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Rund um das Kinderhaus Wolperdinger (M.) und die Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger (r.) will die Stadt Erding Wohnungsbau im großen Stil erlauben.

EU-Konformes Einheimischenmodell 

Ehrenamtliche Retter wohnen günstiger

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Die EU hat ihre Bedenken aufgegeben: Einheimischenmodelle sind wieder möglich. Die Erdinger Rathaus-CSU will die Gelegenheit nutzen und auch Ehrenamtlichen der Hilfsorganisationen unter die Arme greifen.

Erding – Das Wunder von Brüssel wurde Anfang März dieses Jahres wahr. Nach zähen Verhandlungen mit Deutschland ließ die Europäische Union ihre Bedenken gegen Einheimischenmodelle fallen. Sofern die Jahre in einer Gemeinde nicht mehr der einzige beziehungsweise maßgebliche Faktor sind, dürfen Kommunen Bauland wieder billiger an Eingesessene vergeben.

Auch soziale Faktoren sollten berücksichtigt werden. Jede Gemeinde muss einen Punktekatalog erarbeiten, verlangt Brüssel. Die CSU-Fraktion im Erdinger Stadtrat will diese Chance möglichst rasch und intensiv nutzen. Das machte ihr Vorsitzender Jakob Mittermeier in einer Pressekonferenz deutlich. „Gerade ehrenamtliche Mitglieder von Hilfsorganisationen wollen wir ansprechen. Denn auf sie sind wir, ist unser Gemeinwohl so dringend angewiesen.“

Mittermeier denkt dabei in erster Linie an die Feuerwehren, deren Dienstherr stets der Bürgermeister ist, und die Pflichtaufgabe der Kommunen sind, aber auch Vereine wie das Rote Kreuz, die Malteser, die Johanniter oder das Technische Hilfswerk. Mittermeier will damit gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: „Wir werten diesen Dienst auf, wir leisten unseren Beitrag, dass die Organisationen genug Nachwuchs haben, und verhindern ein Abwandern.“

Mittermeier ist vor wenigen Tagen für 40-jährige Mitgliedschaft bei der Feuerwehr Altenerding geehrt worden. In der Versammlung erfuhr er, dass die Wehr einen neuen Leiter der First-Responder-Gruppe benötigt, weil der Amtsinhaber in die Gemeinde Neuching gezogen ist. Und von der Feuerwehr Erding kennt er den seit Jahren wiederholten Wunsch nach einem Personalwohnheim oder Dienstwohnungen für Aktive.

Der buchstäblich geldwerte Vorteil eines ehrenamtlichen Retters soll sich nach dem Willen der CSU nicht nur beim Einheimischenmodell auswirken, sondern auch bei der Sozialen Bodennutzung (SoBoN). Bekanntlich verlangt Erding von Bauträgern, 30 Prozent der Wohnungen zu Preisen deutlich unter denen des freien Markts anzubieten. „Auch hiervon sollen Einsatzkräfte profitieren können“, so Mittermeier.

In der Großen Kreisstadt wird derzeit nur ein Wohngebiet entwickelt, in dem es auch ein Einheimischenmodell geben soll: im südlichen Thermengarten. SoBoN könnte hingegen weiter verbreitet werden. Mittermeier verweist auf große Wohnbau-Entwicklungsflächen auf dem Erdbeerfeld entlang Dachauer Straße und Sigwolfstraße sowie an der Haager Straße West rund um das BRK-Kinderhaus Wolperdinger und die Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger.

Ob es auch beim Bebauungsplan Poststadel entlang der B 388 klappt, traut sich Mittermeier nicht zu sagen. „Gut möglich, dass dieses Verfahren schon zu weit gediehen ist.“ Auch kann er keinerlei Angaben machen, wann auf dem Erdbeerfeld wieder und an der Haager Straße erstmals die Bagger auffahren. Die Hochwasserproblematik ist hier immer noch akut. Der Baustopp gilt unverändert.

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