Totschlagsprozess gegen Frauenarzt 

Ermittler: „Sieht eher nach geplanter Tat aus“

Erding/Landshut – Mit einer detaillierten Schilderung der Ermittlungen ist die Beweisaufnahme im Totschlagsprozess gegen den ehemaligen Erdinger Frauenarzt Professor Michael B. (57) abgeschlossen. Ein Erdinger Kripobeamter erklärte, dass er aus seiner kriminalistischen Erfahrung heraus von einer geplanten Tat ausgehe.

Professor B. wird vorgeworfen, seine Ehefrau Brigitte (60) am 4. Dezember 2013 im Haus in Pretzen brutal verprügelt, gewürgt und erstickt zu haben. 2015 war der 57-Jährige, der die Tat mit Nachdruck bestreitet, im Prozess freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof kassierte allerdings das Urteil, so kam es zur Neuauflage. Nach inzwischen 16 Verhandlungstagen lieferte der Kripobeamte einen Überblick über die Ermittlungen.

Er berichtete, dass er den Fall am Vormittag des 5. Dezember übernommen habe. Schon da sei ihm von den Kollegen des Kriminaldauerdienstes „Komisches“ berichtet worden. Etwa, dass B., nachdem er seine Frau tot im Bad aufgefunden haben wollte, zum Nachbarn gelaufen sei und den um Hilfe gebeten habe. Bei der Obduktion der Leiche habe festgestanden, dass ein Tötungsdelikt vorliege. Damit sei die vom Ehemann kolportierte Version vom Sturz nicht mehr infrage gekommen: „Der vermeintliche Unfallort wurde dann zum Tatort.“

Noch am Abend habe man sich mit Beamten der Spurensicherung nach Pretzen begeben und den Eindruck gehabt, „dass er uns schon erwartet“. Auf die Mitteilung, dass seine Frau eines gewaltsamen Todes gestorben sei, habe er mit einer komischen Geste reagiert, die Hand zum Gesicht geführt. „Das sah schon aufgesetzt und gespielt aus“, so der Kripobeamte.

Auf dem Weg durch das Haus habe B. auf verschiedene Kleinigkeiten hingewiesen, sich aber nicht erkundigt, wie seine Frau ums Leben gekommen ist. Man sei dann mit ihm zur Dienststelle gefahren. Dort sei er als Zeuge belehrt und mit seiner Zustimmung erkennungsdienstlich behandelt worden. Bei der Vernehmung habe sich B. dann in erhebliche Widersprüche verwickelt, so dass ihm die Festnahme erklärt worden sei. „Bis dahin war er relaxt, dann ist ihm die Farbe abgeschossen“, sagte der Kripobeamte.

Auf die Frage von Staatsanwalt Christoph Ritter bestätigte der Kripobeamte, dass er mit seinen Kollegen alle Alternativtäter „durchgespielt“ habe, von einem Sexualdelikt bis zu Raubmord oder einem – wie vom Angeklagten ins Spiel gebracht – Autragskiller. „Wir haben insgesamt 138 Personen vernommen, angefangen von seinen Adoptivkindern über seine Ex-Ehefrau und die vier Kinder aus erster Ehe bis hin zu ehemaligen Arbeitskollegen und Mitarbeitern. Schließlich sind wir aufgrund der sich häufenden Verdachtsmomente bei einer Beziehungstat hängen geblieben“, so der Ermittler.

Aus seiner Sicht habe es sich um eine geplante Tat gehalten. Dazu passe die Blutentnahme vom 2. Dezember, die der Angeklagte noch am freien Vormittag in die Praxis gebracht habe. „Ich bin mir nicht sicher, ob es ihm da nur um die Gesundheit seiner Ehefrau ging, oder ob er das Ergebnis mit den Leberwerten für das von ihm vorgebrachte Sturzgeschehen brauchen konnte.“

Die Verteidiger des Frauenarztes widersprachen der Verwertung der Vernehmung ihres Mandanten, der nach ihrer Ansicht für die Kripo von Anfang an als Beschuldigter gegolten habe und entsprechend hätte belehrt werden müssen. Außerdem übten sie Kritik an den Ermittlern, die Hinweisen auf mögliche Alternativtäter nicht mit entsprechender Sorgfalt nachgegangen seien.

Die Plädoyers von Staatsanwalt und Nebenklägern sind für 29. Juni, die der Verteidiger für 30. Juni geplant. Das Urteil wird am 20. Juli erwartet. (Walter Schöttl)

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