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Leiden und Sterben Jesu: Die Bronzetafeln des Erdinger Kreuzwegs hat der Walpertskirchener Bildhauer Erich Heuschneider gestaltet. Sie sind an Granitsäulen befestigt.

Die 14 Stationen in Erding bieten sich für ein stilles Gebet zu Ostern an

Erdings Stadtpfarrer: „Corona-Krise ist ein Kreuzweg für uns alle“

Die 14 Kreuzweg-Stationen in Erding bieten sich für ein stilles Gebet zu Ostern an. So sind sie entstanden.

ErdingDer Karfreitag ist im Christentum einer der höchsten Feiertage. Die Kirche gedenkt an den Tod Christi am Kreuz in Erwartung seiner Auferstehung in der Nacht zum Ostersonntag.

In der katholischen Kirche ist der Karfreitag ein strenger Fast- und Abstinenztag. Die Tradition, freitags kein Fleisch zu essen, ist noch heute darauf zurückzuführen. In den Kirchen erfolgt die Liturgie meist ohne Altarschmuck, Kerzen und Altartücher. Der Wortgottesdienst beginnt meist um 15 Uhr, dem überlieferten Todeszeitpunkt des Gekreuzigten.

Durch den Wegfall der gemeinsamen Gottesdienste durch die Corona-Krise sind Alternativen zum regulären Ablauf gefragt. In Erding bietet sich für ein stilles Gebet ein Spaziergang entlang des Kreuzwegs an. Dieser führt in 14 Stationen von der Stadtmitte zur Wallfahrtskirche Heilig Blut.

14. Kreuzweg-Station: Jesus wird ins Grab gebettet.

Bereits 1856 hatten einige Erdinger Bürger beantragt, auf ihre Kosten einen Kreuzweg nach Heilig Blut zu errichten. Im Jahr darauf wurde er eingeweiht. Die Stationsbilder aus Blech, gefertigt vom Maler Joseph Karl, standen damals auf Eichenholz-Säulen. Ersetzt wurden die durch die Witterung verrosteten Bilder 1934 durch Kupferbilder des Erdingers Martin Irl, die auf Betonsäulen befestigt sind.

Die Stationsbilder hat  Bildhauer Erich Heuschneider geschaffen

Die mutwillige Zerstörung zahlreicher Bilder in den Folgejahren führte zur Stilllegung des Kreuzwegs, bis 1983 der damalige Stadtpfarrer Josef Mundigl die Wiedererrichtung anregte. Der Walpertskirchener Bildhauer Erich Heuschneider wurde mit der Fertigung der Stationsbilder aus Bronze beauftragt, die Granitsäulen stammen aus der Steinmetz-Werkstatt des späteren Bürgermeisters Karl-Heinz Bauernfeind. Domkapitular Friedrich Fahr weihte den neuen Kreuzweg unter großer Beteiligung der Bürger 50 Jahre nach seiner Zerstörung 1987 feierlich ein.

Traditionell hat ein Kreuzweg 14 Stationen

Die Andachtsform des Kreuzwegs ergebe sich aus den Umgängen in Jerusalem, bei denen Besucher seit dem 14. Jahrhundert unter der Führung der Franziskaner den Leidensweg Christi (die Via Dolorosa) aufsuchten, erklärt der Erdinger Stadtpfarrer Martin Garmaier. Traditionell hat ein Kreuzweg, mancherorts auch innerhalb einer Kirche, 14 Stationen. Gezeigt wird in den Bildern, wie Jesus verurteilt wird, wie er hinfällt, seiner Kleider beraubt und gekreuzigt wird. Am Ende stirbt der Gottessohn, wird vom Kreuz genommen und ins Grab gelegt.

„Als Hoffnungszeichen weisen modernere Kreuzwege eine 15. Station auf, eben die Auferstehung“, erklärt Garmaier. Dies sei zum Beispiel im südfranzösischen Wallfahrtsort Lourdes zu sehen, aber auch am Wartenberger Nikolaiberg mit dem heiligen Grab. „Der Kreuzweg hat eine immense Bedeutung im Gedenken an den Weg, den Jesus ging“, sagt der Stadtpfarrer. Während man sich den schweren Weg vor Augen führt, kann man Parallelen ziehen zu Krisen im eigenen Leben. Der Gedanke an die aktuelle Pandemie drängt sich auf. „Die Corona-Krise ist ein Kreuzweg für uns alle“, erklärt Garmaier.

Die Stärke Jesu soll den Gläubigen Mut machen

Auch andere Vergleiche könne man ziehen: Jesus wird verspottet auf seinem Weg. Heute würden viele Menschen ebenfalls verhöhnt oder ausgegrenzt. Das Kreuz, das schwer auf dem Rücken Jesu lastet, stehe sinnbildlich für schwere Schicksalsschläge oder Belastungen, mit denen jeder einzelne zu kämpfen habe. Doch auch die Stärke Jesu, nicht „zu Kreuze zu kriechen“ und nach dem Hinfallen wieder aufzustehen, solle den Gläubigen heute Mut machen und Vorbild sein.

„Jesus hat sein Kreuz getragen und sich auf das menschliche Elend eingelassen. Darin können wir bis heute Halt finden“, ist Garmaier überzeugt. Im Gebet für sich selbst, aber auch für andere Menschen, die sich in einer schweren Lage befinden, finden die Christen Stärkung, ob früher oder heute.

Der Erdinger Kreuzweg

Der knapp einen Kilometer lange Erdinger Kreuzweg beginnt an der Kreuzung der Fußwege Am Herzoggraben/Kreuzweg. Er führt über den so genannten Schleifersteg am Fehlbach entlang, vorbei am Stadtwehr in Richtung der Brücke an der Dall’Armi-Straße. Entlang der Sempt geht man bis zur Pointnermühle und weiter bis zum Parkplatz an der Mädchenrealschule Heilig Blut. Vor der Wallfahrtskirche steht die 14. und letzte Station. Die Kirche selbst ist seit einigen Jahren für Besucher gesperrt. Es steht eine aufwendige Sanierung an.

Gerda Gebel

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