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Das erste Treffen der Arbeitsgruppe „Nachhaltige Beschaffung“ war konstruktiv. Gäste und Gruppenmitglieder präsentieren hier Beispiel-Produkte, die die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz nachhaltig eingekauft hat (v. l.): Karin Urland (Fairtrade-Projektleiterin der Mädchenrealschule), Günther Pech (Stadtmarketing Erding), Nicola Gutiérrez Rodas und Ann-Kathrin Voge (beide Engagement Global gGmbH), Richard Geiger (Stadtverwaltung Landshut), Carina Bischke (Sprecherin Steuerungsgruppe), Kirstin Wolf (Eine-Welt-Promoterin) und Jürgen Bickhardt (Verein Weltladen Erding).

Treffen der Arbeitsgruppe “Nachhaltige Beschaffung“

Kommunale Macht im fairen Handel

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Erding - Wie kann fairer Handel auf kommunaler Ebene umgesetzt werden? Dieser Frage ging die Fairtrade-Arbeitsgruppe bei ihrem ersten Treffen in Erding nach – und erarbeitete einige Vorschläge.

„Die Notwendigkeit von fairem Handel und Beschaffung ist auch auf kommunaler Ebene erkannt worden.“ Das sagte Nicola Gutiérrez Rodas, Projektkoordinatorin der Engagement Global gGmbH, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Kommunen bei der fairen Beschaffung unterstützt. Gemeinsam mit Projektleiterin Ann-Kathrin Voge war sie auf Einladung der Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt Erding aus Bonn gekommen, um die Möglichkeiten der fairen Beschaffung vorzustellen. Das hörten sich neben Carina Bischke, Sprecherin der Steuerungsgruppe, Eine-Welt-Promoterin Kirstin Wolf und Günther Pech vom Stadtmarketing vor allem Stadträte, Schulleiter und Verantwortliche aus der Stadtverwaltung aufmerksam an.

Ziel der neuen Arbeitsgruppe „Nachhaltige Beschaffung“ ist es, eine Beschlussvorlage für den Erdinger Stadtrat zu erarbeiten. Darin soll festgelegt werden, wie die Stadt fair gehandelte Produkte einkauft – etwa Arbeitskleidung für den Bauhof, elektronische Geräte, Fußbälle, Kaffee oder Pflastersteine. Am Beispiel einer Lieferkette für Textilien machten die zwei Damen aus Bonn deutlich, dass dringend Handlungsbedarf besteht, um nicht etwa Kinderarbeit und Ausbeutung in Indien, China oder Bangladesch zu unterstützen.

„Eine Kommune sollte Vorreiter für nachhaltigen Einkauf sein“, sagte Voge. „Es gibt eine schlechte Außenwirkung, wenn sich herausstellt, dass zum Beispiel Steine für eine Marktplatzsanierung von Kindern in Indien hergestellt wurden.“ Dass durch nachhaltigen Einkauf sogar ein Umdenken bei Produzenten und Händlern erreicht werden könnte, macht eine Zahl deutlich: Für rund 350 Milliarden Euro ordern Bund, Länder und Kommunen jährlich Waren. Auf die Gemeinden entfällt die Hälfte der Summe. „Das ist schon eine gewaltige Marktmacht“, sagte Voge.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin stellte sie den Kompass Nachhaltigkeit vor, ein wichtiges Instrument für die kommunale Einkäufer. In dem Internet-Portal lässt sich für das benötigte Produkt anhand detaillierter Kriterien, Anforderungen und Gütezeichen eine Firmenliste zusammenstellen. Selbst Textbausteine und Hinweise für die Beantragung gibt das Portal aus.

Wie die faire Beschaffung seit Jahren in Landshut funktioniert, erklärte Richard Geiger vom dortigen Amt für öffentliche Ordnung und Umwelt. In Landshut gibt es seit 2004 einen Stadtratsbeschluss, der untersagt, dass die Stadt durch Kinderarbeit entstandene Produkte einkauft. Dafür hat man entsprechende Vergaberichtlinien erarbeitet. Ein Bieter, der an der Ausschreibung teilnimmt, muss beispielsweise mit einem Gütezeichen nachweisen, dass sein Produkt unter Einhaltung bestimmter, international festgelegter Kernarbeitsnormen entstanden ist. Ist ein Bieter teurer als ein anderer, bringt aber bessere soziale Kriterien mit, wird anhand einer Matrix berechnet, wer den Zuschlag bekommt. Trotz dieser Vorgaben würde die Stadt Landshut auch nicht teurer einkaufen als vorher, erklärte Geiger.

Die Zuhörer nutzten die Veranstaltung zur Diskussion. So sah Karl Berndl, Konrektor der Carl-Orff-Grundschule in Altererding, ein Problem, Schulmaterialien nachhaltig einzukaufen: „Lokale Händler haben mir erklärt, dass so etwas nicht vorrätig ist, weil es nicht nachgefragt wird. Es muss bestellt werden.“ Berndl regte an, auch den Handel mit ins Boot zu nehmen. Diese Ansicht vertrat auch Karin Urland von der Mädchenrealschule Erding. „Wenn Händler wüssten, was gebraucht wird, könnten sie auch gezielt bestellen.“ Zudem könnte es sogar billiger sein, wenn sich die Schulen vernetzten und Sammelbesteller werden würden.

Carina Bischke versprach, dass man auf den Schreibwarenhandel zugehen werde. In vier Wochen will die Arbeitsgruppe besprechen, wie sich die faire Beschaffung konkret in Erding umsetzen lässt.

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