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Preisverleihung in Paris: Für seinen Roman „Odins Söhne“ – Französisch „Les fils d’Odin“ – wurde der Walpertskirchener Autor Harald Gilbers (M.) mit dem Prix Historia 2016 ausgezeichnet.

Interview: Autor Harald Gilbers

„Der Erfolg legt die Messlatte höher“

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Seine ersten Romane „Germania“ und „Odins Söhne“ haben voll eingeschlagen. Im Mai 2017 erscheint Teil drei der Reihe. Wir sprachen mit dem Autor Harald Gilbers (47) über Auszeichnungen und seine Hauptfigur. Der Walpertskirchener warf zudem einen Blick in die Zukunft.

Herr Gilbers, Ihr Roman „Odins Söhne“, Teil zwei der Reihe um Kommissar Oppenheimer, hat kürzlich den Prix Historia 2016 als bester historischer Kriminalroman gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Was für ein Gefühl ist es, eine solche Anerkennung zu bekommen?

Harald Gilbers: Natürlich ist es eine schöne Bestätigung der Arbeit. Der Preis wurde von Historia vergeben, einem in Frankreich bekannten Magazin, das sich mit geschichtlichen Themen beschäftigt. In der Jury saßen Fachleute. Insbesondere bin ich dankbar dafür, dass ausgerechnet der zweite Band ausgezeichnet wurde. Jetzt, wo ich den dritten Krimi mit Kommissar Oppenheimer fast fertiggestellt habe, weiß ich, dass der zweite Roman der schwierigste für einen Schriftsteller ist.

Wie war die Verleihungsfeier?

Gilbers: Die Verleihung fand im Petit Palais in Paris statt, einem prunkvollen Bauwerk, das für die Weltausstellung 1900 gebaut wurde und nun das städtische Museum der schönen Künste beherbergt. Es war vor allem schön, endlich eine Gelegenheit zu haben, die Mitarbeiter meines französischen Verlags Editions Kero zu treffen. Außerdem konnte ich zum ersten Mal einige Worte mit dem Übersetzer Joël Falcoz zu wechseln, der von der Jury für seine Arbeit ausdrücklich gelobt wurde.

Das war ja nicht Ihre erste Auszeichnung. Welche Preise können Sie schon Ihr Eigen nennen?

Gilbers: Der erste Roman „Germania“ bekam den Glauser-Preis 2014 für das beste Krimi-Debüt. Der Prix Historia für „Odins Söhne“ ist die zweite offizielle Auszeichnung. In Japan bekam ich noch keinen Preis, doch immerhin erschien „Germania“ auf zwei Jahres-Bestenlisten mit ausländischen Krimis.

Als Sie die Figur des Kommissar Oppenheimer geschaffen haben, hätten sie je gedacht, dass die Geschichten so einschlagen?

Gilbers: Das ist die Hoffnung, die sicher jeder Schriftsteller hegt. Besonders erfreulich ist, dass die Romane auch im Ausland auf großes Interesse stoßen, weil den Lesern doch eine spezifisch deutsche Perspektive geboten wird. Aber der Erfolg legt natürlich auch die Messlatte für die nächsten Romane höher. Letztendlich geht es darum, ähnliche spannende Geschichten zu erzählen, ohne sich zu wiederholen.

Gerade wird Teil drei „Endzeit“ beworben. Was erwartet die Leser?

Gilbers: Wir erleben die letzten Tage des Nazi-Regimes, die Eroberung von Berlin, und die kurze Phase vor dem Eintreffen der Westalliierten, in der sich die Stadt vollständig unter russischer Alleinverwaltung befand. Oppenheimers Frau Lisa wird vergewaltigt. Er stößt später aus Zufall auf den Schuldigen, einen russischen Deserteur namens Grigorjew. Aber es sieht zunächst danach aus, als könnte ihn Oppenheimer nicht zur Rechenschaft ziehen. Denn auch Ost und West sind an Grigorjew interessiert, weil er Material schmuggeln soll, das bei den Atomplänen der Nazis eine Rolle spielte.

Bleibt es bei der Trilogie oder sind weitere Teile geplant?

Gilbers: Der Vertrag für die nächsten zwei Romane ist bereits ausgehandelt. Ich plane als nächstes eine Art Zwischenkriegstrilogie bis zum Ausbruch des Kalten Krieges und der Gründung der beiden deutschen Staaten im Jahre 1949. Für die Zeit danach habe ich auch schon Ideen.

Wie soll es in den folgenden Bänden mit Kommissar Oppenheimer weitergehen?

Gilbers: Er wird zunächst nicht wieder in den Polizeidienst eintreten, weil der Einfluss der russischen Besatzer in den ersten Nachkriegsjahren sehr stark ist, und Oppenheimer nach den Geschehnissen im dritten Roman weiß, dass er von ihnen keine Gerechtigkeit zu erwarten hat. Zunächst setzt er seinen Spürsinn für das Rote Kreuz ein, um verschollen geglaubte Flüchtlinge ausfindig zu machen.

Ihre Bücher sind inzwischen in vielen Ländern erschienen. In welchen Sprachen kann man die Oppenheimer-Geschichten lesen?

Gilbers: Aktuell sind sechs Übersetzungen erschienen, und zwar in Französisch, Japanisch, Dänisch, Polnisch, Italienisch und Tschechisch.

Können sich die Fans vielleicht bald auf Oppenheimer in TV oder Kino freuen?

Gilbers: Die Verfilmungsrechte des ersten Romans wurden optioniert. Aufgrund vertraglicher Bestimmungen darf ich leider noch keine Details verraten, ehe eine offizielle Ankündigung erfolgt.

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