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Freuen sich, dass es künftig ruhiger zugeht: Ernst und Frieda Howerka haben ihre drei Parfümerien verkauft, darunter die an der Langen Zeile in Erding (im Bild). Geschäft, Name und Mitarbeiter bleiben jedoch erhalten. 

Nach 66 Jahren an der Langen Zeile 

Ernst Howerka verkauft seine Parfümerien

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Erding - In der Erdinger Geschäftswelt endet zum Ende dieses Monats eine 66-jährige Familientradition: Ernst Howerka gibt seine drei Parfümerien ab. Der Betrieb an der Langen Zeile geht jedoch weiter. Drogerie Kunzmann aus Nördlingen heißt ab 1. Juli der neue Eigentümer.

Es gibt sie allen Ketten wie Roßmann, dm und Müller zum Trotz immer noch: inhabergeführte Drogerien und Parfümerien. Eine davon ist die von Ernst Howerka an der Langen Zeile. Doch zum 30. Juni endet diese Ära. Howerka hat seine drei Geschäfte in Erding, Neuötting und Unterschleißheim verkauft – und setzt sich mit 68 Jahren zur Ruhe.

Äußerlich wird der Kunde nichts merken, denn der neue Inhaber, die Firma Kunzmann mit Sitz in Nördlingen, wird nicht nur den Betrieb weiterführen, sondern auch den Namen und die Mitarbeiter. Das sind insgesamt 16, in Erding fünf und eine Auszubildende. Neue Jobs suchen mussten sich nur zwei Mitarbeiter aus dem Lager und der Verwaltung in Erding. Beides wandert nach Nördlingen ab.

Ernst und Frieda Howerka, die die Parfürmerie seit 1985 geführt haben, gehen in Ruhestand. „Wenn man älter wird, merkt man, dass man weniger Elan hat, dass einem die Arbeit nicht mehr so leicht von der Hand geht“, sagt der 68-Jährige. Er wollte aber „nicht einfach überholt werden, sondern einen geregelten Übergang hinbekommen“.

Mit den Läden in Erding, Neuötting und Unterschleißheim gibt das Erdinger Urgestein die letzten drei Geschäfte ab. Drei weitere Dependancen hat er bereits übergeben: 2014 Straubing, 2016 Freising und heuer im Mai Vaterstetten.

Der Name Howerka ist seit über 60 Jahren mit Erding im Allgemeinen und mit der Langen Zeile im Besonderen verbunden. Im Dezember 1951 übernahm Ernst Howerkas Vater Walter das Geschäft Gottschalk an der Langen Zeile 18 (heutige Commerzbank) und richtete auf bescheidenen 15 Quadratmetern eine Drogerie ein. 1956 wurde das Haus verkauft, Howerka sen. zog an die Lange Zeile 12 (heutiges Uhren-, Schmuck- und Optikgeschäft Widmann). Dort blieb er bis 1966, ehe es für zehn Jahre wieder an die Lange Zeile 18 ging. Nach dem Neubau mietete sich Howerka in der Hausnummer 20 ein. Dort befindet sich das Geschäft bis heute, das Ernst Howerka 1976 übernahm. Zeitweise wohnte er dort auch – im ersten Stock.

1985 heiratete er seine Gattin Frieda, die seither mit ihm im Laden steht. Dass beide nun verkaufen, hängt auch damit zusammen, dass das Paar keine Kinder hat, die die Tradition hätten fortsetzen können.

Zuletzt handelte es sich um eine reine Parfümerie mit Kosmetiksalon. Howerka war aber auch einmal eine klassische Drogerie mit einem deutlich breiteren Sortiment. „Wir waren viele Jahre lang Marktführer in Erding“, sagt Ernst Howerka. Das Vollsortimenter-Geschäft hätten sich längst die großen Ketten gesichert – dm, Roßmann oder Müller. Bis 1998 gab es sogar eine Fotoabteilung. „Die habe ich geschlossen, als Ende der 90er Jahre die Digitalfotografie die Filmdosen abgelöst hat“, erzählt Howerka.

Dass er bis zu sechs Geschäfte hatte, ist in der Branche nicht unüblich. „Man kann als Einzelhändler nur überleben, wenn man in größerer Stückzahl einkauft“, sagt der Unternehmer. Seinen Nachfolger Kunzmann kennt und schätzt er schon länger. Die Nördlinger haben ein ähnliches Geschäftsmodell. Der neue Inhaber wird auch den Kosmetiksalon weiter betreiben.

Howerka hat in der Innenstadt einen großen Wandel erlebt. Dass immer viele Leute unterwegs sind, will er gar nicht bestreiten. „Aber wer kommt denn noch in die Innenstadt, um einzukaufen? Die meisten bummeln oder suchen die Gastronomie auf.“ Das mache den Einzelhändlern das Leben schwer. „Je mehr Gewerbegebiete gebaut wurden, desto weniger Geschäft haben wir gemacht.“

Und was hat er jetzt vor? Ernst Howerka lehnt sich zurück und lächelt: „Erst mal gar nichts. Und darauf freue ich mich. Es ist nichts geplant.“

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