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Sprach über Demokratie im Härtetest: Sigmund Gottlieb (M.) mit Gerd Hohlbach (l.) vom Lions Club und Werner Reuß.

Ex-BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb (66)

Gegen den Lügenpresse-Vorwurf

22 Jahre lang war Sigmund Gottlieb (66) Chefredakteur des BR. „Keiner konnte sich länger auf diesem Schleudersitz halten“, sagte sein ehemaliger Kollege Werner Reuß. Nun war der ehemalige Chefredakteur zu Gast beim Lions Club Erding und sprach über „Medien, Politik und wir alle – Demokratie im Härtetest“.

Erding – Vor rund 50 Besuchern ging Gottlieb auf den aktuellen Vertrauensverlust in die Politik ein: „Das ist ein Erosionsprozess, den es schon seit ein paar Jahren gibt“, sagte er. Der Wahltag am 24. September 2017 habe sieben Parteien in den Bundestag gebracht, fünf mehr oder weniger in der Mitte und zwei am linken und rechten Rand. Aber: „Das ist keine Katastrophe oder ein Grund, um auszuwandern“, sagte Gottlieb. Doch die drei Volksparteien CDU, CSU und die SPD hätten das größte Desaster ihrer Geschichte eingefahren: „Die einst großen Volksparteien sind zu kleinen geworden.“ Und auch der Großen Koalition sagte er eine bittere Zukunft voraus: Gottlieb gibt ihr nicht mehr als zwei Jahre.

Zudem sei das Vertrauen in die Medienwelt gesunken. Der Grund dafür? Die abnehmende Toleranz der Menschen, sagte Gottlieb. Das Thema „Fake News“ war ebenfalls Thema. Gottlieb merkte an: „Medien lügen nicht, denn Lüge setzt Absicht voraus. Dieser Vorwurf der Lügenpresse ist blühender Unsinn.“

Trotzdem forderte er die Medien auf, den Dingen mehr auf den Grund zu gehen und nicht nur an der Oberfläche zu verweilen. Allerdings sei das im Zeitalter der digitalen Medien, mit ihrer atemberaubenden Geschwindigkeit, kein leichtes Unterfangen. Gottlieb sprach von Sofortismus: „Die Verfallsdauer einer Information dauert nur wenige Minuten.“

Gleichzeitig wolle jeder der Erste sein. Gottlieb erinnerte sich selbst, Täter gewesen zu sein, indem er seine Mitarbeiter motiviert habe, die „Breaking News“ möglichst als erstes zu veröffentlichen. „Gott sei Dank ist es gut gegangen, es hätte auch schief gehen können.“ 

Sebastian Moldan

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