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Neue Pfarrerin mit bemerkenswerter Biografie

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Von: Hans Moritz

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Mit offenen Armen empfangen: Pfarrerin Dorothea Zwölfer (2. v. r.) mit den Pfarrern Roland Fritsch und Christoph Keller sowie Dieter Jäckel vom Kirchenvorstand beim Einführungsgottesdienst in Erding. © Hans Moritz

Die evangelische Kirchengemeinde Erding ist wieder komplett. Fast ein dreiviertel Jahr nach dem Weggang von Andrea Oechslen hat der Freisinger Dekan Christian Weigl am Sonntagnachmittag in der Erlöserkirche in Klettham Nachfolgerin Dorothea Zwölfer in ihr Amt eingeführt.

Erding - Sie kümmert sich nun gemeinsam mit den Pfarrern Christoph Keller, Henning von Aschen und Roland Fritsch um die Gemeinde, die neben Erding zwölf Orte vor allem im südlichen Landkreis umfasst.

Zwölfer ist eine besondere Persönlichkeit, denn den Vornahmen Dorothea trägt sie erst seit 2013, nachdem sie eine geschlechtsangleichende Behandlung über sich hatte ergehen lassen. Es ist ein Umstand, mit dem die 57-Jährige offen umgeht. Im aktuellen Gemeindebrief geht sie darauf ein: „Nach langen inneren Findungsprozessen wurde mir 2011 endgültig klar, was mit mir los ist: Ich habe ein weiblich geprägtes neuronal verankertes Wissen von meinem Geschlecht, das nicht zu meinem männlichen Körper passt – ich brauche eine Geschlechtsangleichung.“ Sie offenbarte sich ihrer Frau Claudia, mit der sie seit 1986 verheiratet ist und die trotz dieser tief greifenden Entscheidung an ihrer Seite blieb.

Zwölfer war von 1996 bis 2002 Pfarrer im niederbayerischen Reisbach-Frontenhausen. Später ging sie nach Ansbach und Neufahrn. Weitere Stationen waren Mühlhausen und zuletzt Coburg. Ihre Biografie als Transsexuelle erzählt sich auch in dem Buch „Liebesglück“. Zudem betreibt sie mit ihrer Gattin eine Homepage (www.w5z.de) und einen Blog (www.wo4y.de).

Geboren wurde Zwölfer in Fürstenfeldbruck, in Freising machte sie ihr Abitur am Camerloher Gymnasium. Theologie studierte sie in München und interessierte sich vor allem für das Neue Testament, die systematische und die praktische Theologie. Zwölfer bekennt sich als Musikliebhaberin und zur Erwachsenenbildung. Weiter berichtet sie über sich: „Einige Zeit hatte ich eine Beauftragung für Sekten- und Weltanschauungsfragen, ebenso für Gemeindeaufbau wie Glaubenskurse, Hauskreisarbeit und neue Gottesdienstformen.“

Pfarrer Christoph Keller sprach in der Erlöserkirche in Klettham von einem „Tag der Zukunft und Hoffnung“. Seiner Kollegin wünschte er, „dass Du dich schon eingefunden hast und eine gute Zeit in Erding haben wirst“. An dem Festgottesdienst nahm auch der katholische Stadtpfarrer Martin Garmaier teil, er zitierte aus dem Matthäus-Evangelium.

Dekan Weigl, der Zwölfer die Ernennungsurkunde überreichte, sagte, Gremien, Sitzungen, Finanzen und Bauangelegenheiten müssten zwar sein, dabei müssten aber die Prioritäten richtig gesetzt werden. Im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens müsse vielmehr die Unterstützung der Traurigen, Mutlosen und Beladenen stehen.

Eingerahmt wurde Zwölfers Einführung von Assistenten, die sie sich selbst ausgesucht hatte und die gute Wünsche überbrachten. Darunter war auch ihre Gattin Claudia, selbst studierte Theologin.

Zwölfer zitierte ihr Navi, das sie vor Monaten erstmals nach Erding gelotst hatte: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Die 57-Jährige berichtete, dass sie vor ihrer Bewerbung bei Pfarrer Keller vorgefühlt habe, ob eine Bewerbung Sinn mache. Die Antwort sei positiv gewesen. Sie gab zu, die Wahl zwischen Coburg und Erding gehabt zu haben. „13 Punkte sprachen für Erding, zehn für Coburg“, erinnerte sie sich. Schließlich seien sie „mit dem Vertrauen gekommen, dass es gut gehen wird. Und ich hatte ein gutes Gefühl.“

Dritter Landrat Rainer Mehringer bescheinigte Zwölfer: „Sie werden in Erding eine Bereicherung sein.“ Zweite Bürgermeisterin Petra Bauernfeind meinte auch mit Blick auf Zwölfers Biografie: „Erding wird bunter.“ Es freue sie, dass sich die neue Pfarrerin bewusst für Klettham entschieden habe. Denn es sei ein Stadtteil, in dem gerade viel im Aufbruch sei, erklärte sie mit Blick auf das neue Quartiersmanagement. Mit ihrem Büro im renovierten Gemeindezentrum sei Zwölfer mittendrin im Geschen – zwischen Gemeindesaal und Wochenmarkt.

ham

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