Ausgebremst fühlen sich viele Radler in Erding und Dorfen vor allem im „Mischverkehr“. Foto: Hans Moritz

Fahrradklimatest des ADFC: Es passiert zu wenig

Drei von vier Radlern sind unzufrieden

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Die Mobilität im Lockdown hat sich stark gewandelt. Insgesamt hat sie abgenommen, sich aber in Richtung Fahrradverkehr verändert. Allerdings sind viele Radler mit den örtlichen Begebenheiten unzufrieden. Das ergab der Fahrradklimatest des ADFC für Erding und Dorfen.

Erding – So groß war die Datenbasis des ADFC-Kreisverbandes noch nie, die Beteiligung an der alle zwei Jahre stattfindenden Erhebung stieg um 50 Prozent, teilt Vorsitzender Horst Weise mit. In der Kreisstadt waren es 160 Bürger, in Dorfen sogar 270. Sein Fazit: „Die Bewertung der Fahrradfreundlichkeit in Erding stagniert im Mittelfeld bei bundesweit vergleichbaren Städten.“ Die in den vergangenen Jahren durchaus durchgeführten Maßnahmen „reichen den Radfahrenden aber bei Weitem nicht, um sich im innerstädtischen Verkehr sicher zu fühlen“, so Weise.

„Die stetig wachsende Bedeutung des Radverkehrs wird in der Politik zwar wahrgenommen, noch fehlen aber vor Ort die Umsetzungen vorhandener Ideen“, so Weise. Er beklagt, dass angestoßene Verbesserungen teilweise sogar wieder gestoppt würden, etwa neue Abstellanlagen am Bahnhof in Erding.

In der Kreisstadt sind 78 Prozent der Radler der Meinung, die Radwege seien zu schmal, in Dorfen sind es 70 Prozent. Über 60 Prozent fühlen sich dort nicht sicher. 54 Prozent der Befragten geben an, dass in Erding in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan worden sei, in Dorfen sagen das sogar 81 Prozent. 61 beziehungsweise 81 Prozent meinen, es finde zu wenig Werbung fürs Radfahren statt.

Mehr als jeder Zweite fühlt sich auf dem Fahrrad nicht als gleichwertiger Verkehrsteilnehmer akzeptiert, berichtet Weise. Die Ampelschaltungen seien nicht auf diese Gruppe abgestimmt. Drei Viertel fordern, an Baustellen müssten die Radwege besser vorbeiführen. Und mehr als die Hälfte findet es schwierig, das Rad im Nahverkehr mitzunehmen.

Das noch junge Gesetz, dem zufolge einige Einbahnstraßen von Radlern auch in der Gegenrichtung befahren werden dürfen, heißen 71 Prozent der in Erding Befragten gut.

Mehr als acht von zehn Radlern geben an, seit Beginn der Pandemie, in der die Nutzung gestiegen ist, habe es „keine handfesten Signale für mehr Fahrradfreundlichkeit gegeben“. Auch die kommunale Politik habe während der Corona-Zeit das Radfahren als Chance nicht mehr als üblich thematisiert, meinen 72 Prozent der Erdinger.

Ebenfalls mehr als jeder zweite Radfahrer wünscht sich mehr Falschparker-Kontrollen auf Radwegen, und 68 beziehungsweise 75 Prozent der Erdinger und Dorfener Radler beklagen, es komme häufig zu Konflikten, vor allem im „gemischten Verkehr“.

In Dorfen sieht Weise eine Chance der nachhaltigen Verbesserung, denn die Stadt will bekanntlich der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen beitreten. Die Verantwortlichen hätten nun ein klares Votum. Am Geld, findet er ADFC-Chef, könne es nicht scheitern, stelle der Bund doch bis 2023 rund 1,45 Milliarden Euro für den Radverkehr bereit.

Mit einer Gesamtbewertung der Radverkehrssituation von 3,8 belegt Erding deutschlandweit Platz 153 von 415 in der Kategorie der Städte zwischen 20 000 und 50 000 Einwohner – keine Verbesserung seit 2018. Die Dorfener vergeben die Gesamtnote 4,02. In den Kommunen mit weniger als 20 000 Einwohnern bedeutet das Platz 274 von 418. Und das, obwohl laut Weise 55 Prozent der befragten Dorfener aussagen, sie seien gern Pedal tretend in der Isenstadt unterwegs. Doch das Rennen scheint eng zu sein: Bund und Land bekommen die Note 3,9. Allein in Bayern wurden 167 Kommunen untersucht, vor zwei Jahren waren es nur 86 gewesen.

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom ADFC alle zwei Jahre mit dem Bundesverkehrsministerium durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt. Er umfasst 27 Fragen. Bei der aktuellen Erhebung wurden außerdem fünf Zusatzfragen zur Situation während der Covid-19-Pandemie in den Städten gestellt. Zwischen September und November 2020 konnten Radfahrer ihre Meinung zum Fahrradklima in ihrer Stadt abgeben.

ham

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