+
So zeigen sie sich ihren Facebook-Freunden: Birgitt Binder (hier mit Alfred Mittermeier), Hans Sterr, Christina Eichhorn und Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz (v. l.).

Zum Internationalen Tag der Freundschaft

Facebook & Co.: Jeder Freund nur einen Klick entfernt

Auf Facebook sammelt man schnell mal ein paar hundert Freunde, im wahren Leben sind es meist nur eine Handvoll. Freundschaften im digitalen Zeitalter - wie viel sind die wirklich wert?

Erding Heute ist der Internationale Tag der Freundschaft – und das schon seit 100 Jahren. Seit 1920 hat sich das Leben stark verändert, vor allem digitalisiert. Im Zeitalter der Smartphones haben wir dank WhatsApp oder Facebook unsere Freunde jederzeit dabei. Doch sind Facebook-Freundschaften wirklich vergleichbar mit echten Freundschaften?

Jakobmayer-Chefin Birgitt Binder: Facebook ist Networking

„Nein, es wäre naiv, so etwas zu behaupten“, sagt Birgitt Binder, Managerin des Kulturhauses Jakobmayer Dorfen: „Echte Freundschaften sind analog. Da geht es um gemeinsame Erlebnisse.“ Für Binder ist Facebook ein Tool, um in der Kulturwelt präsent zu sein. Die Musikerin hat über 1200 Personen in ihrer Freundesliste und teilt relativ häufig Fotos von sich, „die möglichst schräg sein sollten“. Fotos mit ihrem Ehemann oder mit ihren Kindern teile sie dagegen nie, ebenso wenig berichte sie über familiäre Dinge, wie Todesfälle oder ähnliches. Facebook sei für sie Networking.

MdB Andreas Lenz: „Niemand hat 5000 Freunde:“

Auf ähnliche Art und Weise ist Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz auf Facebook aktiv. In seiner Freundesliste sind stolze 5000 Personen – weil Facebook mehr „Freundschaften“ nicht erlaubt. Seine Beiträge – das sind meist berufliche Inhalte – kann jeder einsehen. Bewusst. Als eine Person, die im öffentlichen Leben steht, schalte er seine Privatsphäre-Einstellungen nicht um. „Ich finde es aber gut, dass es solche Einstellungen gibt, man sollte verantwortungsvoll mit seinen Daten umgehen“, sagt der 38-jährige Politiker, der bei den Bundestagswahlen 2013 und 2017 das Direktmandat im Wahlkreis Erding-Ebersberg gewonnen hat. „Freunde“ will er seine Bekanntschaften im sozialen Netz nicht nennen: „Niemand hat 5000 Freunde.“ Doch Facebook-Freundschaften können den ersten Kontakt herstellen und die Freundschaft auf Facebook schließe eine echte Freundschaft auch nicht aus. Tatsächlich pflege Lenz auch reale Freundschaften im Internet. Vor allem bei Freunden, die im Ausland oder in der Ferne leben, sei Facebook sehr nützlich.

Hans Sterr: Befreundet nur mit etwa 30 Personen, die er alle persönlich kennt

Der Pressesprecher der Gewerkschaft Verdi, Hans Sterr dagegen geht viel vorsichtiger mit Facebook um. Befreundet ist er nur mit etwa 30 Personen, die er alle persönlich kennt. Der 59-Jährige teilt wöchentlich Beiträge, meist Fotos von Erlebnissen: „Zuletzt war ich mit Freunden auf einem Konzert beim Sinnflut-Festival und habe da ein Foto gepostet.“ Seine Beiträge sind allerdings nur für seine Freundesliste sichtbar. Und es ist auch nicht möglich, ihm ohne Weiteres eine Freundschaftsanfrage zu schicken. Hin und wieder äußere sich der Erdinger zwar auch in Gruppen oder in den Kommentarspalten von verschiedenen Seitenbeiträgen öffentlich, auf seine Privatsphäre legt er aber ganz bewusst viel Wert.

Fußballer Savas Kepic: „Freundschaftsanfragen von Fremden nehme ich nicht an.“

Auch Savas Kepic, an den sich viele ältere Fußballfans im Landkreis noch erinnern werden, ist wählerisch bei seinen Facebook-Freunden: „Freundschaftsanfragen von Fremden nehme ich nicht an.“ Da der Ex-Kicker, der unter anderem in Moosinning und bei Türk Gücü Erding gespeilt hat, die meiste Zeit des Jahres in der Türkei verbringt, sei Facebook wichtig für ihn, weiterhin mit seinen Freunden in Bayern in Kontakt zu bleiben. Oft teilt er Fotos von sich, am Strand liegend, mit Weißbier in der Hand – quasi wie ein ehrenamtlicher Kulturbotschafter.

Influencerin Christina Eichhorn: 681 Facebook-Freunde, zehn bis 15 echte

Christina Eichhorn hat 681 Freunde auf Facebook und 7602 Abonnenten auf Instagram. Als echte Freunde würde die 26-Jährige aus Taufkirchen aber nur zehn bis 15 bezeichnen. „Mit denen tausche ich auch Privates aus, wir treffen uns und verbringen echte, nicht virtuelle Zeit miteinander.“ Auf Facebook sei sie gar nicht mehr so aktiv. Hier und auf Instagram seien es vor allem eigene Bilder und nur solche, „bei denen alle einverstanden sind, dass sie abgebildet werden“.

Es sei schon vorgekommen, dass sie anzügliche Kommentare bekommen habe. „Die klicke ich erst gar nicht an“, verrät Eichhorn. Es gebe aber auch einen Schwärmer, der sie immer wieder mit Komplimenten überhäufe. „Das finde ich dann schon putzig“ – zumindest im Netz.

Mayls Majurani & Hans Moritz


Lesen Sie dazu auch:

Wann ist ein Freund ein Freund? Psychologen unterscheiden hier viele Modelle - von der lebenslangen Herzensfreundschaft bis hin zur flüchtigen Bekanntschaft in sozialen Netzwerken.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Spider Murphy Gang rockt die Stadthalle
„Let’s rock“ hieß es beim Konzert der Spider Murphy Gang in Erding. Die Kultband aus München rockte am Freitag die ausverkaufte Stadthalle bei einem mitreißenden …
Spider Murphy Gang rockt die Stadthalle
Horror-Moment in Lufthansa-Flieger nach Miami - Maschine kehrt um
Bange Momente im Airbus A380 auf dem Flug von München nach Miami. Über dem Atlantik kam es plötzlich zu einem Feueralarm. Die Maschine musste umkehren.
Horror-Moment in Lufthansa-Flieger nach Miami - Maschine kehrt um
Telefonbetrug: Rentner wird dreimal übers Ohr gehauen
Auch an diesem Wochenende kam es wieder zu Anrufen von Betrügern, die versuchen möglichst viele Daten der Angerufenen zu erlangen. Einen Rentner erwischte es dreimal.
Telefonbetrug: Rentner wird dreimal übers Ohr gehauen
Protest gegen Müllflut: Bäcker setzt kreatives Zeichen gegen Kassenbon-Pflicht
Mit Zuckermasse und Himbeermarmelade macht ein Bäcker aus Moosinning in Bayern auf die neu eingeführte Kassenbon-Pflicht aufmerksam. Und begeistert seine Kunden.
Protest gegen Müllflut: Bäcker setzt kreatives Zeichen gegen Kassenbon-Pflicht

Kommentare