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Bestens besucht war der unterhaltsame Erzählkunstabend im Lesegarten der Erdinger Stadtbücherei mit (l. vorne sitzend) Moni Lößl, Sigrid Sommer (M. stehend) und dem Gitarristen Konrad Huber (r. sitzend).

Erzählkunst in der Stadtbücherei

Vom Schwimmbad-Adonis zum Paar in Schieflage

Der Erzählkunstabend mit Moni Lößl und Sigrid Sommer in der Erdinger Stadtbücherei hat inzwischen eine richtig große Fangemeinde.

Erding Der Garten war voll besetzt, als die beiden Frauen die frei erzählten Märchen und Geschichten entwickelten. Zwischen den Texten spielte Gitarrist Konrad Huber Musik, die dazu einlud, nach innen zu hören und dem Gehörten nachzuspüren.

Die beiden Erzählerinnen lockten das Publikum in die unterhaltsamen Geschichten mit leichter Hand hinein, ließen mit Temperament, Humor und Selbstironie die Worte lebendig werden. Dass der Sommerregen während Lößls Vortrag einen Umzug nach innen nötig machte, den alle Gäste mit ihrem Stuhl in der Hand, unterstützt vom Büchereiteam, zügig vollzogen, tat der Spannung keinen Abbruch. Der Erzählbogen blieb gespannt. Als Lößl im Atrium der Bücherei an die Geschichte wieder anknüpfte, schien es keine Unterbrechung gegeben zu haben.

Es wurde an diesem Abend viel geschmunzelt und gelacht. Dabei ging es auch um existenzielle Themen. Das Erzählte setzten Lößl und Sommer mit feinem Entertainment in Szene. Bei der bedeutungsvollen Begegnung von Johann mit dem Herrn Gevatter, die Sommer in beredte Worte fasste, stand am Ende die Versöhnung von genossener Lebensfreude und unabwendbarer Endlichkeit.

Als sie von der Beziehung eines ordnungsliebenden Perfektionisten zu einem ebenso schlauen wie süßen Anarcho-Hündlein erzählte, das den gestylten Garten umgräbt und auf den edlen Teppich pinkelt, sorgte das für Heiterkeit. Ebenso ihre hintersinnigen Betrachtungen zum Nudelsalat als beliebtes Partymitbringsel.

Lebensfeindliche, zwanghafte Entfremdungsmechanismen einer Paarbeziehung in Schieflage und frohe, freie Momente des prallen Lebens in trauter Zweisamkeit – zwischen diesen Polen war Lößls Geschichte vom Sultan und seiner Frau angesiedelt. Rettung vor der drohenden Selbstauslöschung der unglücklichen Sultanin versprach das geheimnisvolle „Zungenfleisch“-Symbol für eine geglückte, dem Gegenüber zugewandte Kommunikation. Ein unerschöpfliches Thema: die verwirrende, beglückende, verletzliche und verletzende Liebe.

Als Lößl vom Jugendschwarm Armin, ein blauäugiger Schwimmbad-Adonis mit schwarzem Haar, berichtete, lagen beflügelnde Sehnsucht, niederschmetternde Verzweiflung, liebevolle Erinnerung und selbstironisches Abrücken nah beieinander. Am Schluss stand ein origineller allegorischer Exkurs zur Frage, weshalb blinde Liebe und Wahnsinn oftmals Hand in Hand gehen würden. Huber schuf zu den Geschichten mit seinen Gitarrenstücken Raum zum Träumen und Nachsinnen. 

  Vroni Vogel

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