Erziehungsberatungsstelle 

Am Streit der Eltern zerbrechen die Kinder

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Die Erziehungsberatungsstelle des Landkreises ist voriges Jahr 664 Mal aktiv geworden. Meist sind es auseinander brechende Familien mit Kindern, die professionelle Hilfe brauchen.

Erding – Wenn sich Eltern streiten, wenn das familiäre Gefüge ins Wanken gerät, leiden in erster Linie die Kinder. Bei jedem dritten jungen Menschen, der 2016 den acht Mitarbeitern der Erziehungsberatungsstelle des Landratsamts vorgestellt wurde, waren familiäre Konflikte der Auslöser. Dies erklärte am Montag Sabine Wolf, die im Jugendhilfeausschuss des Kreistags die Bilanz der Einrichtung mit Anlaufstellen in Erding und Dorfen vorstellte.

664 Mal wurde die staatliche Einrichtung aktiv. Die Fallzahl ist seit 2013 einigermaßen konstant, zuletzt war sie leicht rückläufig. Migrationshintergrund scheint die Lage zu verschärfen. Bei knapp 30 Prozent der Betreuten war mindestens ein Elternteil nicht-deutsch. Bei zwölf Prozent wurde daheim nicht Deutsch gesprochen. Zur Einordnung dieser Zahl gehört aber auch, dass solche Familien das Beratungsangebot gut annehmen.

In erster Linie trieben die Kinder Wolfs Worten zufolge diese Konflikte um: zwischen Eltern, mit Stiefeltern sowie schwierigeVerhältnisse wie Patchwork-Familien. Fast jede zweite Familie (49,7 Prozent/324 Fälle) war von Trennung und Scheidung betroffen.

In 41 Fällen waren so genannte hochstrittige Familien vom Gericht verpflichtet worden, Hilfe von der Erziehungsberatungsstelle in Anspruch zu nehmen. Grundsätzlich sind Urteile der Familiengerichte bezüglich des Sorge- und des Umgangsrechts häufig Auslöser für Hilfe von außen.

Jedes fünfte Kind zeigte nach der Statistik seelische und Entwicklungsprobleme oder Auffälligkeiten im Sozialverhalten. „Diese Kinder litten unter Ängsten, Selbstwertproblemen, depressiven Verstimmungen, zeigten selbstverletzendes oder aggressives Verhalten oder hatten Kontaktprobleme“, heißt es im Jahresbericht.

Wer empfiehlt Familien, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen? Fast jeder dritte Tipp kam von (anderen) Eltern oder Personenberechtigten. Etwas mehr als jeder zehnte Hinweis ging von Kindertagesstätten oder Schulen ein. In der Regel sind es die Mütter (75 Prozent), die den ersten Schritt wagen.

Die Beratungsstelle ist bemüht, so schnell wie möglich Hilfe zu leisten. In 460 Fällen fand der erste Termin binnen 14 Tagen statt. 111 Familien mussten bis zu einem Monat, 31 bis zu zwei Monaten warten. 47 Mal handelte es sich um Notfälle, die sofort drankamen.

Dass die Hilfe wirkt, zeigt die Zahl der Beratungen pro Familie. In 60 Prozent war nach ein bis drei Besprechungen eine Besserung erkennbar. Ein Viertel nahm vier bis zehn Termine in Anspruch.

Auch präventiv ist die Beratungsstelle aktiv. So werden unter anderem ehrenamtliche Familienpaten ausgesandt, um Eltern zu unterstützen. Hinzu kommt der Kurs „Kinder im Blick“, der sich an Väter und Mütter nach einer Trennung richtet. Seit 2009 gibt es eine Schreibaby-Ambulanz. Kinder, die Eltern oder Geschwister verloren haben, werden in eigenen Trauergruppen aufgefangen.

Von Hans Moritz

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