teuer, deshalb modellierte der findige Theo Brand selbst eine Figur. Körper und Kleidung erstellte seine Frau dazu. Die Clownpuppen der Familie waren bald sehr gefragt auf Kunsthandwerkermärkten. Als günstige Zusatzangebote für ihren Stand fertigte die Ausstellerin auch bunte Faltschachteln.

„Die ersten Schachteln habe ich aus alten Tapetenmusterbüchern gemacht, später wurden dann Schuhschachteln beklebt“, erinnert sich Brand. Schnell wurden die Schachteln zum Verkaufsschlager, sodass die Produktion schließlich aus der Wohnung in Tittenkofen in die ehemalige Schusterwerkstatt am Rätschenbach verlegt werden musste. Doch auch dort wurde es für die Schachtelproduktion zu eng, sie zog in die Maurermeistergasse (heute Weltladen).

Verarbeitet wurden jetzt professionelle Materialien wie die Römerpappe aus München, denen die Schachtelchefin seit 30 Jahren die Treue hält. Unterschieden wird hierbei in Graupappe für die größeren, stabileren Kartons und die weiß kaschierte Pappe für die kleineren Schachteln. Bezogen werden die Pappkartons mit hochwertigen Papieren, die im Laden in allen Farben, Mustern und Varianten zur Auswahl stehen.

Auch bei der Größe hat Brand eine große Bandbreite zu bieten. „Die kleinsten Schachteln sind etwa vier mal vier Zentimeter groß, die größten einen Meter lang“, erklärt die Verpackungskünstlerin, für die eine Schachtel allerdings nicht nur Verpackung, sondern immer auch ein Zusatzgeschenk oder eine Schatzkiste ist.

Der Großteil ihrer Kunden sind Privatleute, verpackt wird praktisch alles: Geschenke fürs Baby, die Sammlung von Matchbox-Autos, Radlkarten werden archiviert oder auch Hüte verstaut. Bei den Geschäftskunden begleitet Brand oft Existenzgründer in der Anfangszeit. „Vieles verkauft sich besser in der passenden Schachtel, seien es Seifen oder Schmuck“, erklärt die Fachfrau. Auch nach Wunschvorlage gestaltete Puppen einer Künstlerin aus dem Landkreis reisen in Schachteln aus Erding in die ganze Welt.

Seit 13 Jahren residiert die Schachtelwerkstatt im Rückgebäude der Pfendtnergasse 2, wo die Inhaberin noch mehr Platz hat für ihren Laden mit integrierter Werkstatt. Dort werden auch die verschiedensten Behältnisse aus Pappe und Papier gefertigt, wie Fotoalben, Ordner und Mappen, aber auch Karten aller Art. „Da habe ich anfangs die Reste von den Schachteln verarbeitet“, erklärt die findige Geschäftsfrau, doch mittlerweile reichen die Reste für die große Nachfrage nicht mehr aus.

Beeindruckend sind die Brand’schen „Systemlösungen“ für alte Regale: Gefertigt werden passgenaue Schubladen im Wunschdesign, die aus dem schlichten Billy-Regal einen einzigartigen Hingucker machen.

Von ihren zahlreichen Aufträgen ist der 68-Jährigen besonders der Großauftrag der Firma Feinkost Käfer in Erinnerung geblieben, die ein großes Catering für ein Bankhaus in der Schweiz zu bewirten hatte. „Die Schachteln dienten als Teller und sollten zur Beleuchtung der Räume passen.“ Für die bestellten 1500 Schachteln wurde die gesamte Familie eingespannt, leimte und faltete im Akkord.

Dass ihre Schachteln sogar zu einer Hochzeit führten, macht Brand heute noch stolz. Eine Kundin hatte ihrem Freund eine besonders liebevoll gestaltete Box geschenkt, über die der so begeistert war, dass er der Freundin gleich einen Heiratsantrag machte.

Spaß an der Herstellung ihrer speziellen Schachteln hat Brand nach wie vor. „Die 25 Jahre möchte ich auf jeden Fall noch voll machen, das wäre in zwei Jahren“, erklärt die 68-jährige, „das ist einfach mein Leben“. Wenn die fertige Schachtel rundherum harmonisch gelungen ist, bekommt die Perfektionistin einen Adrenalinschub.

Davon profitieren auch ihre zahlreichen Stammkunden, die sich nun schon in zweiter Generation in der Schachtelwerkstatt mit den passenden Verpackungen eindecken können.

Die Schachtelwerkstatt hat immer am Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Montag und Dienstag auf Anfrage.

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