Interessante Gespräche führte (v. l.) Moderator und JU-Kreischef Alexander Attensberger mit Patrick Kanzelsberger und Andreas Lenz. foto: schwarzkugler

Diskussion der Jungen Union

Wohnen in Erding: „Erschreckende Entwicklung“

Erding - Das Angebot ist mau, die Preise schießen durch die Decke: Wohnen in Erding war schon mal leichter. Dieses Problem diskutierten Junge Union und CSU am Dienstagabend in der Bar Speak Easy.

„Es ist eine erschreckende Entwicklung“, sagte Patrick Kanzelsberger. Viele junge Familien hätten in Erding keine Chance auf Wohnraum, weil es zu wenig Angebot und Bewerber mit größeren finanziellen Mitteln gebe. Der Erdinger Immobilienmakler war mit Landrat Martin Bayerstorfer und dem Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz zu der Gesprächsrunde eingeladen. Die Brisanz des Themas unterstrich auch, dass sich einige Kollegen aus der CSU unter die rund 50 Zuhörer gemischt hatten.

Lenz wies auf die Mietpreisbremse hin, die wichtig sei, „um Wucher gesetzlich regeln zu können“. Einen Mietpreis bei Neubauten in Erding von bis zu 14 Euro pro Quadratmeter, das könne sich „bei Weitem nicht jeder leisten“. Junge Polizisten oder Krankenschwestern würden „überall gleich viel verdienen. Aber hier sind die Mieten halt viel höher“.

Um gerade jungen Menschen auf der Suche nach Wohnraum unter die Arme zu greifen, gibt es in Erding jetzt die Sozialgerechte Bodennutzung (Sobon). Auch die landkreiseigene Wohnungsbaugesellschaft ermöglicht günstiges Wohnen. „In der Bajuwaren- und Sigwolfstraße liegt der Mietpreis bei 7,50 Euro, in Isen noch deutlich darunter“, sagte Bayerstorfer. 130 dieser Wohnungen gebe es im Landkreis. Anfangs habe die Gesellschaft 19 Mitgliedsgemeinden gezählt, jetzt nur noch 16. „Da sollten wir mehr Werbung betreiben“, so der Landrat. Zumal die Wohnungsnot durch die Flüchlinge noch verschärft werde. „Aber wir sind gerade stark im Gespräch mit den Gemeinden, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.“ Zufrieden zeigte sich Bayerstorfer außerdem mit dem sozialen Erbbaurechtsprogramm im Landkreis.

Diese Lösungsmaßnahmen seien zwar schön und gut, „aber die machen nicht viel aus“, erklärte Lenz’ Vorgänger im Bundestag, Max Lehmer. Es brauche eine systematisch geplante Baulandausweisung. „Mal da was, mal da“ – das bringe nichts. „Die Gemeinden müssen sich zusammentun. Wir brauchen mehr Planung über die Region, sonst wird der Preisdruck nicht zurückgehen.“ Man müsse nicht nur an die Stadt, sondern auch ans Land denken, Anreize für Landwirte schaffen, damit diese etwas abgeben von ihrem Besitz.

Der Dorfener Bauträger Robert Decker kritisierte die „Planungshoheit“ der Stadt Erding. „Die letzten fünf Jahre wurde nicht ein vernünftiges Baugebiet ausgewiesen“, sagte er und befeuerte so eine hitzige Diskussion, unter anderem mit CSU-Stadtrat Burkhard Köppen. Ein großer Teil von Erding sei mit einer Veränderungssperre versehen, so Decker: „Das wird gemacht, um die städtebauliche Entwicklung zu ordnen. Aber hier passiert seit zwei Jahren nichts.“

Zudem kritisierte er, dass wegen der Hochwasser-Gutachten nichts vorangehe. „Das Erdbeerfeld hatte noch nie Hochwasser“, meinte Decker. Er stört sich auch am Bebauungsplan Thermengarten. Der sei im Februar vergangenen Jahres aufgestellt worden. „Jetzt haben wir schon wieder Februar. Das geht so langsam.“ CSU-Stadtrat Walter Rauscher hielt dagegen: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Was die Beurteilung der Hochwasser-Situation angeht, habe man mit dem Wasserwirtschaftsamt einen guten Partner.

In einem war man sich einig: Es braucht mehr Bauland. „Aber dafür muss man auch die Infrastruktur schaffen“, sagte Kanzelsberger mit Verweis auf die Staus, die sich in Erding zur Hauptverkehrszeit gerne mal bilden.

von Markus Schwarzkugler

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