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Dreister Betrug

Falscher Österreicher fährt mit neuem Mercedes davon

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Ein gefälschter Perso, eine Fake-Adresse und sogar ein Bankkonto - mit seiner falschen Identität gab sich ein Betrüger alle Mühe. So kaufte auf Pump einen 50.000-Euro-Mercedes. Die Konzernbank sah danach keinen Euro mehr. Die Rolle der angeblichen Hintermänner blieb vor dem Amtsgericht Erding aber unklar.

Erding – Florentin Wendel hat bei Autos einen exquisiten Geschmack. Beim Autohaus Nagel in Erding erstand der Österreicher im März 2015 einen Mercedes AMG im Wert von 49 900 Euro. Bis auf 5000 Euro Anzahlung war der Kauf komplett kreditfinanziert. Der Käufer fuhr mit der Nobelkarosse davon, und die Mercedes Bank wartet seitdem auf Ratenzahlungen. Der Wagen ist auch weg. Dafür erhielt der junge Mann gestern vor dem Amtsgericht Erding die Quittung.

Für Betrug in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Urkundenfälschung wurde er zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und zum Ersatz des Schadens verurteilt. Der Täter heißt allerdings nicht Florentin Wendel. Es ist vielmehr ein 26-jähriger Berliner, der für die Tat eine falsche Identität angenommen hatte – mit einem gefälschten österreichischen Personalausweis, gleichermaßen unechten Lohnabrechnungen sowie einem Wohnsitz in Waakirchen (Kreis Miesbach) und einem eigens in Rosenheim eröffneten Konto.

Das überzeugte 2015 zunächst die Verkäufer. Doch die Polizei durchschaute das Lügengebilde nach der Anzeige des Autohauses. Auf den Berliner kamen die Ermittler durch dessen Sorglosigkeit in Bezug auf sein Handy. Er hatte es auch unter der falschen Identität genutzt.

Er wurde im Dezember 2015 festgenommen und gestand in seiner einmonatigen Untersuchungshaft die Tat. Allerdings gab er an, für den Betrug von zwei Hintermännern unter Druck gesetzt worden zu sein: seinem Vermieter in Berlin und einem Mann, den er nur unter dem Namen „Garenga“ kannte. Der Vermieter, ein 45-jähriger Österreicher mit jugoslawischen Wurzeln, und ein 51-jähriger Serbe saßen gestern mit dem 26-jährigen Deutschen in Erding auf der Anklagebank.

Vor allem bei der Tatbeteiligung von „Garenga“ kamen vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Björn Schindler Bedenken auf. Dessen Verteidigerin meldete Zweifel an den Ermittlungen der Kripo Erding an. Der Richter befragte daher am Mittwoch einen als Zeugen aussagenden Kriminalhauptkommissar immer wieder, wie er „Garenga“ auf die Spur gekommen sei.

Der Kriminalbeamten hatte das nicht genau dokumentiert und blieb die Antwort schuldig. Er könne das aber nachträglich konstruieren, versprach der 52-Jährige. Das soll er nun auch in den kommenden Wochen tun. Denn das Verfahren gegen die angeblichen Hintermänner wurde abgetrennt. Sie verließen den Gerichtssaal ohne Urteil.

Nach Angaben des Kriminalers hatte ihn ein Radarbild aus der Schweiz auf „Garengas“ Spur gebracht. Ein junger Mann war mit dem Mercedes mit Miesbacher Zulassung zu schnell gefahren. Nach der Überprüfung verschiedener Datenbanken sei ihm eine Verbindung zu dem 51-Jährigen aufgefallen, berichtete der Polizist. Es war „Garengas“ Sohn. Zudem sind die beiden Mitangeklagten angeblich Cousins.

„Mein Mandant hat Angst, dass man ihm auflauert“, erklärte der Verteidiger des 26-Jährigen. Daher sei fraglich, ob er weitere Angaben zu den Komplizen machen werde. So viel hatte er schon 2015 ausgesagt: Es war „Garenga“, dem er den Mercedes übergab. 

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