Über den Dächern von Erding: (v. l.) der frisch gewählte Bezirkskaminkehrermeister Martin Meindl, Christine Waxenberger, Altmeister Harald Seehaus und Geselle Johannes Schmidmayer. Foto: Niedergesäss

Erdings neuer Glücksbringer

Erding - Aus gesundheitlichen Gründen muss Harald Seehaus nach 42 Jahren seinen Beruf Kaminkehrer aufgeben. Seit dem 1. Oktober ist er im Ruhestand. Die Heimatzeitung hat sich mit ihm und seinen Nachfolgern getroffen.

Der Bezirksmeister wurde mit 14 Jahren von seinem Vater angelernt. „Mein Vater und mein Großvater waren auch Kaminkehrer und er fand, das sollte ich auch werden.“ 1978 übernahm er den Kehrbezirk Erding, weil er sich die Realrechte für den Bezirk Erding gekauft hatte. „Eigentlich war ich dafür etwas zu jung, aber ich wollte nicht warten, bis ich 40 bin.“

Dafür zog der gebürtige Münchner nach Erding. In seinen vielen Arbeitsjahren erlebte der Meister so einiges. „Einmal wurden wir sogar im Gefängnis vergessen. Die besondere Note des Hauses ist ja, dass alle Türen verschlossen sind. Nachdem Seehaus und seine Kollegen vom Hausmeister auf den Kamin des Gefängnisses geführt worden waren, sperrte dieser hinter ihnen zu. „Als wir dann mit unserer Arbeit fertig waren, war der Hausmeister schon in Mittag.“ Letztendlich wurden sie dann gehört, weil sie vom Dach gerufen hatten. Ein typisches Problem für Seehaus waren die verschwundenen Leitern. „Manchmal wussten Anwohner nicht, dass ich noch auf dem Dach war“, erzählt er schmunzelnd.

Auch zwei seiner Söhne haben das Handwerk des Kaminkehrers erlernt. „Damit sie gut aufgehoben sind, haben beide nach der Schule erst einmal was Gescheits gelernt.“ Doch beide habe es danach in andere Berufsrichtungen gezogen. Manchmal sei er auch mal mit Kunden aneinander geraten, besonders beim Thema Geld. „Aber wenn es um die allgemeine Sicherheit geht, sieht das jeder ein.“

Der neue Bezirksmeister wird Kaminkehrer Martin Meindl. Der Landshuter hat sich mit fünf anderen Anwärtern um die Stelle des Erdinger Bezirkskaminkehrers beworben. „Ich habe erst vorige Woche davon erfahren und freue mich sehr.“

An seinem Beruf schätzt Meindl besonders die Beratungsgespräche. „Ich habe am Tag fünf bis acht Termine. Heute sind es meist Beratungsgespräche.“ Denn der Beruf sei stark im Wandel, fügt Meindl hinzu. „Trotzdem sehe ich meiner Zukunft als Kaminkehrer positiv entgegen.“

Meindl wird den frisch gebackenen Gesellen Johannes Schmidmayer übernehmen. Der Erdinger lernte noch bei Altmeister Seehaus. Er kam auf den Beruf, nachdem er ein längeres Praktikum absolviert hatte. „Danach fing ich gleich die dreijährige Ausbildung an.“

„Wir werden oft wie Glücksbringer behandelt“, erzählt die Kaminkehrermeisterschülerin, Christine Waxenberger. „Das sind immer witzige und schöne Erlebnisse.“ Damit meint die Dorfenerin, dass sie umarmt wird, ihr Leute an den Knöpfen ihrer Uniform drehen oder auch über die Schulter spucken. Auf die Frage, was sie denn schon alles in einem Kamin gefunden habe, antwortet sie: „Das Komischste war ein Huhn.“

Meindl hat da schon mehr Erfahrungen mit Menschen gemacht, die beispielsweise ihre Kleidung in Kaminen trocknen wollten. Da fügt der Altmeister lachend hinzu: „Räucherkleidung“. Seehaus möchte sich von seinen treuen Kunden hiermit verabschieden und hofft, dass seinen Nachfolgern genauso freundlich und vertrauenswürdig entgegen getreten wird.

mot/man

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